Historische Mauritiuskirche soll wieder „leuchten“

Foto: Alex

Ja vor gut 10 Jahren war es passiert. Die heute noch vorhandene Außenbeleuchtung wurde gekappt und unsere schöne Mauritiuskirche lag fortan in den Abendstunden im Dunkeln. Nun in der Osternacht 2011von Samstag auf Sonntag wurde unsere Kirche, das älteste Gebäude in der Stadt, erstmals wieder angestrahlt. Die Initiative des Evangelischen Gemeindevereins hatte Erfolg und die Besucher des Osternachtgottesdienstes waren sichtlich begeistert. Zu Beginn des Gottesdienstes lag alles noch im Dunkeln und erst nach Ende des Gottesdienstes und beim Verlassen der Kirche war – dank der technischen Mithilfe der Firma Elektro Lutsch – das Kirchengebäude von außen beleuchtet und viele waren erstaunt, wie schön das doch aussah. Nach Pfarrer Steffen Groß passte das Licht sehr gut zum Gedanken von Ostern und zur Wiederauferstehung Christi.

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Die Wiedererstrahlung unserer Kirche passte aber auch gut zu Ereignissen, die wenige Wochen später stattfanden, nämlich einerseits zur Unterzeichnung einer ökumenischen Partnerschaftsvereinbarung zwischen unserer und der katholischen Kirchengemeinde und andererseits zum ersten gemeinsamen und ökumenischen Gemeindefest rund um die ehrwürdige Mauritiuskirche, denn diese diente ja bis zum Jahre 1707 beiden Konfessionen als Kirchenraum. So lesen wir dies, wenn wir ökumenische Chronistenhilfe bei meinem früheren Handballkumpel Berno Müller in Anspruch nehmen, in seinen beiden Bänden „Der Kirchturm ist dem Himmel nahe“, einer Geschichte Leimens und seiner katholischen Kirchengemeinde. Denn am 10. Januar 1707 geht die Mauritiuskirche endgültig an die Reformierten über und katholischer Gottesdienst findet vorerst in Leimen im kurfürstlichen Kelterhaus statt. Und wir lesen bei Berno Müller weiter zu den Anfängen der ersten Kirche in Leimen: “Noch zu erkennende Formen am Turm, dem unzweifelhaft ältesten Teil der heutigen evangelischen Mauritiuskirche, weisen auf die Frühgotik.

Wir befinden uns damit in der Zeit vor 1200. Doch es lässt sich vermuten, dass hier ein eher aus Holz als aus Stein gebautes Gotteshaus schon um die Jahrtausendwende vorhanden ist mit gerade mal 300 Einwohnern rund um die Kirche in Leimen.“ Diese Kirche, dieser Kirchenbau ist Geschichte pur seit mehr als 1000 (!) Jahren. Unsere Kirche sah und erlitt den Dreißigjährigen Krieg, an dessen Ende die Gemeinden der Kurpfalz auf rund 25 Prozent der ursprünglichen Einwohnerzahl geschrumpft waren. Unsere Mauritiuskirche überlebte die Pestepidemie von 1666/67 und den 1688 ausbrechenden Pfälzischen Erbfolgekrieg, der bis 1697 in Europa ausgefochten wurde. Die Mordbrenner des französischen Generals Melac verwüsteten auch Leimen und im Oktober 1674 wird auch die Mauritiuskirche ein Raub der Flammen , die Glocken allerdings können rechtzeitig vergraben und verborgen werden. Ja bei so viel Geschichte wird einem mehr als bewusst, der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Unsere Mauritiuskirche, die zu uns Evangelischen und Katholischen gehört ist ein Teil unserer Geschichte, unserer Identität und unserer Kultur und ihr Schicksal und ihr Glanz hat es verdient, in den nächtlichen Himmel zu strahlen, aber nicht nur einmalig in der Osternacht, sondern nachhaltig und strahlend jetzt und für künftige Generationen. (Wolfgang Müller, Vorsitzender des Evangelischen Gemeindevereins e.V.)

 

 

 

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