Episode 7
„Mit vereinten Kräften“

Das fröhliche Hummelmädchen Mirabella

Nachdem Erich so oft daran gescheitert war, die Pferdewiese zu überqueren, war er buchstäblich am Boden. Weder die schönen Schmetterlingsflügel, noch das Libellen-Auge, die Grashüpfer-Beine, geschweige denn der Nussschalen-Panzer hatten ihm helfen können. Er hatte doch schon alles versucht – es sollte wohl ein Traum bleiben, auf die andere Seite der Wiese zu kommen. „Adieu, Du schöner Nektar.“ Erich saß traurig da und verabschiedete sich davon, einmal ein Held zu sein. Er vergaß alles um sich herum und war einfach nur traurig.

Eine schöne Stimme riss ihn aus seiner Traurigkeit. „Warum sitzt Du hier wie ein Schluck Wasser in der Kurve herum?“ Erich drehte sich um und wollte wissen, wer ihn da beim Traurigsein störte. „Mein Name ist Mirabella, ich kenne dich, Du bist doch Erich“ oder?“ „Ja, der bin ich, aber ich möchte jetzt gerne alleine sein und nicht gestört werden.“

„Dafür entschuldige ich mich“, sagte das Hummelmädchen, „hätte ich gewusst, wie beschäftigt Du bist, hätte ich es natürlich niemals gewagt, Dich dabei zu stören.“ Mirabella krümmte sich vor Lachen und Erich konnte jetzt selbst nicht mehr ernst bleiben und war froh, dass er in seiner jetzigen Situation Gesellschaft von so einem fröhlichen Hummelmädchen hatte. Deshalb mochte er sie sofort, denn ihre schlagfertige Art gefiel ihm.

„Auch wenn du jetzt endlich ein Lächeln auf den Lippen hast, weiß ich immer noch nicht, warum Du hier so traurig rumsitzt?“ Erich erzählte ihr von seinen missglückten Versuchen und davon, dass er wohl damit leben müsste, dass er kein Held werden könnte. Gemeinsam saßen sie da und blickten auf die Goldglückwiese.

„Du sagst zwar, dass du alles versucht hast, aber ich habe aufgrund Deiner vielen vergeblichen Versuche den Eindruck, dass Du niemals aufgibst und für Deine Ziele immer weiter kämpfst. Und von nun an bist Du nicht mehr allein! Denn nun können wir gemeinsam das Problem lösen. Durch die Luft sieht es wohl aussichtslos aus. Aber das heißt doch nicht, dass es keinen anderen Weg gibt“, summte Mirabella.

Auch wenn Erich Mirabella auf Anhieb sehr klug fand, verstand er überhaupt nicht, was sie meinte und fragte deshalb nach: „Wie meinst Du das?“ „Wenn es über diese Wiese nicht geht, dann geht es eben unter dieser Wiese“, erklärte sie entschlossen. Danach war Erich leider immer noch nicht schlauer, denn sie waren schließlich weder Maulwürfe oder Regenwürmer und konnten deshalb nicht ohne weiteres unter die Erde gelangen. Deshalb hakte er noch einmal nach: „Wie soll man denn bitteschön unter der Wiese fliegen können?“

Der „Mole Sektor“ der Goldglückwiese

Mirabella nahm ihn an der Hand und sagte: „Komm mit, ich kenne jemanden, der uns helfen kann.“ Die beiden machten sich im Sprint-Flug auf den Weg zum sogenannten „Mole Sektor“ der Goldglückwiese. Dies war der Bereich, in dem die Maulwürfe lebten. Dort gab es eine weite Graslandschaft, wo die Maulwürfe im lockeren Erdreich nach Herzenslust graben und reichlich Nahrung finden konnten.

Der Gründer des Mole-Sektors war der Maulwurf Mael. Vor langer Zeit machte er sich von einer sehr weit entfernten Wiese in einem anderen Land auf, die Welt zu entdecken. Die Erde unter der Goldglückwiese gefiel ihm so gut, dass er einfach dort blieb. So gründete er einen geschützten Bereich für sich und seine Artgenossen, um ungestört graben und sich unterirdisch austoben zu können, denn Maulwürfe befinden sich nicht oft an der Oberfläche. So ist es auch nicht ungewöhnlich, dass dieser Bereich von da an den Namen Mole Sektor trug, denn Mole bedeutet in der Sprache von Mael einfach Maulwurf.

