„Das Runde muss ins Eckige“: Buchautorin Birgit Steiner beim Gesamtelternbeirat

Birgit Gegier Steiner bei ihrem Vortrag in der Fritz-Zugck-Halle in Leimen

(mk – 9.5.17) Auf Einladung des Gesamtelternbeirates der Leimener Schulen kam Buchautorin und Rektorin Birgit Gegier Steiner in die Fritz-Zugck-Aula, um mit ihrem Vortrag „Artgerechte Haltung- Zeit für eine jungengerechte Erziehung“ bestehende Missstände im pädagogischen Umgang mit Jungen aufzuzeigen.

Die erfahrene Pädagogin betrachtet Jungs als die „großen Bildungsverlierer der Nation“, da die Pädagogik einseitig auf die Bedürfnisse der Mädchen fokussiert ist und das Proprium der Jungen aus den Augen verloren hat. Will ein Junge seine Grenzen austesten oder sich messen, wird es als Problem empfunden, ist ein Junge wild und will toben, stellt sich schnell der Rat „Geht doch mal zum Arzt“ ein. Doch was häufig vorschnell als abweichendes Verhalten problematisiert wird, ist nichts Anderes als der normale „biologische Bauplan“.

Steiner bereichert den pädagogischen Diskurs um naturwissenschaftliche und medizinische Erkenntnisse, die einen Blick freigeben, der häufig verschüttet ist. Jungs müssen und sollen sich bewegen. Ihren Appell nach einer jungengerechten Erziehung umreißt die Autorin mit dem fußballdidaktischen Erziehungs-Prinzip: Räume für viel Bewegung erhalten, aber gleichzeitig feste Strukturen erfahren, kompetitive Elemente des Wettbewerbs mit sozialen Prinzipien des Teamgedankens und des Fair Plays vereinen, individuelle Skills zeigen dürfen, aber einheitlichen Vorgaben folgen, Freiheiten haben, aber nicht-diskutierbare Regeln beachten, wild und risikobereit sein, aber Disziplin wahren und Respekt zollen.

Reformrunden im Bildungssystem sind keine Seltenheit, doch die von Steiner konturierte „runde“ Reform lässt viele Jungs hoffen. Vielleicht sind die Köpfe ja wirklich deswegen rund, damit das Denken die Richtung ändern kann. Diese Richtungsänderung wünscht sich die erfahrene Pädagogin im Umgang mit Jungen, deren Bewegungsdrang, taktile Neugier und Grenzen-Suchen nichts sei, was man ihnen austreiben müsse, sondern als genetische Disposition zum Ausgangspunkt passgenauer Forderung und Förderung machen müsste.

Text: Martin Kohler, OGRS

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