Leckerer heimischer Bärlauch für die Küche – Hobbybotaniker sammeln Giftblätter

(fwu – 6.5.15) Wer mit gesundem botanischen Halbwissen bewaffnet durch die heimische Natur streift, um ein wenig leckeren und nach Knoblauch riechenden Bärlauch für die eigene Küche zu sammeln, geht dabei ein nicht unerhebliches Risiko ein. Dies liegt daran, dass Bärlauch– und Maiglöckchenblätter optisch nicht zu unterscheiden sind.

2126 - Kraeuterwanderung - 1Sollte der Hobbybotaniker das erste gefundene und nach Bärlauch aussehende Blatt zwischen den Fingern zerrieben und dabei den gewünschten Knoblauchgeruch als Beweis für die Korrektheit seiner Annahme, es handele sich um das leckere Kraut, wahrgenommen haben, wähnt er sich seinem Ziel bereits nah und sammelt fleißig die ja nun erwiesenermaßen schmackhaften Blätter weiter ein. Mit ein bisschen Pech waren jedoch alle nachfolgenden und gleich aussehenden Blätter vom Maiglöckchen und damit hochgradig giftig. Immerhin war das Maiglöckchen die Giftpflanze des Jahres 2014!

2126 - Kraeuterwanderung - 2Auf diesen Umstand wies Dr. Ulrike Schofer gleich zu Beginn ihrer von der Lokalen Agenda Leimen organisierten botanischen Führung mit dem Titel „Pflanzen in den Leimener Gewannen“ hin. Und zum Beweis hatte sie auch gleich die Blätter beider Pflanzen mitgebracht und einer Teilnehmerin an der Wanderung zur Begutachtung in die Hand gedrückt. Optisch auseinanderhalten ließen sie sich tatsächlich nicht. Hier hilft nur Vorsicht und gute Kenntnis beim Sammeln. Beim Maiglöckchen treten immer zwei Blätter aus einem Stiel, während die Bärlauchblätter alleine stehen. Ansonsten schmecken die Maiglöckchen auch nicht besonders lecker, sondern sind bitter und geraten daher wohl auch nicht in größeren Mengen über die Lippen des Feinschmeckers.

Auf der knapp zweistündigen botanischen Wanderung, die an der Straßenbahnendstelle am Leimener Friedhof begann, erhielten die knapp zwei Dutzend Teilnehmer eine Fülle weiterer Informationen zu heimischen Pflanzen, von denen Dr. Schofer während ihrer Ausbildung zur Apothekerin auch schon selbst über 400 verschiedene für ihr Herbarium gesammelt hatte.

Von der lokalen Agenda erhielten wir folgenden Bericht über die Veranstaltung, die wir unserer Leserschaft nicht vorenthalten wollen:

Botanische Führung in Leimener Gewannen mit Dr. Ulrike Schofer

Bei unerwartet schönem Wetter starteten an der Endhaltestelle der Straßenbahn in Leimen 23 Pflanzenfreunde, um mit Frau Dr. Schofer die Pflanzenwelt entlang dem Lehrpfad des Obst-, Wein- und Gartenbauverein Leimens, dem Weinweg und dem idyllischen Röhrgrund zu erkunden. Ins Auge fiel sofort an einem Zaun die große Kletterpflanze namens Zaunrübe, die in allen Teilen sehr giftig ist und aus deren Knollen Medizin gegen Rheuma hergestellt wird. Unmittelbar daneben die ungefährliche Knoblauchsrauke. Wenn man ihre Blätter zerreibt, riecht es nach Knoblauch. Sie findet als Würzpflanze mehr und mehr wieder in der Küche Verwendung. Sie wirkt außerdem leicht harntreibend und schleimlösend.

Ein paar Schritte weiter eine kleine blühende Pflanze, die keine/r als Feldsalat erkennt. Die Rosen am Rand betrachtend erklärte Frau Dr.Schofer die Methoden, Rosenöl herzustellen, und erzählte von ihrem österlichen Ausflug in die bulgarischen Rosentäler. An einem Hartriegelbaum vorbeigehend, erfuhren wir, dass wie z.B. die Hortensie auch diese Pflanze eine Scheinblüte hat, um die Insekten anzulocken, die wirkliche Blüte sitzt ganz klein in der Dolde. Überhaupt wurde einem auf dem Weg mal wieder bewusst, was die Natur alles anstellt, um die Fortpflanzung sicherzustellen.

Eine Wiese liegt weiß schimmernd in der Sonne, alles Gänseblümchen! Was hat es für einen schönen passenden Namen: Lateinisch: Bellis perennis, auf Deutsch „ausdauernde Schöne“. An einem Walnussbaum bewunderten wir den weiblichen Blütenstand versehen mit einem kleinen „Federwuschel“, damit die Bestäubung besser funktioniert. Bei einem großen Wiesensalbei, einem Lippenblütler mit dem typischen vierkantigen Stängel, konnten wir den sog. Schlagbaummechanismus bewundern als Frau Dr. Schofer mit einem kleinen Stöckchen so tat als ob ein Insekt die Blüte besuchte.

Auch wenn sie als Expertin bedauernd feststellen musste, dass die Vielfalt der Pflanzen deutlich nachgelassen hat, ist es für den Laien immer wieder unfassbar, was alles dicht gedrängt beieinander wächst. Auf der Tour durchquerten wir die Gewanne Unterer und Oberer Emmertsrain, Oberer Engelsbrunnen, Oberer Weißenberger, so genannt wegen des weißen Mergels im Boden. Den „Knollen“, was so viel bedeutet wie „Hügel im Hügel“, lassen wir über uns liegen. Frau Dr. Schofer gibt uns zum Abschluss noch den Tipp, auf die oft seltsamen Namen der Raststätten und Parkplätze an den Autobahnen zu achten, es handelt sich oft um Gewannnamen.

Es waren nun schon zum dritten Mal unverändert lehrreiche und unterhaltsame Stunden in angenehmer Gesellschaft und schöner Natur. Herzlichen Dank an Frau Dr. Schofer für ihr ehrenamtliches Engagement!

 

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