Auf den Spuren des Politikers Edmund Kaufmann – Eine Biographie aus Sandhausen

4279 - Edmund Kaufmann_Geburtshaus2(sa) Nicht jedem dürfte die Geschichte Edmund Kaufmanns bekannt sein, obwohl sie in Sandhausen ihren Anfang nahm und jeder sicherlich schon einmal an dessen Geburtsstätte in der Bahnhofsstraße 7 (s.u.) gegenüber dem Rathaus vorbeigegangen ist. Hier wurde Edmund Kaufmann der spätere Finanzminister des Landes Württemberg-Baden am 13.02.1893 als Sohn des Postverwalters Georg Kaufmann sowie dessen Ehefrau Anna Vogler aus Eichtersheim geboren.

Nachdem er die ersten 9 Jahre in Sandhausen verbracht und dort die Volksschule im Gebäude der heutigen Pestalozzi-Förderschule besucht hatte, beendete er seine Schulzeit 1912 am Gymnasium in Wertheim als Primus. Es folgte ein Studium der Astronomie / der Mathematik an der Universität Heidelberg, das er jedoch für seinen Dienst als Flieger-Offizier an der West- und Ostfront abbrechen musste. Nach dem Ende des 1. Weltkriegs begann er 1918 ein Studium der Volkswirtschaft an der Handelshochschule in Mannheim bis er sich schließlich 1919 für ein Studium der Staatswissenschaften an der Universität Heidelberg entschied und es mit einer Promotion zum Dr. rer. pol. abschloss. Nach der Heirat mit Elisabeth Gesell (1895-1942) im gleichen Jahr arbeitete er von 1919-23 als Syndikus des Verbandes der Metallindustriellen Badens und der Pfalz.

4279 - Edmund Kaufmann_SohnSeine politische Karriere startete er in Singen, wo er zunächst bei der Maggi GmbH als Personalchef und Rechtsberater beschäftigt war und von 1923-1933 das Amt des Bürgermeisters bekleidete. 1927 erfolgte sodann die Wahl für das „Zentrum“ in den Kreisrat sowie 1929 in den Badischen Landtag in Karlsruhe. Durch einen Konflikt mit der NSDAP in Baden verlor er jedoch 1933 alle Ämter. Um sich und seine Familie zu versorgen, zog er sich daher nach seiner Entlassung nach Mainz zurück, wo er als „Freier Handelsvertreter“ und als Buchhändler seinen Lebensunterhalt verdiente. Als überzeugter Katholik und politischer Gegner verfasste er hier illegale Flugschriften für den katholischen Widerstand.

Durch diesen Umstand war er nach dem 2. Weltkrieg einer der wenigen unbelasteten Politiker aus der Weimarer Zeit, die hervorgehobene Aufgaben übernehmen konnten. Neben seiner Tätigkeit als Vorsitzender im Entnazifizierungsausschuss war er Mitbegründer der CDU Rheinland-Pfalz und wurde zum Oberregierungsrat in Mainz ernannt. 1946 folgte die Ernennung zum Landesdirektor für Wirtschaft, Ernährung und Verkehr. Ein besonderes Anliegen war Kaufmann die Verbesserung der mangelhaften organisatorischen Strukturen, die durch den Druck der Besatzung entstanden waren. Als Referent für Wirtschaft und als Stellvertreter des späteren deutschen Wirtschaftsministers und Bundeskanzlers Ludwig Erhard legte er darauf „wirtschaftspolitische Leitsätze“ im Bizonenrat der britischen sowie der US-Zone vor.

4279 - Kaufmann-Biographie - 1Von 1949-1951 war er darüber hinaus Finanzminister des Landes Württemberg-Baden im Kabinett von Reinhold Maier und von 1950-52 Mitglied des Landtags Württemberg-Baden für die CDU-Fraktion. Aufgrund innerparteilicher Konflikte um die Baden-Frage trat Kaufmann 1952 jedoch aus der CDU aus und in die FDP/DVP ein. Am 9. März 1952 wurde er in die verfassungsgebende Landesversammlung gewählt und gehörte von 1952-53 dem vorläufigen Kabinett von Ministerpräsident Reinhold Maier als Staatssekretär an, wo er für die Ausarbeitung und Vollziehung der Verfassung zuständig war. Am 16.6.1953 legt er schließlich aus gesundheitlichen Gründen alle Ämter nieder und starb am 12.11.1953 am Tag der Verabschiedung der Verfassung in Stuttgart. An seinem Grab sprach Ministerpräsident Dr. Gebhard Müller (CDU).

Neben seinen Kindern aus 1. Ehe: Josefa (geb. 1921), Bibliothekarin; Arthur (1923-2001), Prof. Dr. Dr. h. c. mult., Karl-Rudolf (geb. 1925, gefallen 1944 in Russland); Elisabeth, verheiratete Hirner (geb. 1929), Lehrerin; Fritz Joachim (1934-1985), Rechtsanwalt stammen aus 2. Ehe mit Elisabeth Helffrich (1903-1993) die Kinder: Veronika (1944-1962) und Christian (geb. 1946), Dipl.-Betriebswirt (s.r.), der am 14.8.2014 auf Einladung des in Sandhausen geborenen Historikers Rolf Maier der Gemeinde einen Besuch abstattete.

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