„Herausforderndes“ Verhalten bei Kindern – Thementag im Landratsamt

 Herausforderndes Verhalten im Kleinkind- und Vorschulalter und Hilfen durch Interdisziplinäre Frühförderung | Thementag der VIFF im Heidelberger Landratsamt

Der Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. Rainer Schwertz begrüßt die Teilnehmer

Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern nehmen auch schon im Kleinkind- und Vorschulalter zu. Erklärungsversuche für die steigende Anzahl auffälliger Kinder werden im Zusammenhang mit dem Stichwort „veränderte Kindheit“ vor allem in den veränderten Umweltbedingungen des Aufwachsens, veränderten Familienstrukturen und der damit einhergehenden Unsicherheit in Fragen der Erziehung gesucht. Der Begriff der Verhaltensauffälligkeit wird in neuerer Zeit vermehrt als stigmatisierend kritisiert. Es werden stattdessen Begriffe wie Problemverhalten oder herausforderndes Verhalten vorgeschlagen. Allerdings stellt sich auch bei diesen Begriffen die Frage, wie problematisches bzw. herausforderndes Verhalten definiert werden kann und wo die Grenzen zu einer Störung im Sinne einer psychiatrischen Diagnose liegen. Dies gilt vor allem für das Kleinkind- und Vorschulalter, in dem die kindlichen Entwicklungsmöglichkeiten in besonderem Maße von den Interaktionserfahrungen mit relevanten Bezugspersonen beeinflusst werden.

Kürzlich trafen sich im großen Sitzungssaal über 120 Fachleute im Arbeitsfeld der interdisziplinären Frühförderung aus Medizin, Psychologie und Pädagogik (Heil-, Sozial- und Sonderpädagogik), um aus aktueller Forschung mehr über Ursachen von Verhaltensauffälligkeiten im Kleinkind- und Vorschulalter, Möglichkeiten der Früherkennung von psychopathologischer Entwicklung und präventive Ansätze aus der Praxis zu erfahren. Die Veranstaltung hatte die Vereinigung für Interdisziplinäre Frühförderung, Landesvereinigung Baden-Württemberg e.V. (VIFF), unter der Leitung von Dr. Cornelia Esther, Referatsleiterin für Kinder- und Jugendgesundheit im Gesundheitsamt des Rhein-Neckar-Kreises, organisiert. Der Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. Rainer Schwertz, begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Thementages und wies darauf hin, wie wichtige es ist, Entwicklungsauffälligkeiten bei Kleinkindern und Vorschulkindern möglichst frühzeitig zu erkennen. „Es ist eine intensive Aufgabe, diesen Problemen schnellstmöglich entgegenzusteuern und das Kind auf den richtigen Weg zu bringen“, so Dr. Schwertz weiter.

Zwei Fachvorträge zum Thema Entwicklungsphänomene und -varianten des Verhaltens aus entwicklungspädiatrischer Sicht sowie über die psychischen Störungen im Kleinkind- und Vorschulalter gaben den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Input für Beratung und Diskussion. Hierfür konnten zwei hochkarätige Referenten gewonnen werden: Prof. Dr. Oskar Jenni, Leiter der Abteilung Entwicklungspädiatrie am Kinderspital Zürich, und Dr. Luise Poustka, Leitende Oberärztin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kinder- und Jugendalters am Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim. In den Fachvorträgen wurden Aspekte der Differenzierung und Früherkennung vermittelt.

In den fünf Nachmittagsgruppen hatten die Teilnehmer die Möglichkeit die Thematik aus verschiedenen Perspektiven zu diskutieren. Im Vordergrund standen der systemische Ansatz und die Unterstützung der Eltern, Familien und Kindertageseinrichtungen mit dem Ziel der Förderung von Bindung und Beziehung aller Beteiligten. Resilienzförderung der Kinder, ein Modell- und Forschungsprojekt, begleitet durch die evangelische Fachhochschule Freiburg, zur Förderung der Kinder, Stärkung der Elternkompetenz und Begleitung der Erzieherinnen im Prozess wird vorgestellt. Maßnahmen der Frühförderung für Kind und Familie und der Integrationshilfen in der Kindertageseinrichtung müssen „Hand in Hand“ gestaltet werden. Auch heilpädagogische Frühförderung kann zur Förderung der psychosozialen Entwicklung von Kinder im Kleinkind- und Vorschulalter notwendig sein, um die Teilhabe an der Gemeinschaft zu ermöglichen.

„Es war ein Tag des lebhaften Austausches“, so das Resümee von Dr. Esther, „Wir haben alle sehr viel für unsere tägliche Arbeit mitgenommen.“

Weitere Informationen gibt es bei der VIFF unter www.fruehfoerderung-viff.de. Ansprechpartner sind Dr. Cornelia Esther, Gesundheitsamt des Rhein-Neckar-Kreises, Tel. 06221/522 1888 [email protected] und Udo Kinsler, Tel. 0711/5056433, E-Mail: [email protected]

 

 

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