Grünes Gold von Hand ernten – Traditionelle Hopfenernte und Hopfenfest in Sandhausen

(4.9.17) Knapp eine Woche nach Tettnang in der Hallertau begann am ersten Septemberwochenende die Hopfenernte auf dem einzigen ehrenamtlich betriebenen Hopfenfeld der Rhein-Neckar-Region. In Sandhausen drehte sich dann wieder alles um Handwerk, Handarbeit und Tradition – und um Genuss. Bereits zum 13. Mal kamen ehemalige Hopfenbauern, die Mitglieder des örtlichen Männergesangvereins und zahlreiche ehrenamtliche Helfer zu einem mittlerweile seltenen Handwerk zusammen: zum „Hopfezopfe“, der Doldenernte von Hand.

Gleichzeitig fand das jährliche Hopfenfest auf dem Sandhäuser Festplatz am Rathaus statt. Die Öffentlichkeit war herzlich eingeladen und halb gern beim Abzupfen der Hopfendolden!


Politprominenz beim Hopfezopfe – Bundestagskandidaten Memet Kilic (1. Foto l.), Jens Brandenburger (2. Foto m.) und in Vertretung von Lars Castellucci Frau Andrea Schröder-Ritzrau (3. Foto r.)


Wie jedes Jahr freute sich Welde-Chef Dr. Hans Spielmann auf die regionale Ernte: „Welde braut traditionell handwerklich hergestellte Biere. Wir sind stolz darauf, dass wir als einzige Brauerei seit so vielen Jahren den guten Aromahopfen aus Sandhausen für unser Welde No1 Slow Beer Pils nutzen dürfen.

Hier kommen Handwerkskunst, Rohstoffe und Genuss aus der Region zusammen.“ Die Aromahopfen werden weltweit für die Herstellung von Bieren immer beliebter, in den USA verwenden die Brauer mittlerweile mehr Aroma- als Bitterhopfen. „Vielleicht erlebt der Aromahopfen ja in und um Sandhausen doch irgendwann eine Renaissance“, ergänzt Spielmann.

“Hopfe zopfe, Schdiel draalosse, wers net koo, solls bleiwelosse”

Genauso muss der Hopfen geerntet werden. Das wissen die vielen Mitglieder des MGV Germania 1869 am allerbesten, sind viele von ihnen doch selbst Hopfenbauern gewesen. Sie kümmern sich mit großem Engagement in Sandhausen um das vier Ar kleine Hopfenfeld der Region. Viel Arbeit ist das, denn der Hopfen braucht viel Pflege. In diesem Jahr fiel die Ernte auch in Sandhausen etwas geringer aus, da das Wetter auch dem hiesigen Hopfen das Wachsen etwas erschwerte.

Im Rahmen des Hopfenfestes wurden bei Musik, Brotzeit und WeldeBier die Hopfendolden vorsichtig von den langen Ranken abgezupft. Aber Achtung: ein kleiner Stiel muss an der Dolde bleiben! Sonst kann das feine Blütengebilde zerstört werden. Die von Hand gezupften Hopfendolden werden bei Welde naturbelassen dem Bier-Sud zugefügt. „Das ist eine einzigartige Möglichkeit, fernab der großen Hopfenanbaugebiete ein echtes Grünhopfen-Pils zu brauen“, erklärte Welde-Braumeister Stephan Dück.

Erstmals bei Ernte und Fest dabei war der Bierpadre , der im Namen von Hopfen, Malz, Wasser und Hefe auf launige und interessante Weise antrat, um vom grünen Gold, von der Geschichte des Hopfenanbaus und vielem mehr rund um die duftenden Dolden zu erzählen. Jeder seiner Auftritte am Festsamstag widmet sich einem anderen Thema – und jedes war spannend. Denn der Bierpadre ist „im Einsatz für das reinste, bekömmlichste und wunderbarste Lebensmittel dieser Welt seit nunmehr 12.000 Jahren – für Bier“, erklärte er seine Liebe zum Gerstensaft und allem, was damit zusammenhängt.

Rechtzeitig zur Sandhäuser Kerwe am zweiten Oktoberwochenende soll das Bier fertig sein und nur dort vom Fass gezapft zur Verfügung stehen. Die Sandhäuser Hopfenernte soll rund 20.000 Kästen Welde No1 Slow Beer Pils ergeben, die ab Mitte Oktober im regionalen Handel verfügbar sind, solange der Vorrat reicht.

Hopfenernte

Die Rhein-Neckar-Region und besonders Schwetzingen und Sandhausen zählten früher wegen des vielfach sandigen Bodens zu den bedeutenden Anbaugebieten in Deutschland. Nach einer über 300-jährigen Tradition wurde 1995 in dem kleinen nordbadischen Ort Sandhausen die letzte „reguläre“ Hopfenernte der Region eingefahren. Heute gedeiht Hopfen in den deutschen Anbaugebieten Hallertau, Tettnang, Elbe-Saale und Spalt.

Übrigens: würde man in allen deutschen Hopfenanbaugebieten den Hopfen noch von Hand pflücken, wären 200.000 und mehr Hopfenzupfer nötig. Ein normaler Hopfenbauer müsste 120 Erntehelfer einstellen, um seine meist um die 13 Hektar großen Hopfenfelder in zwanzig Tagen abzuernten. Heute schafft eine Hopfenpflückmaschine das ganze Pensum mit gerade einmal fünf Arbeitskräften in wesentlich kürzerer Zeit.

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