Konzert am eigene Geburtstag:
Joanna Michna – Klassik meets Romantik

Geburtstagsgratulation auf der Bühne

Michael Reinig (l.) und Rudi Sailer gratulierten Joanna Michna auf der Bühne der Aegidiushalle zu Beginn des Konzertes „Klassik meets Romantik“ zum Geburtstag

(fwu – 2.2.17) 22 eigene CDs, weltweite Solo- und Konzert-Auftritte. Auf der Konzertbühne seit ihrem sechsten Lebensjahr. Einige der Eckpfeiler aus dem musikalischen Leben der deutsch-polnischen Pianistin Joanna Michna, die am Samstag in der St. Ilgener Aegidiushalle ein Klavierrecital  unter dem Titel „Klassik meets Romantik“ darbot.

Bürgermeister-Stellvertreter Michael Reinig führte das Publikum in Wirken und Werk von Joanna Michna und das an diesem Abend von ihr gebotene Musikprogramm profund ein und gratulierte ihr auch herzlich zum Geburtstag. Auszüge aus seinen Erläuterungen dürfen wir hier dankenswerter Weise wiedergeben.

Michael Reinig:

Bürgermeister-Stellvertreter Michael Reinig

Bürgermeister-Stellvertreter Michael Reinig

„Klassik meets Romantik, ich denke wir dürfen uns auf einen spannenden, ja spannungsgeladenen Konzertabend freuen. Prallen da doch zwei scheinbar unvereinbare Gegensätze aufeinander. Gestalterischer Ordnungswille mit unbändig tosendem Gefühlsrausch, klare Gliederung und Prägnanz der musikalischen Form und Sprache mit Virtuosität und dem Ausschöpfen der ganzen musikalischen Bandbreite. Und doch – einer der Komponisten, die heute zum Vortrag kommen, hat beides miteinander verbunden. Er gilt als Vollender der Wiener Klassik und als Wegbereiter der Romantik – Ludwig van Beethoven.

Wolfgang Amadeus Mozart

Das erste Stück des heutigen Abends, die Sonate Nr. 14 c-Moll KV 457 von Wolfgang Amadeus Mozart wurde von ihm im Oktober 1784 komponiert. Die c-Moll-Sonate ist eine von nur zwei Klaviersonaten in Moll und gehört zur Gruppe der letzten fünf Wiener Sonaten. Mit ihrer pathetischen Klangsprache, der Gestaltung des Haupt- und Seitenthemas beeinflusste sie nachhaltig Ludwig van Beethoven.

In Beethovens Klaviersonate Pathétique lässt sich Mozarts Vorbild gut heraushören. So finden sich auch bei ihm nach der Grave-Einleitung unruhige Oktavtremoli. Und auch der Beginn des zweiten Satz, das Adagio in der Paralleltonart Es-Dur, findet sich deutlich erkennbar bei Beethoven wieder.

Aus Joanna Michnas CD Chopin meets Wagner hören wir heute Abend 2 Stücke: zunächst die 12 Etüden, Opus 10, von Frederic Chopin und zum Abschluss des heutigen Abends die Wagner Highlights.

Frédéric Chopin

Eigentlich ist eine Etüde ja ein Instrumentalwerk für ein Soloinstrument, das dem Musizierenden zu größeren Fertigkeiten auf seinem Instrument verhelfen soll. Im Mittelpunkt steht ein kurzes spieltechnisches Problem, das häufig wiederholt und in Sequenzen auftritt. Im 19. Jahrhundert entwickelt sich jedoch die Etüde zum Bravourstück des Virtuosen, der hier seine spieltechnischen Fertigkeiten einem Publikum präsentiert. Revolutioniert wurde die Klavieretüde in technischer, musikalischer und gesellschaftlicher Hinsicht durch Frédéric Chopin, denn es war vollkommen neuartig, dass ein Pianist Etüden öffentlich vortrug. Chopin machte die Etüde damit kunst- und salonfähig. Seine virtuosen Etüden waren auch die Stücke, mit denen er die Zuhörer in den Salons am meisten begeisterte.

Karl Schumann bezeichnete Chopins Etuden wegen ihrer zeitlosen Schönheit und ihrem pianistischem Reiz als „Magna Charta des Klavierspiels“. Große Klavierkomponisten wie Debussy und Rachmaninow haben sich an ihnen orientiert.

