125 Jahre Liedertafel Leimen –
Jenseits von Alltag und Arbeit

Der 1. Vorsitzende der Liedertafel Leimen, Philipp Engelhorn (1896 bis 1908

Am 26.1.2021 wurde die Liedertafel Leimen 125 Jahre! Ein guter Grund um zu feiern und das machen wir auch sobald es wieder möglich ist. Aber auch ein guter Grund zum Blick zurück in die Geschichte. Mit unseren Beiträgen „Liedertafel- Zeitsplitter“ wollen wir Ihnen in diesem Jubiläumsjahr bekanntes und weniger bekanntes aus der Liedertafelgeschichte erzählen. Und wie fängt die Geschichte an? Natürlich wie alle guten Geschichten anfangen: Es war einmal..

Am 26. Januar 1896 hatte man im Gasthaus „Zum Rössel“ beschlossen nach dem Vorbild der norddeutschen Liedertafeln und süddeutschen Liederkränze des 19.Jahrhunderts die Leimener Liedertafel zu gründen. Zu einem für die Ortsgeschichte bedeutsamen Zeitpunkt kam diese Absicht nicht ungelegen.

Im Jahr 1895 war das Zementwerk in Heidelberg abgebrannt und man beabsichtigte bis 1896 in Leimen ein neues Werk aufzubauen. Im Verzeichnis der Gründungsmitglieder findet man in beruflicher Hinsicht  auffallend die Gruppe derer vertreten, die in irgendeiner Position vom Steinbrecher bis zum Schalttafelwärter und Bruchmeister oder auch als Zigarrenmacher den Beginn der Industrialisierung in Leimen unmittelbar miterlebten.

Dass diese Männer zu dieser Zeit etwas für das „Jenseits von Alltag und Arbeit“ suchten, ist besonders hoch einzuschätzen. Der Entschluss erscheint heute vielleicht noch wichtiger als damals, zu jener Zeit war es noch eine Vorahnung und Voraussicht, dass wir der „durch die Maschine in Schwung gekommenen Rastlosigkeit der Zeit“ und der Müdigkeit nach getaner Arbeit etwas Ermunterndes entgegensetzen müssen. Was konnte um 1896 den Menschen mehr begeistern als der Volksgesang und das mehrstimmig gesungene Lied?

„Fahnenweihe 1901“

Die ersten Jahre nach der Gründung waren dem Aufbau des Vereins gewidmet. Wie erfolgreich die Mitgliederwerbung war, lässt sich an der stattlichen Zahl von Sängern anlässlich der Fahnenweihe 1901 ablesen. Dass sich unter dieser Fahne immer mehr sangesfreudige Herren sammelten ist aus heutiger Sicht gar nicht so leicht zu verstehen. Waren doch schon früh erste Beschlüsse über die Pflichten eines Sängers gefasst worden, die wir heute sicherlich als sehr restriktiv ansehen würden.

Werfen wir dazu einen Blick in den Beschluss vom 26.März 1896 (Text aus der Jubiläumsschrift von 1966 entnommen):

„…wird von den aktiven Mitgliedern des Gesangvereins Liedertafel beschlossen, dass der Verein bei Hochzeiten und Leichenbegängnissen seiner Mitglieder durch Gesang mitzuwirken hat. Es wird jedem Sänger zur Pflicht gemacht dabei pünktlich zu erscheinen. Wer ohne genügenden Grund fernbleibt wird mit einer Mark bestraft… Als genügender Grund können nur Krankheit und gerichtliche Sachen gelten.“

Man stelle sich nur vor, auch heute würde man ein begründetes Fehlen so eingrenzen! Gar nicht auszudenken. Die erzieherische Wirkung aber hat wohl bis heute gehalten, wie sonst wären Ehrungen für über 60 Jahre Singstundenbesuch ohne Fehlzeiten wohl zu erklären? Bemerkenswert die angedrohte recht drastische Geldstrafe. Schon damals konnte man die Menschen wohl am Härtesten am Geldbeutel treffen. Das zumindest hat sich, bei allen sonstigen Veränderungen, bis auf den heutigen Tag nicht geändert.

Auch über die Ehefrauen der damaligen Sänger wurde, ohne deren Mitgliedschaft, per Beschluss verfügt. Im gleichen Beschluss wurde auch festgehalten:

„.. dass bei Leichenbegängnissen die Mitwirkung der Sänger auch auf deren Frauen auszudehnen ist.“

Eine Mitgliedschaft im Verein war damals somit keine persönliche Angelegenheit der Sänger, sondern betraf somit die ganze Familie.


Teil 2 der Zeitsplitter finden Sie hier


 

 

 

 

 

 

 

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