25. Juli – Christophorus-Tag

(hg) Es ist nicht die erste Meldung, zugegeben. Aber auf der Ewigen-Liste der Ereignisse, die die Menschen bewegt haben, ist der heutige Tag des Heiligen Christophorus mit Sicherheit bedeutender als manches „Event“, was heute gemeldet und bereits morgen vergessen worden ist. Es gibt fast keinen Ort in Deutschland, an dem man den „großen Christoffel“ nicht finden würde. Unübersehbar, mit fast vier Metern steht er seit dem Ende des 14. Jahrhunderts an einem der ersten Pfeilerbündel des Südchors im Kölner Dom auf einer Welle, das Gewandt hochgerafft, den rechten Arm in die Seite gestemmt und in der Linken mit einem baumdicken Stab ausgerüstet.

Auf seiner rechten Schulter sitzt in Osnabrück der Jesusknabe, in der rechten Hand hält er dort die Weltkugel. Die linke Hand ist auf das Haupt des Heiligen gestützt. Der Heilige Christophorus war unseren Vorfahren präsent wie kaum ein anderer Held des Glaubens. Man verewigte ihn an Brücken, Torbogen, Vorhallen von Kirchen, Erkern und an Häusergiebeln. Immer ist er ein Riese an Gestalt, ein rechtes Muskelpaket, neben dem der zarte Jesusknabe noch zerbrechlicher aussieht als sonst schon. Dürer hat seine Gestalt, sein Wesen allein neun Mal ins Bild zu bannen versucht.

Für das einfache Volk war der „große Christoffel“ der ideale Hoffnungsträger: riesengroß und damit besonders ambitioniert, alle irdische Not irgendwie wenden zu können. Der Nothelfer musste gegen alle nur denkbaren Unbilden antreten wie ein moderner Kinoheld im Phantasia Hollywoods – die Gewohnheiten der Menschen haben sich in dieser Beziehung nur wenig geändert. Christophorus war für die Beseitigung von Feuer und Hungersnot ebenso prädestiniert, wie für die Abwehr der Pest, jedes möglichen jähen Todes, Blitz, Sturm und Hagel. Und wer als so ideal angesehen wurde wie er, musste selbst der Schutzpatron der Verliebten sein, die ihn gleichsam als Heiratsvermittler anriefen.

Wie kaum ein anderer schaffte es der Nothelfer, sich sogar in die Neuzeit nach der Industriellen Revolution zu retten. Den ersten Kraftfahrern, Fliegern und Eisenbahnern war der Heilige Christophorus absolut gegenwärtig. Auf nicht wenigen Kühlern der ersten Kraftfahrzeuge und am Steuer der Flugzeuge aus der Pionierzeit des Luftverkehrs war eine Aufschrift „Sancte Christophere, protege nos“ – Heiliger Christophorus, beschütze uns – zu sehen. Sein Lebensmotto täte manchem gut. Weil er seine eigenen Grenzen kannte, so eine Überlieferung, wollte er dienen und nicht herrschen. Und weil ihm nur Gottes Macht unbegrenzt schien, diente er ihm als Fährmann, der Reisende über einen Fluss trug.

Der berühmteste Fährgast, das Jesus-Kind, gab ihm seinen Namen. Ausgerechnet die vermeintlich leichte Last wurde dem Diener Gottes in der tiefen Furt am schwersten. Es sei ihm, als habe er die Last der ganzen Welt getragen, klagte der Träger, und Christus antwortete: „Wie du sagst, so ist es, denn ich bin Jesus der Heiland. Und wie Du weißt, trägt der Heiland die Last der ganzen Welt.“ Ein Gedanke an diesen Helfer der Not, ist nicht zu wenig. Trotz oder gerade wegen der Flut der Tagesmeldungen.

Bild: Der Heilige Christophorus von Albrecht Dürer (1511). Text: Heimat & Geschichte

Redaktion Leimen-Lokal: Mit diesem Artikel verlassen wir zwar das Thema „lokale Nachrichten“, aber dafür gewinnen wir eine Art „Feuillon“. Da es keinen „Lesezwang“ gibt, mögen an der Thematik Desinteressiete einfach wegsehen. und das „Feuilleton“ übersehen.

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