Landrat Dallinger stellt Buch „Kulturzentrum Stiftskirche Sunnisheim“ vor

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Landrat Dallinger mit den Buchautoren

Begrüßung und Buchvorstellung „Kulturzentrum Stiftskirche Sunnisheim Geschichte – Archäologie – Architektur“ (Baustein zur Kreisgeschichte 10) durch Landrat Stefan Dallinger im Kulturzentrum Stiftskirche Sunnisheim in Sinsheim

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Gäste,

ganz herzlich begrüße ich Sie heute hier im Kulturzentrum Stiftskirche Sunnisheim und freue mich sehr, dass Sie da sind. Ich glaube, wir alle wissen, dass wir uns an einem ganz besonderen Ort befinden. Denn die Geschichte des Michaelsbergs mit der ehemaligen Stiftskirche, seine religiöse Geschichte reicht weit in die Vergangenheit, über die Römerzeit hinaus bis in die keltische Zeit zurück. Manche nennen einen solchen Platz „einen Ort der Kraft“, und das müssen auch diejenigen gespürt haben, die hier vor über 1100 Jahren begannen, diese Kirche zu errichten, um ein neues Kapitel in der Geschichte dieses Berges aufzuschlagen.

491 - Kulturzentrum Stiftskirche SunnisheimKloster und Stift Sunnisheim erlebten im Mittelalter und in der frühen Neuzeit Höhen und Tiefen, die zwangsläufig auch die Kirche betrafen. Nach der Reformation und dem Ende ihrer sakralen Nutzung diente sie sehr verschiedenen Zwecken, seit 1889 der hier ansässigen Jugendbildungseinrichtung. Der Rhein-Neckar-Kreis hat ja im Zuge der Verwaltungsreform 2005 vom Landeswohlfahrtsverband die Jugendhilfeeinrichtung Stift Sunnisheim übernommen. Mein Vorgänger, Landrat Dr. Jürgen Schütz, der heute leider nicht hier sein kann und Sie herzlich grüßen lässt, war als Historiker stark am Denkmalschutz interessiert. Da die Stiftskirche nicht mehr für die bisherigen Zwecke des Jugendstifts zu nutzen war, lag es für ihn nahe, eine würdevolle neue Verwendung zu suchen. Nach einer Vorstudie war das Ziel definiert: Es sollte aus der Stiftskirche ein Kulturzentrum des Rhein-Neckar-Kreises entstehen.

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Bei der Veranstaltung anwesend: Leimens Bürgermeisterin Claudia Felden

Dieses wunderbare Ambiente zu schaffen und unter Beachtung des Denkmalschutzes die notwendigen Kompromisse zu finden für die energetische Verbesserung des Gebäudes – eine mir wichtige Zukunftsfrage – und vor allem einen modernen Anbau des Foyers an der Stelle zu schaffen, an der bis zum Abbruch im 17. Jahrhundert das südliche Seitenschiff stand, war keine einfache Sache. Die Arbeiten am Bauwerk und die archäologischen Untersuchungen haben aber eines unterstrichen: Hier steht ein herausragendes Monument der südwestdeutschen Baugeschichte! Dies zu erkennen, seine Vergangenheit zu erkunden, ein als Kulturzentrum genutztes Denkmal zu schaffen, daran waren viele beteiligt.

516 - Sunisheim 6Der planende Architekt, die forschenden Archäologen, Denkmalpfleger, Historiker, Kunsthistoriker und Restauratoren haben ihre aufwändigen Arbeiten ausführlich dokumentiert. Wir wollen Ihnen heute Abend ihre Ergebnisse mit diesem Buch vorstellen. In ihm ist beschrieben, wie dieses historische Kleinod endgültig vor dem Verschleiß der Zeiten bewahrt worden ist. Und darüber hinaus präsentieren wir Ihnen damit viele neue Erkenntnisse zur Geschichte. Das Buch heißt „Kulturzentrum Stiftskirche Sunnisheim Geschichte – Archäologie – Architektur“ und ist erschienen als Band 10 der Reihe „Rhein-Neckar-Kreis – Bausteine zur Kreisgeschichte.“ In dieser Schriftenreihe arbeiten wir seit fast zwei Jahrzehnten die historisch-kulturellen Wurzeln des Rhein-Neckar-Kreises auf. Ich freue mich, dass einige Autorinnen und Autoren heute Abend hier sein können.

