Einigkeit und Recht und Freiheit –
Stadt setzt Zeichen für Demokratie

(30.1.23 mu) Es war ein bewusst gewähltes, symbolträchtiges Datum. Am 30. Januar 1933 erfolgte die „Machtergreifung“ der Nazis, es war der Tag; an dem die erste deutsche Republik de facto aufhörte zu existieren. Alle demokratischen Parteien und Organisationen wurden nach und nach verboten.

v.l.: SPD-Ortsvereinsvorsitzende Lisa-Marie Werner, Dietrich Unverfehrt, OB Reinwald, SPD-Fraktionsvorsitzender Dr. Peter Sandner und Ursula Baumann

Eine davon war im März 1933 das im Februar 1924 in Magdeburg gegründete „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“, das zum Schutz und der Verteidigung der Weimarer Republik gegründet worden war. Träger der zwischen 1,5 und 3 Mio. Mitglieder des Banners waren die drei Parteien der Weimarer Koalition aus SPD, Zentrum und Deutscher Demokratischer Partei (DDP), wobei der Anteil der Sozialdemokraten weit überwog.

Das Reichsbanner sah sich selbst als „überparteiliche Schutzorganisation der Republik und der Demokratie“ und verstand sich als Hüterin des Erbes der demokratischen Revolution von 1848 und den verfassungsmäßigen Reichsfarben Schwarz-Rot-Gold. Seine Hauptaufgabe wurde Anfang der 30er Jahre die Verteidigung der Weimarer Republik gegen die Extremisten von links und rechts. Bis Februar 1933 wurden dabei 47 Männer des Banners bei Straßenkämpfen getötet.

Prominente Mitglieder waren u. a. die Reichskanzler Gustav Bauer, Constantin Fehrenbach, Hermann Müller, Philipp Scheidemann und Joseph Wirth, der Reichstagspräsident Paul Löbe und die späteren Bundespräsidenten Theodor Heuss und Gustav Heinemann. 1953 gründete sich das Reichsbanner als Bund aktiver Demokraten neu, bekanntestes Mitglied war hier der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt.

Auch in Leimen existierte eine Ortsgruppe des Reichsbanners, die 1928 eine reich verzierte Fahne anfertigen ließ. Diese bestickte Fahne im Format 110 x 125 cm wurde durch den hiesigen Reichsbannerführer, den späteren langjährigen SPD-Gemeinderat Ferdinand Reidel (1902-1989), versteckt und überstand so Nazi-Diktatur und Weltkrieg. Sie wurde von Reidel, der 1976 Ehrenbürger Leimens wurde, dem SPD-Ortsverein vermacht und zuletzt im Heimatmuseum aufbewahrt. Nachdem dessen Bestände ausgelagert werden mussten, reifte die Idee, dieses wertvolle Kulturgut und wichtige Erinnerung an die demokratische Entwicklung Deutschlands der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen.

„Wir danken der SPD Leimen, dass sie diese wertvolle Fahne als Dauerleihgabe der Stadt übergeben hat“, so Oberbürgermeister Hans Reinwald bei der Übergabe durch die SPD-Ortsvereinsvorsitzende Lisa-Marie Werner, des SPD-Fraktionsvorsitzenden, Dr. Peter Sandner und der Stadträte Ursula Baumann und Dietrich Unverfehrt. „Gerade heute, an diesem für Deutschland so schwarzen Tag, zeigt uns Schwarz-Rot-Gold, dass Einigkeit und Recht und Freiheit letztendlich alle Diktaturen überleben. Genau 90 Jahre nach Beginn der Nazi-Barbarei dokumentiert sie dies augenscheinlich. Wir werden sie gut geschützt hier im historischen Rathaus als Mahnmal ausstellen, damit sie uns immer vor Augen führt, dass Demokratie verteidigt werden muss.“

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