Kreisrat Bruno Sauerzapf: Aus dem Nahverkehrsplan wird ein Mobilitätsplan

Zu Beginn seiner Ausführungen hob Bruno Sauerzapf hervor, dass die festgelegten Ziele des Nahverkehrsplan 2005 nicht nur umgesetzt, sondern auch nach dem steigenden Bedarf ergänzt wurden. Das Fahrgastaufkommen beim VRN stieg von 2000 – 2015 von 231,5 Mio. auf 310 Mio.- um 33 %. Allerdings blieb der Modal Split zwischen MIV und ÖPNV von 2004 – 2025 blieb annähernd gleich – 80 % MIV und 20 % ÖPNV. Er fiel sogar geringfügig. Das Verkehrsaufkommen stieg insgesamt, jedoch ist der eigene PKW das Fahrzeug, das allein genutzt werden kann und auch zeitlich nahezu konkurrenzlos ist – ein Teil der persönlichen Freiheit! Er wird allerdings durchschnittlich nur an 1 Stunde täglich genutzt,

Neben den klassischen Inhalten eines NVP bezieht der Planentwurf nun auch Angebote ein, welche die Grundlagen für die Entwicklung zu einem Mobilitätsverbund bilden. Im Mittelpunkt steht nicht mehr die Frage des Verkehrsmittels, sondern die zentrale Fragestellung „Wie komme ich am besten von A nach B?“. Die Mobilität lässt sich nicht mehr trennen in Individualverkehr und öffentlichen Verkehr. Die Mobilität und das Verkehrsverhalten sind aus den unterschiedlichsten Gründen (Demographie, Energie, Siedlungsstruktur, Digitalisierung, alternative Antriebstechniken: Elektro, Brennstoffzelle) einem bedeutenden Wandel unterzogen.

Bei der Aufstellung eines Nahverkehrsplans wurden die Träger öffentlicher Belange, insbesondere der Gemeinden, und die Bürger beteiligt. Der ÖPNV ist eine freiwillige Kreisaufgabe, wobei bei der Bezuschussung die Ausgleichsfunktion beachtet werden muss. Die Anträge der Freien Wähler, der Linken und von Bündnis 90/Die Grünen sind alle diskussionsfähig. Die CDU erachtet jedoch den in der Lenkungsgruppe erarbeitete Kompromiss mit der Bezuschussung der Aufwanddeckungsfehlbeträge mit 40 % für schienengebundene Verkehre und 45 % für die Busverkehre durchaus als vertretbar.

Allerdings: Eine allseits gerechte und befriedigende Lösung gibt es nicht. Mit einer Änderung der Bezuschussungshöhe wird die Bedienungsqualität für die Bürgerinnen und Bürger nicht automatisch besser. Es wird wohl keine zusätzliche Linie wird eingerichtet, und der Fahrpreis ändert sich nicht. Die Kreiszuschüsse für Investitionen sollten wie bisher 50 % verbleiben. Gegen die Zuschüsse für den Ausbau barrierefreier Haltestellen spricht, dass sich die Finanzströme vom ländlichen Bereich in den Verdichtungsbereich umkehren, weil in den Verdichtungsbereichen wesentlich mehr Haltestellen umgebaut werden müssen und mit jährlich 2 Mio. € für 4 Jahre die künftigen Haushalte belasten. Der Leitsatz gilt: Die Haushalte ruiniert man mit Entscheidungen in guten Zeiten.

Für die Lenkungsergeben sich u. a. folgende Aufgaben:

  • Fortschreibung des NVP zum Mobilitätsplan
  • Maßnahmen zur stärkeren Nutzung des ÖPNV
  • Ausdehnung des VRN-Tarifs auf die benachbarten Verkehrsverbünde (Karlsruhe, Heilbronn)
  • Carsharing, autonomes Fahren
  • Verknüpfungspunkte Fußgänger, Radverkehr, ÖPNV, Fernverkehr
  • Bezuschussung der Bürgerbusse

Die CDU – Kreistagsfraktion stimmte

  • dem fortentwickelten Nahverkehrsplan,
  • der Beauftragung der Lenkungsgruppe mit der Entwicklung des NVP zum Mobilitätsplan,
  • der Bezuschussung der Aufwanddeckungsfehlbeträge für Straßenbahnen mit 40 % und den Aufwanddeckungsfehlbeträgen für Buslinien mit 45 %,
  • den Investitionsmaßnahmen mit 50 % – wie bisher – und der
  • Kommunalisierung der Ausgleichsleistungen zu

Bei seinen Ausführungen zum Nahverkehrsplan stellte Bruno Sauerzapf ein Denkmodell für die Mobilitätsentwicklung 2050 ausgehend von folgenden Fakten vor:

Aufgabe: Von A nach B mit umweltfreundlichen Verkehrsmitteln

Voraussetzungen:

  • Verstärkte Verlagerung MIV auf ÖPNV
  • Emissionsarme Antriebe
  • Autonomes Fahren
  • Intelligentes Angebot im Internet
  • Ein Verbundtarif zumindest für das Land Baden-Württemberg

Wie könnte die Mobilität 2050 organisiert sein?

Ich gehe davon aus, dass sich die Menschen sehr schwer von der persönlichen Freiheit wegen der Benutzung des eigenen PKWs trennen werden, denn die Mobilität wird noch zunehmen!!

Frage: Wie kann ich von A nach B fahren?

Vision: Wenn ich von A nach B fahren möchte, teile ich im hyperschnellen Internet der Mobilitätszentrale mein Fahrziel von zuhause mit, das mir die günstigste Verbindung mitteilt.

Ich benutze den gut ausgebauten ÖPNV oder mich holt ein emissionsarmes möglichst mit regenerativer Energie betriebenes computergesteuertes Fahrzeug (autonomes Fahren – ohne Fahrer) ab, nimmt auf dem Weg zum Fahrziel evtl. weitere Passagiere auf und bringt mich pünktlich zur Umsteigemöglichkeit auf Straßenbahn oder Bahn oder zum Zielort.

Ich selbst habe kein eigenes Fahrzeug mehr, sondern bin am Pool der „Mobiläts-AG“ beteiligt und zahle meinen Grundbeitrag und die Kosten je Fahrkilometer.

Es werden weitaus weniger Parkplätze benötig, ich selbst benötige keine Garage oder Stellplatz mehr und habe den Komfort von einem eigenen PKW. Schließlich erhöht sich die Nutzungsdauer des autonomen Fahrzeugs im Vergleich zum heutigen PKW sehr deutlich als betriebswirtschaftliches Ergebnis. Letztendlich ist dies ein Beitrag zum Klimaschutz, nach dem Leitmotiv: „Bewahrung der Schöpfung“. Sicherlich eine Zukunftsvision, aber durchaus denkbar.

 

 

 

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