516 - Sunisheim 3Meine Damen, meine Herren, ich werde Sie gleich noch vorstellen, doch seien Sie jetzt schon alle herzlich begrüßt, und lassen Sie mich feststellen:

Auch wenn die Einweihung schon knapp zwei Jahre her ist (23. Juli 2011) und das Kulturzentrum seine Tauglichkeit schon bei Konzerten dank einer optimalen Akustik und bei anderen Anlässen bewiesen hat, ist unser großes Projekt – die Sanierung und Renovierung – dank Ihrer Beiträge in diesem Buch und der daraus entstandenen umfassenden (kultur-)historischen Bestandsaufnahme erst jetzt vollständig abgeschlossen.

Dankbar sind mein Vorgänger und ich den Kreisrätinnen und Kreisräten, die 2009 in finanziell nicht ganz einfachen Zeiten mutig 1,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt haben, um die Kirche historisch zu untersuchen und die Umnutzung beherzt umzusetzen. Viele von Ihnen sind heute Abend hier, seien Sie alle herzlich gegrüßt. Und um für das Gesamtprojekt Kulturzentrum Stiftskirche Sunnisheim einmal eine Zahl zu nennen: Insgesamt standen dann 1,89 Millionen Euro zur Verfügung, davon kommen 1,6 Millionen vom Rhein-Neckar-Kreis, 291.000 Euro Zuschüsse haben wir erhalten, um die ehemalige Stiftskirche zu dem zu werden lassen, was sie heute ist.

516 - Sunisheim 1Mit 100.000 Euro hat sich die Stadt Sinsheim an der Renovierung beteiligt. Ganz herzlich danke ich dem – heute leider verhinderten – Oberbürgermeister Jörg Albrecht und seinem Vorgänger Rolf Geinert, der sich ebenso für den Umbau engagiert hat, wie der frühere Erste Bürgermeister Helmut Beck und Nachfolger Achim Keßler. Helmut Beck war damals bei der Entscheidung Vorsitzender der SPD-Fraktion im Kreistag, Achim Keßler ebenfalls auch Kreisrat. Ein herzliches Willkommen gilt natürlich den Stadträtinnen und Stadträten der Großen Kreisstadt.

Liebe Gäste, einige von Ihnen waren ja schon während der Bauzeit schon einmal hier, haben den „entkernten“ Zustand erlebt und die ausgebrochenen romanischen Bögen gesehen, vielleicht die Ausgrabungen bestaunt oder sich über die Medien, deren Vertreter ich ebenfalls ganz herzlich begrüße, über die Planungen und Entscheidungen informiert. Sie werden sagen: Was für ein Unterschied – und das stimmt. Und Sie werden sicher ebenfalls sagen: Hier ist keine Geschichte abhanden gekommen, wie manche in Sinsheim befürchtet haben, sondern hier wurde Geschichte (wieder zugänglich) gemacht.

Nun kann man sie mit dem vorliegenden Buch in 18 Beiträgen sogar nachlesen! Wir haben uns dabei entschieden, es vom Allgemeinen zum Speziellen zu gliedern und es um zusätzliche besondere Betrachtungen und Erkenntnisse zu bereichern.

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Heidelberger Architekt Dipl. Ing. Bert Burger

Wenn ich nun von den Autoren den renommierten Heidelberger Architekten Dipl. Ing. Bert Burger zuerst nenne, liegt das nicht nur daran, dass er im Alphabet vorne steht. Von ihm stammen die Machbarkeitsstudie und die Baupläne und er war wohl von allen Anwesenden die meiste Zeit bei Umbau und Restaurierung selbst dabei. Da er mit seinem Buchbeitrag „Vom Baudenkmal zum Kulturzentrum“ quasi die Klammer zu allen weiteren Beiträgen im Buch geschrieben hat, habe ich ihn als „spiritus rector“ gebeten, Sie im Anschluss an meine Buchvorstellung über das ganze Projekt zu informieren.

