Mány: Brückenschlag nach 20 Jahren, eine Freundschaft, die Grenzen überwindet
(ih – 22.4.26) Auf Einladung unserer ungarischen Freunde reiste in der Zeit vom 9. bis zum 13. April 2026 eine kleine Delegation der Großen Kreisstadt Leimen nach Mány, nahe Budapest. Die Gruppe, bestehend aus Oberbürgermeister John Ehret sowie Vertreterinnen und Vertretern des Gemeinderats und der Stadtverwaltung, folgte der Einladung zum Gedenken an den 80. Jahrestag der Vertreibung der Deutschen aus Mány. Nach zwei Jahrzehnten ohne offiziellen Besuch diente dieser Aufenthalt der Wiederbelebung der langjährigen Patenschaft und stand ganz im Zeichen der geschichtlichen Versöhnung sowie des kulturellen Austauschs.
Am späten Donnerstagabend wurde die Reisegruppe im „Haus Leimen“ des Vereins der Maaner Schwaben herzlich empfangen. Das Gebäude, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts erbaut wurde, dient heute als Gästehaus und Kulturzentrum. Es wurde von Herbert Ehrbar, dem langjährigen Oberbürgermeister von Leimen und Wegbereiter der Patenschaft, eingeweiht. In den folgenden Tagen wurde das geschichtsträchtige Haus zum zentralen Ort des Programms.
Freitag: Erneuerung einer langjährigen Patenschaft
Der offizielle Teil begann mit einem herzlichen Empfang durch Bürgermeister Mihály Varga im Rathaus. Die ungarischen Gastgeber brachten ihre große Freude über den Besuch zum Ausdruck. Ein besonderer Dank galt der Deutschen Nationalitäten-Selbstverwaltung und dem Verein der Maaner Schwaben: Ihr unermüdlicher Einsatz über drei Jahrzehnte hinweg – sei es durch die Präsenz auf der Leimener Weinkerwe oder durch fortwährende inoffizielle Kontakte – sorgte dafür, dass die Verbindung zwischen unseren Gemeinden nie abriss und die Patenschaft stets lebendig blieb.
Im Anschluss erkundete die Delegation bei einem ausführlichen Rundgang den rund 2.600 Einwohner zählenden Ort. Besichtigt wurden dabei unter anderem die Bildungseinrichtungen. Im Kindergarten „Märchen“ werden rund 100 Kinder betreut; hier fließen seit 25 Jahren deutsche Volksbräuche und Lieder in den Alltag ein. Die Schule (Klassen 1–8) bildet das soziale Rückgrat der Gemeinde: In Trägerschaft der Nationalitäten-Selbstverwaltung pflegen hier 250 Schülerinnen und Schüler aktiv ihre ungarndeutschen Wurzeln sowie die deutsche Sprache und Kultur. Der Weg führte weiter zur katholischen Kirche von Mány (erbaut 1787).
Das Nachmittagsprogramm, gestaltet von Tanz- und Gesangsgruppen des Kindergartens und der Schule, bot den feierlichen Rahmen für die Vorstellung einer neuen zweisprachigen Broschüre zur 300-jährigen Geschichte der deutschen Volksgruppe sowie eines emotionalen Filmdokuments. In diesem Rahmen fand auch die offizielle Übergabe der Gastgeschenke statt.
Samstag: Ein bewegender Tag im Gedenken an den 80. Jahrestag der Vertreibung
Der Samstag stand ganz im Zeichen des gemeinsamen Erinnerns und bildete wohl den bewegendsten Teil der Reise. Anlässlich des 80. Jahrestages der Vertreibung (1946 – 2026) versammelten sich die Teilnehmer zu einer feierlichen Kranzniederlegung auf dem Friedhof. Die Gedenkfeier am Denkmal der Vertreibung führte allen vor Augen, welches Leid die Vertreibung über die Menschen in Mány gebracht hatte.
Die Gedenkfeier am Mahnmal unterstrich durch hochrangige Gäste wie Staatssekretär Miklós Soltész, Katalin Pintér-Nagy (Vorsitzende der Nationalitäten-Selbstverwaltung) und Gregor Gallai (Landsmannschaft) die Bedeutung des Tages. Besonders bewegend war der Beitrag des 95-jährigen Zeitzeugen Franz Fuchs: Seine Aufzeichnungen berichteten eindringlich von den Schrecken der Deportation, aber auch vom Mut beim Wiederaufbau. In seiner Rede betonte OB Ehret die tief gewachsenen Wurzeln zwischen Mány und Leimen und auch er unterstrich den Mut und Fleiß der Vertriebenen. Mit dem ungarischen Satz „A múlt emlékezet, a jövő közös utunk“ (Die Vergangenheit ist Erinnerung, die Zukunft unser gemeinsamer Weg) unterstrich er den Willen zur Versöhnung. Alle Redner einte der Appell: Dieses Leid darf sich nie wiederholen; die Freundschaft muss stärker sein als die Schatten der Vergangenheit Den Abschluss bildete ein mobiles Gastspiel der Deutschen Bühne Ungarn (DBU) mit einer intensiven Aufführung über das Schicksal der Ungarndeutschen im Jahr 1948.
Sonntag: Budapest – Politik und Geschichte
Am Sonntag besuchte die Gruppe die Ausstellung in der Zitadelle auf dem Gellértberg in Budapest, die erst kurz zuvor nach einer umfassenden Renovierung wiedereröffnet worden war. Am Tag der Parlamentswahlen genoss die Delegation die Architektur der Hauptstadt und den Blick über die Donau in einer ruhigen Atmosphäre. Eine Weinprobe in Budajenő bildete den krönenden Abschluss. Der Inhaber des Weinguts, selbst Ungarndeutscher, gestaltete den Abend mit interessanten Geschichten, außergewöhnlicher Herzlichkeit und vielen heiteren Momenten.
Montag: Hilfe bei der Rückreise
Als der Rückflug kurzfristig annulliert wurde, zeigte sich der starke Zusammenhalt dieser Freundschaft: Die ungarischen Gastgeber fuhren die Delegation am Montag kurzerhand mit zwei Kleinbussen persönlich nach Hause.
Während ihres zweitägigen spontanen Aufenthalts in Leimen nahmen die Freunde als Ehrengäste an dem von der Stadt organisierten Benefizkonzert der US Armyband im Portland-Forum teil, wo sie unter großem Applaus begrüßt wurden.
Ausblick: Lángos-Duft auf der Weinkerwe
Zur kommenden Leimener Weinkerwe im September werden die Freunde aus Mány nach mehrjähriger Pause wieder mit ihrem traditionellen Stand vertreten sein.
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