Leserbrief: Aramäer Leimen zur Beendigung der Freitags-Mahnwachen

Seit September 2014 treffen sich auf dem Georgie-Marktplatz in Leimen Menschen die ihrer verfolgten Glaubensgeschwister gedenken. Wir leben heute im 21. Jahrhundert, in einem Zeitalter der Moderne und des Fortschritts, aber wir müssen mit erschrecken feststellen, dass sich in Bezug auf die Menschenrechte in der Welt die Lage in den letzten Jahren eher verschlechtert hat als verbessert.

4988 - Mahnwache 2Gerade die Lage der Christen im Nahen Osten wird zusehends kritischer. Dabei sind Christen schon die am meisten verfolgte Glaubensgemeinschaft auf der Welt. Auch andere religiöse Minderheiten wie die Yeziden kämpfen im Nahen Osten um ihr Überleben. Die Besucher der Mahnwache haben in den letzten Monaten einen Teil dazu beigetragen, um auf diese Ereignisse aufmerksam zu machen. Sie alle haben ihren Beitrag dazu geleistet die Welt zumindest etwas besser zu machen. Man muss sich aber auch die Frage stellen, warum es zu diesem zunehmenden Leid in der Welt kommt. Die Antwort dazu ist simpel. Die Förderung der Menschenrechte spielt in der Weltpolitik eine sehr untergeordnete Rolle, auch wenn von der Politik gern anderes behauptet wird. Das ist das Hauptproblem.

Deutschland pflegt eine enge Partnerschaft mit Saudi-Arabien, einem Land in dem es kaum Menschenrechte gibt. Wir sind aus rein wirtschaftlichen und strategischen Gründen mit diesem Land verbündet. Syrien wird wie Saudi-Arabien diktatorisch geführt und Meinungsfreiheit wird ebenso wenig gewährt, jedoch ist Syrien im Gegensatz zu Saudi-Arabien ein Beispiel für religiöse Toleranz und kultureller Vielfalt für den gesamten Nahen Osten. Aber das schien den Politikern in den USA und der EU nicht viel Wert zu sein. Syrien gilt immer noch als Schurkenstaat, Saudi-Arabien hingegen, in dem Frauen nicht mal Autofahren geschweige denn alleine auf die Straße gehen dürfen, ist der Verbündete. Wäre es aus ethischen Gesichtspunkten nicht ratsamer gewesen, die gesellschaftliche Vielfalt Syriens, die über Tausende Jahre gewachsen ist, mit einer engeren Partnerschaft zu schützen und zu fördern? Wäre es nicht richtiger die Zusammenarbeiten mit Staaten zu verstärken die Menschenrechte achten und stärken wollen, anstatt nur die wirtschaftlichen Anreize zu betrachten? Sollten alle anderen Aspekte nicht eine untergeordnete Rolle spielen?

Am Karfreitag, dem Tag an dem Jesus Christus gekreuzigt wurde, fand die letzte Mahnwache in Leimen statt. Es war ein passender Tag um an die Christen gedenken, die aufgrund ihres Glaubens ihr Leben lassen mussten, wie z.B. die Studenten/-innen die am Tag zuvor bei einem schrecklichen Terroranschlag in Kenia ermordet wurden.

In der Osternacht fanden sich ein weiteres Mal Vertreter der katholischen, evangelischen und syrisch-orthodoxen Kirche zum Osterfeuer im Karmel Haus Leimen zusammen. Gemeinsam wurden Kerzen entzündet und es wurde für die Opfer von Gewalt und Verfolgung gebetet.

Wir, die Aramäische Gemeinde Leimen, möchten uns ganz herzlich bei allen Teilnehmern der Mahnwache für die Anteilnahme während der letzten Monate bedanken. Ganz besonders danken wir Pfr. Lourdu und Pfr. Groß , die diese bundesweit einzigartige Aktion gestartet und über die ganze Zeit durchgeführt haben!

Wir hoffen weiter auf gute Zusammenarbeit!

Markus Ergün – Aramäische Gemeinde Leimen

Hinweis der Redaktion: Einen Bericht der katholischen Kirche zur vorerst letzten Mahnwache finden Sie <hier>

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