Wenn ich ihn und unsere Autorinnen und Autoren nun namentlich vorstelle, bitte ich die Genannten, sich kurz zu erheben, damit interessierte Gäste sich nachher bei Ihnen direkt über Ihre Arbeit informieren können. Ich will Sie nämlich auch herzlich einladen, nach der Buchvorstellung noch etwas zu Gesprächen zu bleiben, denn wir haben einen Imbiss und Getränke für Sie alle vorbereitet…

Also, lieber Herr Burger: Ich glaube, ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass Sie erblich vorbelastet sind, was Archäologie und Kunstgeschichte angeht. Ihr Urgroßvater Friedrich von Duhn war Professor für klassische Archäologie in Heidelberg, Ihr Großvater, der Kunsthistoriker Fritz Burger, hat ein vielbändiges „Handbuchs der Kunstwissenschaften“ begründet. Sie selbst haben neben Architektur auch Archäologie studiert, mit Berndmark Heukemes gegraben oder auch als Grabungsarchitekt z. B. am Euphrat in Syrien gearbeitet. Im Wesentlichen haben Sie jedoch seit über 45 Jahren ein erfolgreiches Büro für Architektur und Stadtplanung, dessen Chef seit 4 Jahren Ihr Sohn ist. Neben der Sanierungsplanung für ca. 30 Kommunen, u. a. Ladenburg, Neckargemünd, Weinheim, Wiesloch etc. haben Sie normalen Wohnungsbau realisiert und auch viele öffentliche Gebäude wie das Rathaus in Ladenburg, das Jugendtheater oder das Friedrich-Ebert-Museum in Heidelberg, das Museum und Bibliothek in Neckargemünd oder auch die Erweiterung der Helen-Keller-Schule des Rhein-Neckar-Kreises in Weinheim.

Ebenfalls zum allgemeinen Teil gehört der Beitrag „Neues Leben in alten Mauern“ von Dr. Jürgen Schütz, mit dem er seine Philosophie unterstreicht, die ich teile, dass sich Restaurierungsbemühungen nur in einem belebten Denkmal auf Dauer sichern lassen.

Im zweiten Teil des Buches geht es um die Geschichte von Kloster und Stiftskirche.

„Die archäologischen Untersuchungen an der ehemaligen Stiftskirche in Sinsheim“ hat Dr. Folke Damminger seinen Aufsatz über die Ausgrabungen genannt. Er arbeitet beim Referat Denkmalpflege beim Landesdenkmalamt im Regierungspräsidium Karlsruhe und ist Fachmann für Mittelalterarchäologie. Leider kann der ausgewiesene Kenner der Region, heute Abend nicht bei uns sein.

Dr. Ludwig H. Hildebrandt und Nicolai Knauer schildern ausführlich die spannende „Baugeschichte und Gründungshistorie des Klosters Sinsheim an der Elsenz“ und beleuchten die unterschiedlichen Bauphasen bis in die Neuzeit.

Dr. Hildebrandt ist von Hause aus Geologe und hat in Wiesloch das Büro für Denkmalpflege und Umweltschutz BDU. Als ehrenamtlicher Denkmalpfleger für das Landesdenkmalamt ist er in fast jeder Gemeinde des südlichen Rhein-Neckar-Kreises mit Ausgrabungen, Notbergungen und Fundsicherungen sowie –bewertungen befasst gewesen. Seine Unterstützung wird gerne in Anspruch genommen. Und da er zudem Fachmann für den frühen Bergbau an der Bergstraße ist, stammt von ihm zudem der Beitrag „Das Sinsheimer Steinkohlen-Bergwerk, die Stiftsgrube genannt“, über die bislang noch nicht so viel bekannt ist. Im Übrigen ist Dr. Hildebrandt Stv. Vorsitzender des „Heimatverein Kraichgau“, dessen anwesende Mitglieder ich ebenfalls herzlich grüße.

