Bauarbeiten bringen Teile der alten Leimener Stadtmauer ans Licht

Ausschachtung bestätigt den Verlauf des mittelalterlichen Befestigungswerks.

(mu 7.2016) Baumaßnahmen pflegen in aller Regel ärgerlich zu sein – sie behindern Geschäftszufahrten, zwingen zu Umwegen, machen Lärm und werden meist teurer als erwartet. Für die Stadtgeschichte können sie aber auch zu kleinen Glücksfällen werden.

Im Rahmen der Abbrucharbeiten des Eckhauses in der Johannisgasse zur Römerstraße, an dessen Stelle zwei Mehrfamilienhäuser in zentraler Lage entstehen, musste der Baggerfahrer plötzlich seine Arbeit unterbrechen. „Ich merkte, dass der Untergrund ein anderer war, der Widerstand war an dieser Stelle viel größer. Also habe ich erst einmal aufgehört und die Stadt informiert.“

Das dortige Bauamt stellte schnell fest, dass es sich hier um Reste der alten Stadtmauer handelte, deren Verlauf auch heute noch gut rekonstruiert werden kann.

Die Mauer wurde in mehreren Phasen errichtet, deren früheste wohl in die 2. Hälfte des 13. Jahrhundert datiert werden kann und deren prägnantester Rest sicher das etwa 7,50 Meter hohe „Franzosentürmchen“ ist, das aus der Bauphase II, der kurpfälzischen Zeit ab 1351, stammt. Der westliche Bogenteil, um den es sich beim Fundstück handelte, gehörte zur ersten Bauphase und bestand aus Muschelkalkbruchsteinen, die mit viel und gutem Mörtel zusammengefügt wurden, was der Baggerfahrer nun aus eigener Erfahrung bestätigen kann.

Die Mauer mit einer Länge von knapp 1,2 Kilometern umschloss den Ortskern vollständig und verfügte über insgesamt vier Tore: das Bärentor in der Nähe des Franzosenturms am heutigen Bärentorplatz, das Nußlocher Tor an der Nußlocher Straße, das Obere Tor an der Heltenstraße und das Heidelberger Tor, dass sich ungefähr an der Stelle der heutigen Fritz-Zugck-Halle befand. Die Mauer war knapp einen Meter dick und war zum Ort hin immer wieder mit Strebepfeilern abgestützt, von denen nun auch wieder einer an das Tageslicht kam. Ihr war ein tiefer Graben vorgelagert (die heutige Straße an der katholischen Kirche verdankt ihm ihren Namen), der 1819 zugeworfen wurde. Heute kann man noch ein knappes Drittel besichtigen, das am Georgi-Marktplatz in unmittelbarer Nähe des Franzosentürmchens teilweise noch bis zu 4,80 Meter hoch ist.

Die künftigen Bewohner der beiden Häuser können also im Bewusstsein in ihr neues Zuhause einziehen, dass sie auf historischen Boden leben.

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