Replik zum offenen Brief von E. Neuschäfer an die HIL

Sehr geehrte Frau Neuschäfer,

es erfreut uns außerordentlich, dass wir in Ihnen eine interessierte Leserin unserer Kommentare wissen dürfen. Endlich kommt es zu der von uns lange erhofften Diskussion. So macht es mehr Freude, sich als Kirchenkritiker zu engagieren. Wären wir gläubig, so würden wir von Gnade oder gar von Vorsehung sprechen, endlich erhört zu werden.

In Deutschland gilt ja – oft zum Leidwesen insbesondere der kath. Kirche – Art. 5 des GG, der den Bürgern Meinungsfreiheit garantiert.

Wir finden, dass es uns angesichts der Tatsache, dass wir Menschen über Satelliten kommunizieren können und die Gentechnik beherrschen im Rahmen des Art 5 GG zusteht, sagen zu dürfen, dass wir „Gott für eine psychische Marotte“ halten. Wenn Sie sich dadurch persönlich beleidigt fühlen, so bedauern wir dies außerordentlich. Unsere Kommentare können wir jedoch aus grundsätzlichen Erwägungen nicht zu zurücknehmen oder relativieren.

Bedenken Sie bitte: Wenn wir Ihre Einrede der Beleidigung ernst nehmen würden, so käme das einer Herabwürdigung sämtlicher religionskritischer Vordenker, wie Jean Meslier, Feuerbach, Karl Marx, Nietzsche, Freud, Satre, Karlheinz Deschner, etc. samt deren gesamten Literatur gleich.

Sehen Sie bitte auch, was Sie, Frau Neuschäfer hier verteidigen: Eine Mythologie, die vor 2000 Jahren aus einer einfachen Hirtenkultur entwickelt wurde und Europa jahrhundertelang ins Verderben gestürzt hat und noch heute im Arbeitsrecht, im Umgang mit Kindern oder Geldern immer wieder für Skandale von erheblicher Wirkung sorgt.

Zu dem von Ihnen benutzten Wort „Respekt“ sollte man eine differenzierte Betrachtung anstellen:
Dr. Michael Schmidt-Salomon schreibt hierzu in der ZEIT vom 21.9.12:
„Respekt“ (von lateinisch „respectus“: Zurückschauen, Rücksicht) bezeichnet eine Form der Achtung und Ehrerbietung gegenüber einer anderen Person, ihren Handlungen oder Überzeugungen. Keine Frage: Für aufgeklärte Zeitgenossen ist es eine pure Selbstverständlichkeit, Menschen als Menschen wertzuschätzen. Doch gilt dies auch für alle Überzeugungen, die Menschen an den Tag legen? Ganz gewiss nicht…
…Führt man sich vor Augen, wie vehement „Ungläubige“ in den Grundlagenschriften der Religionen verunglimpft werden, wirken sämtliche Religionssatiren, die in den vergangenen  Jahrzehnten veröffentlicht wurden, wie harmlose Späßchen. Bei Licht betrachtet hätten religionsfreie Menschen also weit triftigere Gründe, sich in ihren weltanschaulichen Gefühlen verletzt zu sehen. Offenkundig jedoch sind ihre weltanschaulichen Empfindungen weit weniger verletzungsanfällig als religiöse Gefühle. Sollte man also Rücksicht auf die besondere Befindlichkeit der Gläubigen nehmen? Keineswegs, denn das würde das Krankheitsbild nur noch verschlimmern.“

Den ganzen Text von Schmidt-Salomon finden Sie hier: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2012-09/religion-ideologie-respekt/komplettansicht
Sie schreiben weiter, Ihnen geht es nicht um die inhaltliche Auseinandersetzung der Videobotschaften. Das ist Ihnen unbenommen. Uns aber geht es eben „primär um diese Inhalte“, nicht um persönliche Beleidigungen oder Befindlichkeiten. Manches Geistliche Wort aus Ihrer Seelsorgeeinheit bereitet uns eben wirklich erhebliche Sorgen.

Das Christentum oder die Kirche mögen – wie Sie schreiben – nicht tot sein, da können wir Ihnen zustimmen. Aber im Sterben liegen die Beiden allemal. Eine Kirche, die sich gefühlt überwiegend nur in Äußerlichkeiten, Prunk, Pracht und Macht repräsentiert, hat ihre Daseinsberechtigung verwirkt. Die Austrittszahlen sprechen hier eine eindeutige Sprache.

Die FAZ schrieb hierzu am 5.4.17: „Kirche und Religion spielen im Leben der Jugend in Europa laut einer Umfrage kaum noch eine Rolle. 85 Prozent der jungen Erwachsenen sagten, dass sie ohne Glauben an Gott glücklich sein können. 86 betonten, kein oder sehr wenig Vertrauen in religiöse Institutionen zu haben.“

Was an der Äußerung die Kirche oder das Christentum ist tot, beleidigend sein soll, erschließt sich uns hier leider auch nicht. Angesichts der oben genannten Zahlen von einer lebendigen Kirche zu sprechen, halten wir mindestens für gewagt.

Am Schluss dieses Leserbriefes möchten wir noch mal klarstellen:

Den Glauben wollen wir Niemandem nehmen. Jeder darf in diesem Land tun, was er möchte, solange er nicht die Rechte der anderen Menschen einschränkt. Dass Sie Frau Neuschäfer glauben dürfen, dafür würden wir mit allen demokratischen Mitteln kämpfen.

Wir stellen aber auch fest: In einem Land in dem Religionsfreiheit und Meinungsfreiheit geltendes Recht ist, dürfen theistische und atheistische Meinungen frei geäußert werden.

So lange jedoch die Kirche in das Leben von Konfessionslosen mit diversen Regelungen eingreift und solange wir finanziell in erheblichem Umfang für die Kirchen mit in Haftung genommen werden, sind wir oder auch die Giordano Bruno Stiftung immer wieder zur Stelle, wenn es darum geht, Missstände aufzudecken und Aufklärung zu betreiben.

In Jerusalem opferte sich – dem vernehmen nach – einer für andere. In Rom opfert man andere für sich.
(Karlheinz Deschner)

E. Hennenberger und G. Scheurich
Sprecher der Humanistischen IG Leimen
wir-sind-leimen.de

P.S.: Dieses Video (4 Minuten) möchten wir allen ans Herz legen, die sich Fragen stellen………

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Kurz-URL: http://leimenblog.de/?p=94319

1 Kommentar für “Replik zum offenen Brief von E. Neuschäfer an die HIL”

  1. G_Scheurich

    Wer den Brief von Frau Neuschäfer sucht, hier findet man ihn:

    http://leimenblog.de/offener-brief-an-die-hil/

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