Hundert Jahre, kein bisschen leise: Die Diljemer Schaefer-Orgel feiert Geburtstag
(fwu – 23.10.25) Erstaunlich: Sie wird mit Füßen getreten – und klingt gerade deshalb so machtvoll und raumfüllend. Sie ist genau einhundert Jahre alt, hat schon zwei Kriege überstanden und immer noch klangvoll wie am ersten Tag: Die Schaefer-Orgel der evangelischen Dreifaltigkeitskirche St. Ilgen. Sie hatte am Sonntag Geburtstag. Und die Gemeinde feierte mit – samt Dudelsack, Trompete, Querflöte, Posaunenchor und starken Stimmen.
Rudi Sailer, seit inzwischen über sechzig Jahren Herr über Registerzüge und Pfeifen, erinnerte sich an seine Anfangszeit. Damals, so erzählte er schmunzelnd, habe er als junger Organist bei seiner ersten Hochzeit nach wenigen Minuten gemerkt, dass er zwar eifrig spielte, aber die Register nicht gezogen hatte. „Die Braut hatte Tränen in den Augen – aber aus anderen Gründen“, sagte Sailer trocken. Und fügte dann sein eigenes humorvolles Orgel-Organisten-Credo hinzu:
„Wie du greifen, so wird es pfeifen.
War’s gut gelungen, hat’s rein geklungen.
Hast falsch gegriffen, hat’s falsch gepfiffen.
Dann hilft dir nur: Üb weiter – stur!“
Man kennt ihn in St. Ilgen – nicht nur als Organisten, sondern als musikalisches Original, das längst Teil der Dorfchronik ist. Schon zu seinem 50-jährigen Dienstjubiläum 2012 hatten wir ihn mit der Überschrift „Dem Rudi steigt ein Trullala“ gefeiert. Damals wie heute gilt: Er spielt nicht nur die Orgel, er lebt sie. Und wenn er in der Kirche antritt, dann mit einer Mischung aus Können, Humor und einer Portion „Diljemer“ Gelassenheit.
Einen ganz anderen Ton brachte Alexander Rajcsanyi ein, der sein eigenes Organistencredo vortrug – ein poetisches Bekenntnis zur Musik als Dienst und Demut:
„Die Orgel spiel’ ich, wo ich kann,
in Kirchen wie am Grabe.
Verleihe Klang dem Sangeswort,
in Lob und Dank und Klage.“
Ein stiller Moment, der das Kirchenschiff spürbar zur Ruhe brachte, bevor wieder Musik den Raum erfüllte.
Dann begann der musikalische Festakt, und die Orgel zeigte, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Bezirkskantor Paul Hafner griff zu Bach und Pachelbel, der Posaunenchor St. Ilgen unter Leitung von Thomas Saladin setzte kräftige Akzente, Petra Klemme sang von der Empore aus Händels Ombra mai fu – hell und klar wie Glas. Achim Klotz steuerte Tenor und Trompete bei, Michael Reinig ließ seine Schäferpfeife schnarren und seufzen – fast wie ein Kommentar aus einer anderen Welt.
Insgesamt eine äußerst gelungene Veranstaltung, die unterstrich: Diese Orgel ist ein fester Bestandteil des Dorfgedächtnisses, hat Generationen begleitet – in Freud und Leid, Taufe und Trauer. Und sie wird weiterklingen, solange einer da ist, der sie so zärtlich tritt, dass selbst der liebe Gott lächelt.
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