Ev. Kirche Leimen zu den Lockerungen der Corona-VO für Gottesdienste

„Das Land Baden-Württemberg erlaubt ab Montag, den 4. Mai wieder öffentliche Gottesdienste. Diese können aber nur unter hohen Auflagen stattfinden.  Der Kirchengemeinderat einmütig beschlossen, nicht zu schnell zu handeln.

Die Verantwortlichen werden in den beiden nächsten Wochen die Infektionszahlen und die öffentliche Diskussion verfolgen und dann entscheiden, ob an Pfingsten ein erster Versuch gewagt werden kann.

Bis Ende Mai werden Vorkehrungen getroffen werden müssen: Mundschutze und Desinfektionsmittel bestellen. Menschen ansprechen, die unter 60 sind und ohne Vorerkrankungen, die einen Ordner-Dienst übernehmen und vieles mehr.

Die  analogen und digitalen Alternativ-Angebote werden beibehalten und ggf. ausgebaut.

Auf der Internetseite www.ev-kirche-leimen.de gibt es aktuelle Vorlagen für Hausandachten, Verweise auf Internet- und Fernsehgottesdienste.

Die Mauritiuskirche seit 16. April 2020 immer donnerstags und samstags von 10-12 Uhr geöffnet. Hier das Licht der Osternacht im Aufgang zur alten Sakristei solange bis wieder ein gemeinsamer Gottesdienst gefeiert werden kann.

„Segen-to-Go“   hängt einer Schnur vor dem Hauptportal der Mauritiuskirche und darf kostenlos mitgenommen werden.

Michael A. Müller hat auf der Internetseite des Kirchengemeinde kleine Konzerte aufgenommen, um ein wenig über den Entfall der Konzerte aus der Reihe „Musik in der Mauritiuskirche“ hinweg zu trösten.

Pfarrerin Lena Hupas und Pfarrerin Natalie Wiesner sind immer bereit Gespräche zu führen. Gerne nach Vereinbarung oder in ihrer Sprechstunde.

In der Rathaus-Rundschau veröffentlichen die Pfarrerinnen immer im Wechsel ein geistliches Wort. So werden Menschen erreichen, die weder über Mail noch Internet verfügen.

Für alle die sich in der digitalen Welt auskennen, bietet die Kirchengemeinde ein Abendgebet aus dem Philip-Melanchthon-Haus an, das ab heute wöchentlich freitags um 19:30 Uhr über www.zoom.us gefeiert wird.

Auch hierzu finden sich Informationen auf der Internetseite der Kirchengemeinde, ebenso eine Anleitung, wie man über das Internet teilnehmen kann.

Die evangelische Kirchengemeinde bittet alle Menschen, die einen öffentlichen Gottesdienst vermissen um Geduld.“


Liebe Leserinnen und Leser,

ab 4. Mai hat das Land Baden-Württemberg unter strengen Auflagen die Feier von Gottesdiensten wieder erlaubt. Ob und wie wir in der Mauritiuskirche wieder Gottesdienste feiern werden, ist zum jetzigen Zeitpunkt, da ich diese Zeilen schreibe,
noch nicht entschieden. Ab wann wir das Gemeindeleben in den Gruppen und Kreisen wieder starten können und Veranstaltungen, Konzerte und Vorträge in unserem Gemeindehaus wieder stattfinden können, ist noch vollkommen unklar.

Wir werden uns noch auf viele Monate einstellen müssen, in denen wir im öffentlichen Raum große Achtsamkeit brauchen und Solidarität mit den Menschen, die eine schwache Gesundheit haben.

Wir möchten Ihnen bald wieder sagen dürfen: Wir freuen uns, Sie zu sehen! Schön, dass Sie da sind! Nach persönlicher Begegnung sehnen wir uns nach Wochen der Vereinzelung alle, wie ein Verdurstender in er Wüste. Wir wollen gesehen werden, wahrgenommen werden, wollen uns austauschen.

