Episode 3
„Die Sonntagsflügel“

Auf seinen Rundflügen auf der Suche nach neuen Ideen traf er eine Schmetterlingsfamilie und war begeistert von ihren anmutigen Flügeln, mit denen sie so farbenprächtig und majestätisch durch die Lüfte schwebten. Es sah so leicht aus, wie sie durch die Lüfte tänzelten. Dann fiel Erichs Blick auf einen alten Schmetterling. Er flog zu ihm und erkundigte sich nach seinem Wohlbefinden.

Der Schmetterlingsopa freute sich über so viel Freundlichkeit und hörte sich geduldig Erichs Geschichte an. Mit einem gütigen Gesichtsausdruck unterbrach er Erichs Schilderung: „Gerne kann ich Dir meine Sonntags-Flügel leihen, mit denen kannst Du dann versuchen, dein Ziel zu erreichen. Mit ihnen fliegt es sich geradezu spielerisch leicht. Aber beschädige sie nicht, sie sind besonders prachtvoll und ich habe viele wertvolle Erinnerungen, die ich damit verbinde.“

Voller Glück nahm Erich das großzügige Angebot an. Die Flügel leuchten in den schillerndsten Farben. Er bedankte sich vielmals und versprach, ihn und seine Familie oft zu besuchen und die Sonntagsflügel an einem Stück wieder zu bringen. Dann hatte es Erich ziemlich eilig. Er konnte es kaum abwarten, seine neuen Flügel auszuprobieren. Sie waren leicht zu befestigen, man musste nur die Arme durch die Schlaufen stecken und schon ging es los.

Erich machte seinen Probeflug zurück zu dem Erdloch, in dem er mit seiner Familie lebte. Es war ein unglaubliches Gefühl, mit so viel Anmut und Leichtigkeit über die Wiese zu schweben. Alle Hummeln waren von den Farben seiner Flügel begeistert und schnell sprachen alle von der bunten Hummel.

Nach einer unruhigen Nacht war es endlich soweit: Erich wagte einen neuen Versuch über die Wiese zu gelangen. Erich hatte dieses Kribbeln im Bauch: „Heute muss es einfach klappen!“ Höher und höher trugen ihn die neuen Flügel und er konnte schon die Blumenwiese erspähen: „Hallo, leckerer Nektar, ich komme!“

Doch schnell merkte Erich, dass die bunten Flügel ihn zu einer Hummel unter einer Art Vergrößerungsglas machten und er für alle seine Feinde aufgrund der schillernden Farben noch besser sichtbar war. Für die Vögel musste er aussehen, wie eine ansprechend verpackte, leckere Hummel-Praline, die jeder nur allzu gierig auspacken wollte.

Es war knapp – nur mit Mühe und Not entkam er den hackenden und pickenden Schnäbeln. Sein Glück war, dass zwei Vögel, denen er wohl nicht entkommen wäre, krachend zusammenstießen und ins Trudeln gerieten. Mit viel Glück und völlig außer Atem rette er sich.

Allmählich dämmerte es Erich – nicht alles was glänzt, ist auch Gold… Niedergeschlagen brachte er die Sonntagsflügel zurück. Die Schmetterlinge luden ihn zum Essen ein, doch Erich hatte keinen Appetit. Immer musste er daran denken, dass er es das dritte Mal schon nicht geschafft hatte.

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