Dr. Michael Schmidt-Salomons Grußwort zur Eröffnung des „Evolutionsweges“

(mss – 22.1.19) Ich freue mich sehr, ein Grußwort zur heutigen Eröffnung des Evolutionsweges in Leimen sprechen zu dürfen. Denn die Evolutionstheorie ist nicht nur der wichtigste Baustein des modernen Weltbildes, sie hilft uns auch zu begreifen, wer wir sind und woher wir stammen. Nicht zuletzt schärft sie unseren Blick für das, was wesentlich und was unwesentlich ist. Denn wer die Evolution wirklich verstanden hat, der begreift auch, dass Religionen, Nationen, Völker bloß vorrübergehende Konstrukte sind, die eine fundamentale Tatsache des Lebens tragischerweise oft verdecken, nämlich dass uns Menschen untereinander sehr viel mehr verbindet als trennt.

Zusammen mit allen anderen Lebensformen auf der Erde bilden wir eine einzigartige große Familie, deren Ursprünge in winzig kleinen Zellen liegen, welche vor Urzeiten auf der Erde entstanden sind. Und wer diese große Geschichte des Lebens erst einmal im Kopf hat, der wird sich von den kleinen hinterwäldlerischen Erzählungen religiöser Fundamentalisten oder chauvinistischer Nationalisten, die momentan leider weltweit auf dem Vormarsch sind, so schnell nicht mehr hinters Licht führen lassen.

Tatsächlich gibt es einen bemerkenswerten statistischen Zusammenhang zwischen der Evolutionsverleugnung auf der einen Seite und fundamentalistischen, nationalistischen, autoritären, antidemokratischen, patriarchalen Werten auf der anderen Seite. Vermutlich ist dies darauf zurückzuführen, dass diejenigen, die in ihrem Weltbild von festen, unverrückbaren, ewig gültigen Fundamenten ausgehen, sich mit der zentralen Aussage der Evolutionstheorie kaum anfreunden können, nämlich dass das einzig Beständige in dieser Welt der Wandel ist.

Wir von der Giordano-Bruno-Stiftung meinen daher, dass man gar nicht früh genug damit beginnen kann, sich mit der Evolution zu beschäftigen. Aus diesem Grund haben wir vor einigen Jahren zusammen mit dem Institut für Biologie-Didaktik der Universität Gießen das sogenannte „Evokids-Projekt“ ins Leben gerufen, das den Evolutionsunterricht an die Grundschulen bringen soll. Erfreulicherweise werden die Materialien, die wir im Rahmen dieses Projekt für den Unterricht entwickelt haben, inzwischen auch auf europäischer Ebene wertgeschätzt, was sich u.a. darin ausdrückt, dass das Scientix-Programm der EU-Kommission die Evokids-Lehreinheiten in alle Sprachen der EU übersetzt und für Lehrerinnen und Lehrer in ganz Europa zum kostenlosen Download bereitstellt.

Wir meinen: Was die Lehrerinnen und Lehrer in Europa erhalten, sollte den Lehrerinnen und Lehrern in Leimen ganz gewiss nicht vorenthalten werden. Da die Stadt, soweit wir wissen, über vier Schulen und eine Stadtbibliothek verfügt, haben wir fünf Evokids-Pakete mit Büchern und DVDs mitgebracht, die wir ihnen, Herr Oberbürgermeister, mit der Bitte um Weitergabe nun gerne überreichen wollen…

Meine Damen und Herren, der Soziologe Max Weber hat einmal gesagt, dass die Wissenschaft die Welt entzaubert, ihr die Geheimnisse entrissen hat. Aber dies ist allenfalls die halbe Wahrheit. Denn die Wissenschaft hat der Welt zugleich einen neuen Zauber verliehen, indem sie uns den Blick auf die unendlichen Dimensionen eines Universums eröffnet hat, das sehr viel geheimnisvoller ist, als es sich unsere Vorfahren jemals hätten vorstellen können.

Einen Teil dieses Zaubers kann man nun erleben, wenn man den Evolutionsweg in Leimen entlanggeht. Ich finde es großartig, dass ein solches Projekt fast ausschließlich durch ehrenamtliches Engagement gestemmt werden konnte. Herzliche Gratulation an alle, die daran mitgewirkt haben, allen voran an die gbs-Rhein-Neckar, Bernd Kammermeier, Karl-Heinz Büchner, Marianne Mauch, Stefan Dewald, Friedrich Coradill, Dirk Winkler, den Verantwortlichen der Stadt und natürlich auch den Sponsoren der einzelnen Schilder! Vielen Dank für Ihr Engagement!

Möge dieser Evolutionsweg nicht der letzte seine Art sein, sondern sich als fruchtbarer Genpool erweisen, aus dem viele neue Generationen erwachsen. Ich hoffe sehr, dass dies nur der Anfang ist und mit der Zeit an vielen anderen Orten ähnliche Wege entstehen. Denn immerhin: Die Evolution ist überall – nicht bloß hier in Leimen.

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