Als die beiden dort ankamen, klärte Mirabella Erich darüber auf, dass Mael ein besonders tüchtiger Maulwurf war, ein wahrer Meister unterirdischer Tunnelsysteme. Doch ebenso begabt, wie er beim Graben war, war er ungehalten und verärgert, wenn ihn jemand bei seiner Lieblingsbeschäftigung störte. Anschließend rief Mirabella in einen ganz bestimmten Maulwurfshügel hinein: „Hey Mael, hör mal auf zu graben, wir brauchen Dich hier oben.“

Als das Hummelmädchen gerade dabei war, Mael nach oben zu locken, versuchte Erich sie davon abzuhalten. Er hatte Angst, dass Mael sehr ungehalten war, wenn sie ihn beim Graben stören. Auch wenn Erich nie über ein Lebewesen urteilte, bevor er es kannte, wollte er Streit lieber aus dem Weg gehen. Glücklicherweise beruhigte Mirabella ihren neuen Freund wieder: „Keine Sorge, er wird zwar darüber meckern, dass wir ihn stören, aber das legt sich schnell wieder.“

Mael, der besonders tüchtige Maulwurf

Es roch nach frisch aufgewühlter Erde. Plötzlich schoben sich ein dunkler Kopf und zwei mächtige Grabschaufeln nach oben. Kaum an der Oberfläche schimpfte Mael schon lautstark los. „Bist Du fertig oder sollen wir morgen wiederkommen, damit Du noch in Ruhe weiter schimpfen kannst?“, wollte Mirabella wissen. „Sonst könnte ich Dir endlich sagen, warum wir hier sind.“

Mael antwortete lächelnd: „Dein freches Mundwerk habe ich vermisst.“ Mirabella erzählte dem Maulwurf, was genau sie von ihm wollten: „Du musst uns einen riesen Gefallen tun. Wir brauchen einen Tunnel, der unter der Pferdewiese entlang verläuft. Mein Freund möchte zu den sagenhaften Blumen mit ihrem leckeren Nektar. Er träumt schon so lange davon und glaub mir, er hat echt schon alles versucht.“ Mael lachte und sagte daraufhin: „Was hat er denn schon alles unternommen?“

Erich war die Antwort peinlich. Er stammelte ein wenig herum, bis er begann aufzuzählen: „Ich habe es mit einer Nussschale als Panzer versucht, mit einem Dornenschwert, mit einem Libellen-Auge, mit Grashüpferbeinen….“ Mael stoppte ihn: „Hör schön auf, bis Du mir alles erzählt hast, womit Du es nicht geschafft hast, bin ich ein alter Maulwurf! Ich grab Dir den Tunnel! Und außerdem habe ich den ganzen Weg von meiner Heimat bis hierhin gebuddelt, dann schaff ich auch noch dieses kleine Stück.“

Mael hatte zwar immer etwas auszusetzen, wenn man ihn störte, aber wenn er helfen konnte, dann half er auch. Außerdem buddelte er für sein Leben gerne und ließ keine Gelegenheit aus, um seiner Leidenschaft nachzugehen oder, wie er es gerne zu sagen pflegte, seiner Passion! Das Aufwühlen der Erde machte ihn einfach glücklich und deshalb machte er sich auch gleich an die Arbeit.

Während seiner Arbeit an dem Tunnel versuchten Erich und Mirabella den Maulwurf so gut es geht bei der Arbeit zu unterstützen. Deshalb schnappten sie sich immer ein Stück der Erde, die Mael hinter sich warf und flogen sie an die Oberfläche. Währenddessen das Dreier-Gespann hart daran arbeitete, ihrem Ziel näher zu kommen, wussten sie nicht, dass sich in einem anderen Bau etwas abspielte, was ihnen noch sehr viel Ärger bereiten würde.

Eine der drei Ameisen. Ist es Ami, Armin odere Amando?

Sie wussten nämlich nicht, dass die drei Ameisen Ami, Armin und Amando wieder einmal den Drang hatten, den nächsten Blödsinn anzustellen. Die drei Ameisen wurden nämlich von jeglicher Arbeit in ihrem Ameisenhügel ausgeschlossen, da sie alles andere als klug waren und sich nie länger als fünf Minuten konzentrieren konnten. Natürlich konnten die anderen, fleißigen Ameisen des Baus das überhaupt nicht leiden und wollten lieber ihre Arbeit ohne die Drillinge erledigen.

