Der Altersarmut entgegensteuern: Vortrag und Diskussion in St. Aegidius

Wie hängt Altersarmut mit prekärer Beschäftigung zusammen? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Veranstaltung der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) am 7. Oktober in St. Aegidius. Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn, Bundestagsabgeordneter der Grünen, gab dazu nach einem Gottesdienst mit P. Burghard Weghaus SJ Auskunft.

Den Welttag für menschenwürdige Arbeit hat die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) 2008 ins Leben gerufen, um für Grundrechte in der Arbeit einzutreten. Zum wiederholten Mal beging die KAB, sowie die Arbeitnehmerseelsorge Rhein-Neckar diesen Gedenktag mit einem Aktionsabend im Bezirk Heidelberg.

Gottesdienst in St. Aegidius: Der Mensch im Mittelpunkt
Neben dem von KAB Bezirksvorsitzender Birgitta Hucht, KAB Ortsvorsitzender Adolf Bindl und Bezirkspräses Pater Burghard Weghaus SJ gestalteten Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Aegidius, gedachten rund 80 Gottesdienstbesucher dem Anliegen menschenwürdiger Arbeitsbedingungen. In seiner Ansprache betonte Pater Weghaus die Bedeutung des Eigentums und die Verpflichtung, sich verantwortlich mit seinem Kapital für die Gesellschaft einzusetzen. „Die Gesetze des Marktes dürfen nicht Vorrang haben – der Mensch muss im Mittelpunkt stehen“, betonte der Jesuit diese zentrale Aussage der Katholischen Soziallehre.

Vortrag: veränderte Arbeitswelt führt zu Altersarmut
Im anschließenden Vortrag verwies Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn, Bundestagsabgeordneter der Grünen, darauf, dass prekäre Beschäftigung unmittelbare Auswirkungen auf die Alterssicherung habe. Die Zahl der Empfängerinnen und Empfänger von Grundsicherung im Alter kenne nur eine Richtung: nach oben, so Dr. Strengmann-Kuhn. Schon das vierte Jahr in Folge erhalten mehr Personen ab 65 Jahren Leistungen der Grundsicherung im Alter. Zwar sei der Anteil an allen Rentnerinnen und Rentnern noch relativ gering, die Dynamik in der Armutsentwicklung jedoch ist mehr als Besorgnis erregend. Nach allen Prognosen wird die Altersarmut in den nächsten Jahren deutlich zunehmen, wenn jetzt nicht endlich gegengesteuert werde, so der sozialpolitische Sprecher der Bündnis 90 / Die Grünen Bundestagsfraktion.

Tatsache sei, dass sich in den letzten Jahren die Arbeitswelt durch Deregulierung und Aufweichungen stark verändert habe: Vollzeitarbeitsplätze wurden u.a. in geringfügige Beschäftigungsverhältnisse, in Zeit- und Leiharbeitsverhältnisse oder in Scheinselbstständigkeit, sowie in Werkarbeitsverträge umgewandelt. Hier hätten die Hartz-Gesetze zu einer nicht hinnehmbaren Zahl von prekären Beschäftigungsverhältnissen geführt, so der Grüne Sozialpolitiker.

Zwar würde das Rentenmodell der katholischen Verbände mit einer solidarischen Grundsicherung, mit einem einkommensabhängigen Umlagesystem, einer Betriebsrente und privater Vorsorge, derzeit keine Mehrheit im Bundestag finden. Es sei aber ein richtiger Ansatz sei, um gegen Altersarmut vorzubeugen. Das Modell ähnelt dem Schweizer Rentenmodell.

Diskussion: Problemanzeigen
In der von Uwe Terhorst, Referent für Arbeitnehmerseelsorge, geleiteten Diskussion sprachen einige Teilnehmende davon, dass auch in unserem Land, trotz hoher Beschäftigtenzahlen, die Arbeitsbedingungen noch lange nicht überall menschenwürdig seien: So gebe es Einkommensunterschiede von Frauen und Männern bei gleichwertiger Tätigkeit. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie würde zunehmend durch Arbeitszeiten in Abendstunden und an Wochenenden erschwert.

Bezirksvorsitzende Birgitta Hucht bedankte sich bei Strengmann-Kuhn für den ausgezeichneten, fachkundigen Vortrag und ermutigte die über 30 Teilnehmer, sich für eine menschenwürdige Arbeitswelt in ihrem Umfeld einzusetzen.

Uwe Terhorst

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