Heimatmuseum Sandhausen – Raum 7: Hopfen- und Tabakanbau

Wir führen Sie nun weiter durch unser Heimatmuseum. Bis das Museum in Sandhausen wieder voraussichtlich im September geöffnet sein wird, werden wir in den nächsten Wochen die einzelnen Museumsräume vorstellen. Wir konzentrieren uns dabei auf bestimmte Ausstellungsstücke, weshalb wir mit dieser Vorstellung keine Vollständigkeit beanspruchen.


Nach Raum 6 in der letzten Ausgaben der Gemeindenachrichten berichten wir nun über RAUM 7. In Zeiten des Rathauses war dort das wichtigste Zimmer untergebracht. Es handelte sich um das Dienstzimmer des Bürgermeisters. Dort wurden wichtige Entscheidungen für Sandhausen vorbereitet und umgesetzt.

Zugleich stellen wir heute in diesem Museumsraum auch zwei der wichtigsten Themenbereiche für Sandhausen vor. Dort erfahren Sie einiges über den Hopfenanbau und die Tabakverarbeitung, welche eng mit der Vergangenheit von Sandhausen verknüpft ist. Seit dem Jahre 1682 gab es in Sandhausen den Hopfenanbau. In den folgenden Jahrhunderten bis 1850 war bereits ein Viertel der landwirtschaftlichen Fläche mit Hopfen bebaut. Zwischen den beiden zwei Weltkriegen (1918-1939) lag die bebaute Fläche bei beinahe 50 Hektar und lieferte jedes Jahr bis zu 4.000 Zentner Hopfen. Infolgedessen war der Hopfenanbau für die damaligen Landwirte eine wichtige Einnahmequelle. Diese Würdigung an das grüne Gold bringen wir durch das raumhohe Hopfenmodell zum Ausdruck. Das Modell wird jedes Jahr auch von uns mit echtem Hopfen ausgeschmückt, so dass es dadurch einen authentischen Anblick erhält. Unweigerlich wird der Raum so auch mit dem leicht herben Geruch von Hopfen erfüllt.

Bearbeitungsgeräte wie ein Düngespritzgerät und eine Hopfenwaage neben dem Modell vervollständigen die Darstellung. Schließlich können Sie auch Photographien vom Hopfenzopfen entdecken, welche an Hopfenpfückens erinnern soll. In der damaligen Zeit verdienten an dieser aufwändigen Arbeit viele Sandhäuser Familien etwas Geld hinzu. Nach mündlicher Überlieferung von älteren Museumsbesuchern erhielten damals vor allem die Kinder beim Pflücken oder „Zopfen“ ihr Taschengeld für die anstehende Kerwe im Oktober. Der Wirtschaftskreislauf in Sandhausen wurde dadurch geschlossen.

Darüber hinaus widmet sich der Raum einem anderen sehr wichtigen Erwerbszweig: Der Zigarrenindustrie. Im Zentrum des Raums steht deshalb auch ein Zigarrenwickeltisch samt Werkzeuge und Tabakfüllmaterial. Dieser hölzerne Tisch erinnert an die bemerkenswerte Handarbeit der Zigarrenmacherinnen und Wicklerinnen. Durch diesen originalen Tisch machen wir so die Arbeit vom Tabakblatt bis zur fertig gerollten Zigarre deutlich.

Eine Schautafel über die Zigarrenfabriken in Sandhausen vervollständigt die Darstellung. Dabei verweist die Tafel auf die von den Gebrüder Mayer im Jahre 1851 eröffnete erste große Zigarrenfabrik. Sie ist besser unter dem Namen „d grouß Fawwarigg“ bekannt. Auf der Schautafel wird auch die damals äußerst moderne Fabrik „Bruns bey Rhein“ in der Büchertstraße vorgestellt, welche bereits ausführlich von Wilfried Hager in den Gemeindenachrichten Nr. 24 vom 12.06.2020 beschrieben wurde.

Der Höhepunkt der industriellen Entwicklung wurde im Jahr 1913 erreicht. In diesem Jahr zählte Sandhausen 14 mehr oder minder große Zigarrenfabriken, welche über den ganzen Ort verteilt waren. Da die Zigarre sich gegenüber den billigeren Zigaretten aus Amerika nicht behaupten konnte, nahm die Zigarrenindustrie im Jahre 1976 ihr schnelles Ende. Die Firma Kölle war somit die letzte Fabrik in Sandhausen. Dadurch ging für Sandhausen das Zigarrenhandwerk verloren. Beinahe 125 Jahre lang bot es für viele Sandhäusern Arbeit und Brot. Daher ist die Erinnerung daran und an diese Zeit unsere Aufgabe!

Außerdem haben wir über den Zigarrenwickeltisch echte Tabakblätter aufgereiht. Der Tabakduft vereint sich so mit dem Geruch des Hopfens. Dadurch ist der Raum nicht nur etwas zum Sehen, sondern auch zum Riechen.

Für dieses eindrückliche Erlebnis bietet sich daher auch der Besuch im Museum an. Es wird sicher bald wieder möglich sein. Deshalb hoffen wir, dass wir Ihnen mit dieser Artikelreihe in den letzten Wochen viel Freude bereiten konnten, um Ihnen so unser Museum im Herzen der Hopfengemeinde näherzubringen. Wir freuen uns deshalb auch auf einen baldigen Besuch Ihrerseits. Bis dahin können Sie sich auf www.heimatverein-sandhausen.de weiter über unsere Aktivitäten informieren.

Für den VHV 1952: Jonas Scheid, Günter Wittmann, Lars Kieneck

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