An diesem Tag hatten die Drei wieder mal nichts zu tun und machten sich auf die Suche nach ein wenig Spaß. Dabei verirrten sie sich in dem weit ausgebauten Tunnelsystem ihres Baus. Sie versuchten herauszufinden, wo genau sie gelandet waren. Amando entdeckte ein Schild, auf dem stand, dass sich hier der Mole-Sektor befindet. Natürlich verstanden die Drei, wie meistens, gar nichts und deshalb fragte Ami ganz verdutzt: „Was ist denn ein Mole?“ Natürlich konnten seine Brüder nicht darauf antworten und machten sich auf den Weg, diesen geheimnisvollen Sektor näher zu erkunden.

Auf ihrer Entdeckungsreise hörten sie dann plötzlich Stimmen und sahen zwei Hummeln und einen Maulwurf, die sehr in ihre Arbeit vertieft waren. Deshalb entschieden sie sich dazu, dass es bestimmt lustig wäre, die fleißigen Tiere zu erschrecken. Als Mael gerade dabei war, ein besonders schweres Stück Erde auszubuddeln, setzten sie ihren Plan in die Tat um und sprangen auf Mael.

Schrecklicherweise drohte deshalb der Tunnel an dieser Stelle einzustürzen und Mael wusste nicht, was er tun sollte. Erich wusste, dass er unbedingt schnell handeln musste, denn er war schließlich derjenige, dem zu liebe dieser ganze Aufwand betrieben wurde.  Wie aus heiterem Himmel kam Erich dann glücklicherweise auf eine Idee.

Auf einem Ausflug mit seinen Eltern sahen sie einmal Mauerbienen, die gerade dabei waren, ein Nest zu bauen. Daraufhin erklärte ihm sein Vater, dass diese Bienen Lehm oder Erde mit ihrem Speichel vermischen, damit festes Material entsteht, mit dem sie ihr Nest ausbauen und abstützen können. So wusste er, dass wenn er die Erde mit seinem Speichel vermischen würde, dass alle in Sicherheit wären. Erich erklärte blitzschnell seinen Plan.

Mael warf die Erde, die Erich bearbeitet hatte, nach hinten und Mirabella versuchte die Erde so schnell wie möglich zu Stützwänden aufzuschichten. Glücklicherweise konnte der Einsturz des Tunnels so verhindert werden. Nachdem alle gerettet waren, machten sich die drei schusseligen Ameisen schnell aus dem Staub, da sie natürlich eine Menge Ärger bekommen würden, wenn der große Maulwurf sie erwischte.

Mirabella, Erich und Mael gruben nach diesen Schrecksekunden mit vereinten Kräften weiter und viel schneller als gedacht hatten sie die nötige Länge gebuddelt. Die Bewohner der Pferdewiese wunderten sich, wieso überall Maulwurfshügel aus dem Boden schossen – aber irgendwo musste ja die ganze Erde schließlich hin.

Mael lehnte sich triumphierend aus seinem Einstiegshügel: „Wer möchte denn meinen neuen Tunnel sehen? Wo ich herkomme, nennen wir das Chef-d’œuvre.“ Erich traute sich plötzlich nicht mehr, in den Tunnel hineinzufliegen. Er hatte Angst, dass auf den letzten Metern wieder etwas schiefgehen könnte. Doch Mirabella flog tapfer voraus und so blieb ihm nichts anderes übrig, als hinterherzufliegen.

Der Tunnel war ganz schön lang.  Doch der Vorgeschmack auf den Nektar an seinem Ende ließ Erich immer schneller fliegen. Als sie aus dem Tunnel flogen, trauten sie ihren Augen kaum.

Überall standen die Blaunesseln, von deren Nektar Erich so geschwärmt hatte. Sie warteten nur auf sie. Erich aß sich rund und satt (noch ein wenig runder und satter als ihr es euch wahrscheinlich vorstellen könnt!) und konnte sein Glück kaum fassen – gemeinsam hatten sie es geschafft. So viel Mühe war endlich belohnt worden.

Doch was noch viel wichtiger war, als der ganze Nektar: Er hatte eine gute Freundin für Leben gefunden!

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