„Du siehst mich.“ Dieser „Slogan“ ist mir vom Kirchentag in Berlin imd Jahr 2017 ist mir in diesen Tagen wieder eingefallen. Hintergrund ist die Geschichte der Sklavin Hagar (1.Buch Mose 16) Abraham und Sara sind ihre Besitzer. Abraham und Sara haben keine Kinder und können keine bekommen. Da muss Hagar kurzerhand als Leihmutter dienen. Hagar wird nicht gefragt. Sie wird schwanger von Abraham. Aber Hagar ist ein Mensch – nicht nur eine Funktion, eine Funktionierende. Hagar wird Mutter und gewinnt Selbstbewusstsein gegenüber ihrer Herrin Sara. Sara wird wütend, gewalttätig.

Hagar flieht vor der Gewalt und der Demütigung. Sie flieht davor, nur eine Funktion zu sein.  Sie möchte als Mensch wahrgenommen werden. Sie flieht in die Wüste und verirrt sich. Da spricht der Engel Gottes sie an: Hagar, wo kommst du her und wo willst du hin? Die Quelle, die sie findet, rettet Hagar vor dem Verdursten. Die Wasserquelle in der Wüste, an der Hagar Gott begegnet, wird für Hagar zu einem Wendepunkt in ihrem Leben. Sie macht die Erfahrung: Gott sieht mich, in meinem Elend, in meiner Not. Er lindert vielleicht nicht sofort mein Leiden. Aber er sieht mich an. Sein Blick ruht auf mir.
Bei ihm bin ich Person. Bei ihm habe ich ein eigenes Leben. „Du bist ein Gott der mich sieht“, bekennt sie.

Wir haben auch einen Durst. Wir sehnen uns danach, gesehen zu werden. Sorgenfrei  und ohne Mundschutz einkaufen zu gehen. Sich mit Freundinnen zu treffen. Wir sehnen uns nach Aufmerksamkeit, Anerkennung, Liebe. „Schön, dass du da bist!“ Wie lange haben wir diesen Satz schon nicht mehr gehört? Und das schlimmste ist momentan, dass es keine wirkliche Perspektive gibt. Wie lange noch? Wie lange sind wir noch unsichtbar füreinander oder nur ein Bild im Video-Chat?

Es gibt sie: die anderen Momente. Die Momente, die sich anfühlen, wie ein Schluck Wasser an einer Quelle in der Wüste. Immer wieder ist sie da. Diese lebendige Kraft, dir mir sagt: Ich sehe dich! Wenn ich beim Einkaufen durch den Mundschutz hindurch ein Lächeln erahne und mir jemand zunickt. Wenn jemand am Telefon eine Bemerkung
macht, darüber wie sehr er mich schätzt und das was ich tue. Wenn die Kinder oder Enkel sagen: wir vermissen dich. Oder „Danke Mama!“ „Danke Oma!“ Das sind erfrischende, ermutigende Momente, die es mir ermöglichen weiterzumachen. Die
Geschichte der Hagar und ihre Rettung durch Gott an der Wasserquelle, die möchte ich mir gerne zu eigen mache. Zu wissen: Gott sieht mich, Gott ist da. Diese Gewissheit ist eine Wasserquelle in meinem wüsten Alltag. Die Gewissheit darüber, dass ich jemand bin, die es wert ist geliebt zu werden. Ich habe eine Würde, die mir niemand wegnehmen kann. Ich stille meinen Durst aus der einzigen Quelle echten Lebens. Aus den Augen meines mich liebenden Gottes.

Und noch etwas geschieht: Gottes liebender Blick, verändert meinen Blick auf andere, auf die Welt. Ich schaue achtsamer. Und ich sehe plötzlich nicht nur Funktionen, nicht nur die Masse, sondern Menschen. Im Supermarkt, in der Warteschlange vor dem Bäcker. Wenn wir uns an der Ampel gegenüberstehen. Und auch in Gedanken: Ich sehe Menschen, weil ich über sie nachdenke, weil ich ihre Stimme höre, weil ich besorgt bin, wie es ihnen geht. Neue und altbekannte Menschen, geliebte und sogar Menschen, die mir nicht sympathisch waren oder sind, sehe ich jetzt in einem anderen
Licht.

Auch wenn es noch keine Perspektive gibt, wann wir uns wieder regelmäßig und ohne große Auflagen sehen können. Ich freue mich darauf. Ich bin gespannt darauf, wie es sein wird, wenn wir uns wieder öfter begegnen werden: Wen werde ich mit anderen Augen sehen?

Bleiben Sie behütet!

Ihre Natalie Wiesner, Pfarrerin

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