Nicolai Knauer hat in Heilbronn „ Aspectus Novus – Arbeitsgemeinschaft für Regionalgeschichte“ gegründet. Er macht mit seiner Firma u. a. Bauforschungen, Fotodokumentationen, Fotogrammetrie und Aufmaße. Er ist ein absoluter Burgenspezialist, deshalb hat „Der Torturm des Klosters Sinsheim“, wie ein weiterer Beitrag von ihm heißt, seine Aufmerksamkeit geweckt.

Mit „Beobachtungen zu Konstruktion und Bautechnik“ legt Dr.-Ing. Peter Marzolff vom Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Heidelberg einen wahrlich erstaunlichen Beitrag vor. Dr. Marzollf, der unter anderem auch beim Deutschen Archäologischen Institut mitgearbeitet hat und als Grabungsleiter nicht nur in Griechenland sondern auch bei vielen anderen Ausgrabungen tätig war, ist hier vor allem bekannt durch die Ausgrabungen am Michaelskloster auf dem Heiligenberg bei Heidelberg und deren Publikation, zusammen mit Grabungsarchitekt Bert Burger. Er hat bereits in den 1950er Jahren die Bedeutung der Baugeschichte unserer Stiftskirche erkannt, die fundamentalen Erkenntnisse aber nicht publiziert. In beeindruckender Weise berichtet er jetzt mit einem unglaublichen Auge über die vielen Bauphasen der Kirche, und ich muss gestehen: Wo wir nur eine Wand sehen, erkennt er 5 Bauphasen mit jeder Menge Unter-Bauphasen… Diese dokumentiert er im Buch mit zahlreichen Zeichnungen und Rekonstruktionen.

Aus der römischen Phase des Michaelsberges berichtet im dritten Teil Dr. Renate Ludwig mit ihrem Beitrag über „Römische Götterverehrung um Sinsheim und im Kleinen Odenwald“. Frau Dr. Ludwig ist die Leiterin der Abteilung Archäologie und Denkmalschutz am Kurpfälzischen Museums der Stadt Heidelberg. Sie hat schon viele verschiedene Forschungsprojekte betreut, unter anderem auch hier in der Region. Als Mitglied bei der Archäologischen Gesellschaft war ihr natürlich das Projekt nicht fremd.

Francisca Feraudi-Gruénais hat mit „Neues ganz ohne Grabung – Überlegungen zu einem noch unbekannten römischen Götterheiligtum in Sinsheim“ einen Artikel beigesteuert, der fast detektivischen Spürsinn erforderte. Sie ist Mitarbeiterin bei der Akademie der Wissenschaften im Seminar für Alte Geschichte und Epigraphik der Universität Heidelberg und betreut dort die Epigraphische Datenbank Heidelberg, die Texte der lateinischen und lateinisch-griechischen Inschriften des römischen Reiches zum Inhalt hat.

Die speziellen Forschungen während der Umbau- und Restaurierungsarbeiten starten im vierten Teil mit dem Beitrag „Dendrochronologische Untersuchungen an der ehemaligen Stiftskirche Sunnisheim“ von Burghard Lohrum. Er betreibt ein Ingenieurbüro für Bauforschung, Datierung, Bauaufnahme in Kenzingen. Als Spezialist der Dendrochronologie und als weithin bekannter Fachmann für Bauforschung wird er oft vom Landesdenkmalamt eingebunden. Spaßhalber schon als „Herr der Ringe“ bezeichnet, konnte er den zu zwei Dritteln noch vollständigen Dachstuhl des Langhauses auf 1233 datieren, eine Sensation für ganz Deutschland, denn so alte Dachstühle sind überaus selten.

Dr. Margarete Walliser vom Referat Archäologie des Mittelalters beim Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, befasst sich mit „Spolien aus der Sinsheimer Stiftskirche“. Die anerkannte Fachfrau hat viel über die beim Bau wieder verwendeten alten Steine vor allem aus römischer Zeit herausgefunden, aber auch über die Wasserspeier, die heute im Stadt- und Freiheitsmuseum zu bewundern sind.

