Auch in Leimen sorgt man sich um Weißrussland – Warten auf „politisches Tauwetter“

Zur aktuellen Situation in Belarus möchte ich als Altstadtrat und Vorsitzender des Leimener Vereins „Hilfe für Weißrussland“ folgende Stellungnahme abgeben:

Auch Leimen denkt und sorgt sich um Weißrussland

Knapp 10 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl – in der Zeit von 1995 bis 2006 leistete der Verein, in Zusammenarbeit mit der Stadt Leimen, den Leimener Feuerwehren und dem Technischen Hilfswerk in 11 Hilfskonvois humanitäre Hilfe in dieses Land, zwischen Warschau und Moskau gelegen. Mit Unterstützung des Kanzleramtes und durch die Mithilfe von Staatsminister Bernd Schmidbauer konnten wir von Leimen aus eine der größten Hilfsmaßnahmen – mit mehr als 500 Tonnen Hilfsgütern in Millionenhöhe – für dieses oft vergessene, kleine Land in Osteuropa organisieren und persönlich überbringen und dort vielen Menschen helfen.

Die Leimener 2006 an der Memel (Njemen): Klaus Knauer (verstorben), Alois Müller, Hartmut Hirsch, Xaver Sauerzapf (verstorben), Julia Müller, Helene Weber (verstorben), Ralph Hack, Kristina Funkert, Gildard Huppmann und Dieter Odenwald (von links).

Mit dabei waren von den heutigen Ratsmitgliedern als großer technischer Helfer für die Konvois Wolfgang Stern und als Teil der Delegation Hans Appel, Richard Bader und Julia Müller (mit Freundin Kristina Funkert) beide damals als Jugend-Gemeinderätinnen.

Unsere Intention war es aber immer auch, den Versöhnungsgedanken auch nach Osten in dieses im 2. Weltkrieg so schwer gebeutelte Land zu tragen und zudem die damals zart keimenden demokratischen Wurzeln einer noch jungen Nation aktiv zu unterstützen.

Konvoi Betanken in Weißrussland – immer ein Abenteuer

Und so machten wir zehn Jahre lang eine politische Gratwanderung zwischen der Lukaschenko Administration, um überhaupt einreisen zu dürfen, und vielen Künstlern, Intellektuellen und demokratisch denkenden Menschen. Wir bewegten uns diplomatisch zwischen der alten, historischen „weiß-rot-weißen“ Flagge Weißrusslands und dem „rot-grünen“ Banner von Belarus, der Flagge von Alexander Lukaschenko. Aber irgendwann schafften wir diesen Spagat nicht mehr: die Auflagen und besonders die Hürden an der Grenze wurden größer als unser Wille zum Helfen.

Beim letzten Hilfskonvoi 2006: Leimens inzwischen verstorbene Ehrenbürgerin Helene Weber und der Vereinsvorsitzende mit dem Chefarzt im Krankenhaus von Novogrudok

So wurde auf der Heimreise unseres letzten Konvois im Jahre 2006 aus fadenscheinigen Gründen eines unserer Fahrzeuge beschlagnahmt, was wir erst Monate später an der Grenze wieder abholen konnten. Seit dieser Zeit gibt es keine persönlichen Begegnungen mehr, wohl aber immer noch persönliche Kontakte per Mail.

Dennoch haben wir den Verein nicht aufgelöst, weil wir uns dem Diktat von Lukaschenko nicht beugen wollten und weil wir auch zu den Freundschafts-Vereinbarungen stehen, die Anfang der 90iger Jahre zwischen der Stadt Leimen und den Städten Novogrudok, Borisov an der Beresina und Mogilev am Dnepr geschlossen wurden und die immer noch existieren.

Auch wenn momentan Mailkontakte und Internetverbindungen gekappt sind, wir haben nie aufgehört auf ein „politisches Tauwetter“ in diesem Land zu setzen und stehen an der Seite unserer Freunde und in Gedanken an der Seite Tausender Frauen in Minsk mit ihren Plakaten „Blumen statt Gewehrkugeln“ und wir hoffen endlich und setzen auf eine politische Wende in Weißrussland.


Wolfgang Müller, Altstadtrat und Vorsitzender des Vereins „Hilfe für Weißrussland“

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