Sandhäuser Heimatverein zu Gast im Geschichtskurs – NS-Zeit im Blick
(jw – 12.5.26)
Am 14. April 2026 besuchten Herr Hager und Herr Maier vom Sandhäuser Heimatverein den Geschichtskurs der JS 1 von Frau Gomm. In den Vorträgen der beiden Lokalhistoriker wurde verdeutlicht, wie der Ausbau der NS-Diktatur in Deutschland ab 1933 vor Ort umgesetzt wurde.
Gleichschaltung vor Ort
Herr Hager erläuterte, wie dem 1928 gewählten Bürgermeister Adam Mattern am 13. März 1933 durch Verfügung des Bezirksamtes Heidelberg die Ausübung des Amtes untersagt und angeordnet wurde, für die Neubesetzung ein Gemeinderatsmitglied der NSDAP zu wählen. Damit entsprachen die politischen Verhältnisse in Sandhausen der Gleichschaltung Deutschlands.
Die Ausschaltung der Opposition betraf nicht nur die politischen Parteien, sondern auch die hiesigen sozialdemokratischen und kommunistischen Arbeitervereine. Aufgelöst wurden unter anderem der Arbeitergesangverein, der Sängerbund, der Athletenverein sowie die katholische Jugendorganisation DJK, die sich im Gegensatz zum evangelischen CVJM nicht mit der Hitlerjugend gleichschalten ließ.
Herr Hager führte weiter aus, wo die Parteizentrale, das „Braune Haus“, stand, welche Straßen in Sandhausen nach Männern des NS-Regimes umbenannt wurden und weshalb am 9. November 1938 kein Pogrom auf die Synagoge verübt wurde.
Wahlen und lokale Strukturen
Anschließend referierte Rolf W. Maier zu den Wahlen Sandhausens vor und während des Übergangs zur Diktatur. Erarbeitet wurden die im Dünendorf kandidierenden Parteien und Vereinigungen, wobei die Besonderheiten der Gemeinde hervorgehoben wurden. Es gab nämlich bis zur erstmaligen Kandidatur der NSDAP bei den Kommunalwahlen 1930 eine einzige bürgerliche Partei; bis zum Ende der Republik wirkten besonders aktiv die katholische Zentrumspartei sowie die SPD mit.
Neben der Bedeutung der Konfession als milieubildende Kraft stellte der Referent auch die drei wichtigen Unternehmen vor: Gebrüder Mayer, die grouß fawarik, die Schneidmihl, Sperrholzwerk Schmitt sowie die Firma Klotz, Gurkenverarbeitung.
Zu den Faktoren, die das Wahlabstimmungsverhalten beeinflussten, gehören neben den konfessionellen und beruflichen Strukturen auch das Wahlsystem sowie lokale Persönlichkeiten. Anhand der Bürgermeisterwahl wurde dies gezeigt. Adam Mattern konnte so im Bürgerausschuss, also keine Direktwahl, gegen den ehemaligen Bürgermeister Diem gewinnen, weil die Zentrumspartei für Mattern stimmte, einen bekennenden Katholiken.
Anekdoten der Referenten und interessierte Fragen der Schülerinnen und Schüler rundeten diese besondere Geschichtsstunde ab.
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