Also ganz klar ein Fall für Joanna Michna: Denn sie „.. ist eine Pianistin, die ihr Handwerk glänzend versteht, die in Chopins Stil zu Hause ist und Chopins kantable Melodien zum Leuchten bringt. Sie zeigt Sinn für Farben und Stimmungen, meistert die virtuosen Anforderungen mit Eleganz.“
so schreibt Gregor Willmes über sie im FONO FORUM

Ludwig van Beethoven

Auf keinen passt das Thema des heutigen Abends besser als auf Ludwig van Beethoven. Zu Beginn seiner musikalischen Karriere machte sich Beethoven zunächst als Klaviervirtuose einen Namen. Zu seinen Stärken gehörte das freie Improvisieren und Fantasieren auf dem Instrument. Beethovens Erfolge als Komponist hängen anfangs eng mit seiner Karriere als Klaviervirtuose zusammen.

Während Beethoven im Jahr 1804 an seiner Oper „Fidelio“ arbeitete, fesselte ihn nebenbei auch eine Klaviersonate, die Sonate in f-moll, genannt „Appassionata“. Sie gehört zu seinen populärsten Stücken. Vollendet hat Beethoven sie zwei Jahre später, im Jahr 1806, er war damals auf dem Höhepunkt seiner kompositorischen Fähigkeiten.

Der Beiname „Appassionata“ beschreibt das unbändige Temperament, das die Sonate verströmt. Deshalb ist sie auch „die Hölle zu spielen“, wie der Pianist Michael Korstick sagt. Beethoven habe „buchstäblich technisch alle Register gezogen…Es handelt sich trotz der Tatsache, dass es wie ein großes romantisches Charakterstück klingt, um einen Sonatensatz in der klassischen Struktur. Sie müssen einerseits die größte emotionale Gespanntheit erzielen und andererseits die Struktur vollkommen klarmachen, in dem Sie das Tempo immer in der Hand halten.“ schreibt er weiter. Für den Pianisten ergibt sich hier jedenfalls die kniffelige Aufgabe, seine Emotionen am Klavier gekonnt zu zügeln.

Wie manch anderes Beethovensche Werk erfuhr die Appassionata seit ihrer Entstehung verschiedenste außermusikalische Deutungen. Die meisten bringen die „eruptiv herausbrechende Leidenschaft“ und „glanzvoll-dämonische musikalische Wirkung voll romantischer Virtuosität“ in Zusammenhang mit einer realen emotionalen Krise.

Richard Wagner

Komponistenportrait des chinesischen Malers Haibin Li

Komponistenportrait des chinesischen Malers Haibin Li

Richard Wagner ist für Joanna Michna eine Entdeckung aus neuerer Zeit, gleichwohl lässt sie seine Musik seitdem nicht wieder los. Richard Wagner-Highlights nennt sie „… Ihre Idee, aus Fragmenten verschiedener Konzertparaphrasen über Richard Wagners Musik … eine Art Potpourri oder Suite zu kreieren.“

Und Peter Cossé schrieb zur oben bereits erwähnten CD Chopin meets Wagner in KLASSIK HEUTE
„Es werden einige wichtige Themen aus den Opern Wagners nicht nur zitiert, sondern auf pianistisch hohem, ja höchstem Niveau ausgearbeitet. Die Pianistin verfügt über ausreichend Mittel, die schnurrige Spinnerlied-Akrobatik aus dem Holländer ebenso wie die dunklen, gewichtigen Tristan- und Götterdämmerung-Ereignisse in Vorwärtsbewegung, aber auch in ihren Stauwirkungen auf angemessener Temperatur zu halten…
Joanna Michna sagt dazu: „Ich habe mit Chopin und Wagner zwei gegensätzliche Komponisten zusammengeführt, weil diese Begegnung für mich, im übertragenen Sinne, mein Leben wiederspiegelt – zwischen Polen und Deutschland, zwischen Menschen mit sehr unterschiedlicher Mentalität, die mir jedoch alle nahestehen.“


Auf eine Besonderheit des heutigen Abends möchte ich Sie ebenfalls hinweisen: Sie hören Musik großartiger Komponisten und können ihnen dabei direkt in die Augen sehen. Die ausgestellten Künstlerportraits stammen von dem chinesischen Maler Haibin Li, der über sich selbst sagt:
Kunst ist eine Lebensweise. Meine Werke sind weder westlich noch ostasiatisch. Denn Regeln und Prinzipien funktionieren nur innerhalb eines bestimmten Wertesystems. Wenn man davon abspringt, sind sie plötzlich sinnlos geworden. Ich bin der Kaiser meines eigenen Territoriums.“

Zum Konzert eingeladen hatte das Internationale Kultur und Wissenschaftszentrum e.V. (Leimen / <Homepage>).

 

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