Dr. Harald Drös ist Leiter der Forschungsstelle „Deutsche Inschriften“ der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Dort werden lateinische und deutschsprachige Inschriften des Mittelalters und der Frühen Neuzeit bis zum Jahr 1650 in Baden-Württemberg ausgewertet und publiziert. Sein profundes Wissen stellt der anerkannte Heraldiker und Inschriftenspezialist in seinem Artikel „Die Grabplatten der Sinsheimer Stiftskirche und ihre Inschriften“ einmal mehr unter Beweis.

Von Dr. Martin Trautmann stammt der „Anthropologische Bericht zu den Skelettfunden Sinsheim Stift“. Was er bei seiner Untersuchung zur Lebensweise der Menschen herausgefunden hat, ist faszinierend und macht uns die mittelalterliche Lebenswelt auf eindrucksvolle Weise greifbar. Zusammen mit seiner Frau führt er in München die Firma „A und O – Anthropologie und Osteoarchäologie, Praxis für Bioarchäologie“, die interdisziplinär anhand von Knochen und Pflanzenresten frühere Lebensbedingungen erforscht.

Es freut mich, dass der in Sinsheim als Leiter des Stadt- und Freiheitsmuseums und des Stadtarchivs wohlbekannte Kulturwissenschaftler Holger Friedrich über die „Glas- und Keramikfunde vom Michaelsberg zu sehen im Stadtmuseum Sinsheim“ berichtet. Dort sind ganz ausgezeichnete Funde zu Stift und Kirche zu besichtigen, darunter äußerst qualitätvolle steinerne Wasserspeier und ein Löwe. Ich denke, dieser Beitrag macht auch Lust, einen Blick in das Museum zu werfen und anschließend das Stift anzuschauen – oder umgekehrt… Herr Friedrich hat 2000 mit dem „Chronikon Sunnisheimense“ selbst ein Buch zu 900 Jahre Benediktinerkloster Sunnisheim herausgegeben. Seine Frau Christine Friedrich ist 1. Vorsitzende der „Freunde Sinsheimer Geschichte“, dessen anwesende Mitglieder ich ebenfalls herzlich begrüße. Beide sind sehr engagiert, und mit dem 1992 gegründeten „Friedrich-Hecker-Theater“ haben sie im Milleniumsjahr 2000 vor dem Stift die „Kraichgau-Saga“ zu 900 Jahre Stadtgeschichte aufgeführt. Sein Buch und das Theaterstück haben zugleich eine intensive Neubeschäftigung mit der Klostergeschichte angeregt.

Die Diplomrestauratorin für Wandmalerei und Steinobjekte Silke Böttcher schreibt in ihrem Beitrag über „Die Konservierung der gefassten Arkadenbögen in der ehemaligen Stiftskirche Sunnisheim“. Sie hat ebenfalls ein Heimspiel, denn zusammen mit ihrem Mann, Diplom-Restaurator Ralph Böttcher, wohnen und arbeiten beide in Sinsheim-Rohrbach in der ehemaligen Synagoge, die sie 2004 gekauft und restauriert haben. Silke Böttcher ist eine erfahrene Fachfrau, die in jungen Jahren schon an der Restaurierung der Tiepolo-Fresken in der Residenz Würzburg mitgearbeitet hat. Heute kann sie auf viele großartige Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten stolz sein, darunter im UNESCO-Weltkulturerbe Kloster Maulbronn, im Freiburger Münster, der Klosterkirche Lobenfeld oder auf die ganz tolle Arbeit bei der Konservierung und Restaurierung von Jugendstilmalereien in der Hockenheimer St. Georg-Kirche.

Natürlich darf in einem solchen Buch die Geschichte der Jugendhilfeeinrichtung nicht fehlen. In einem Exkurs beschreibt der heutige Geschäftsführer Bernhard Kovar den Weg „Von der Rettungsanstalt zur Jugendhilfeeinrichtung Stift Sunnisheim gGmbH“ und geht dabei auch auf die dunklen Kapitel ein. An der Sanierung der Stiftskirche haben sich übrigens deren Meister und Jugendliche – neben den Baufirmen – eingebracht haben. Ich glaube, und das gilt für alle, die am Umbau beteiligt waren, an einem so bedeutenden Kulturdenkmal mitgearbeitet zu haben, ist eine emotionale Angelegenheit, an die man sich sein ganzes (Berufs-)Leben erinnert.

Das Buch endet mit zwei Beiträgen, die zusammen rund ein Viertel der über 380 Seiten in Anspruch nehmen. Dr. Harald Drös dokumentiert und analysiert „Die Siegel des Klosters und Stifts Sinsheim, seiner Äbte und Pröpste – unter besonderer Berücksichtigung der Siegelinschriften“ und Dr. Ludwig Hildebrandt fasst die bisherigen und neu gefundenen Urkunden zur Kloster und Stiftsgeschichte in den „Regesten des Klosters und Stifts Sinsheim“ zusammen. Gerade in diesen Artikeln steckt unheimlich viel Arbeit. Wer schon einmal versucht hat, eine mittelalterliche Urkunde, eine Siegelumschrift oder eine Münzumschrift zu lesen, weiß, dass es manchmal einfach ist, manchmal aber eben nicht. Dann sitzt man schon Stunden oder Tage daran, oft nur ein einzelnes Wort zu knacken oder eine Abkürzung aufzulösen.

Ihnen, liebe Autorinnen und Autoren, noch einmal ganz herzlichen Dank für diese tolle Arbeit!

Es liegt in der ‚Natur’ eines Sammelbandes mit 18 Beiträgen, dass es bei thematisch eng miteinander verwandten Aufsätzen mitunter zu Überschneidungen und Wiederholungen kommt. Das ist auch hier so, aber das war allen Beteiligten von Anfang an bewusst. Die thematische Nähe bietet aber die Möglichkeit, viele archäologische und bauhistorische Details und Befunde, verteilt auf mehrere Beiträge, ausführlich im Bild zu dokumentieren und so einen visuellen Eindruck des Umbaus zu vermitteln. Denn viele – nur kurzfristig während der Bauphase – freigelegte Stellen sind mittlerweile wieder auf unabsehbare Zeit verschlossen. Weitere in den übrigen Beiträgen veröffentlichte Dokumente, Siegel, Pläne, Stiche oder ‚alte’ Fotos bzw. Postkarten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, runden die ambitionierte Konzeption des Sammelbandes ab, eine möglichst umfassende (Bau-)Geschichte von Stift und Stiftskirche auf dem neuesten Forschungsstand vorzulegen. Voller Selbstbewusstsein, aber auch mit etwas stolz darf ich behaupten, dass dieses Buch sicher für lange Zeit das Standardwerk zur wechselvollen Geschichte des Sinsheimer Michaelsbergs sein wird.

Wenn ich gerade die Bilder erwähnt habe, so will ich auch unsere Fotografin Dorothea Burkhardt nennen. Denn viele Aufnahmen im Buch sind von ihr. Zudem hatte Frau Burkhardt einen weiteren wichtigen Part bei der Buchherstellung, denn sie hat das ansprechende Lay-out und den Satz gestaltet. Ich weiß, dass das eine riesige und komplexe Arbeit war, und ich danke Ihnen ganz herzlich.

Danken will ich allen privaten und institutionellen Leihgebern, die in uneigennütziger Weise Fotos und Dokumente als Abbildungsvorlagen zur Verfügung stellten, sowie einer ganzen Reihe ‚guter Geister’ vor und hinter den Kulissen. Schön ist es, dass die beiden Herausgeber unserer Buchreihe, Kreisarchivar Dr. Jörg Kreutz und mein Referent Berno Müller, die die Mühen der Redaktion auf sich genommen haben, darauf achteten, dass dieses Werk auf Papier mit dem FSC-Gütesiegel – Forest Stewardship Council steht für nachhaltige Waldwirtschaft – und CO2-kompensiert gedruckt worden ist.

Nun darf ich Sie alle noch einmal herzlich willkommen heißen, und Ihre Aufmerksamkeit auf die Schilderungen unseres Architekten Bert Burger verweisen. Das Buch „Kulturzentrum Stiftskirche Sunnisheim Geschichte – Archäologie – Architektur“ kann man heute hier natürlich erwerben, sowie es ab morgen im Landratsamt oder über alle Buchhandlungen bekommen bzw. bestellen.

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