Leserbrief: Gemeinschaftsschule – über enttäuschte Erwartungen

(lb – 5.5.14) Am 27.03.2014 wurde auf der Gemeinderatssitzung der Antrag auf Umwandlung der Geschwister-Scholl-Schule in eine Gemeinschaftsschule mehrheitlich abgelehnt.

Für viele Eltern ist es eine Enttäuschung. Eine große Enttäuschung darüber, dass sich in den nächsten Jahren in der Schullandschaft der Gemeinde Leimen nichts ändert.

Als Vorwand für die Antragsablehnung hat die Verwaltung mit Beteiligung der Fraktionen CDU,FDP und Freie Wähler die Empfehlung des Schulamtes vorgeschoben, die Gemeinschaftsschule an die Realschule anzusiedeln.

Aber ist das Kollegium der Realschule auch bereit, fachlich in der Lage und sind die Lehrer auch begeistert für das Projekt “Gemeinschaftsschule”?

Es wird mit Sicherheit Monate Überzeugungsarbeit kosten, sich auf dieses Projekt einzulassen und noch mal Jahre, um ein Konzept vorzubereiten und fachliche Schulungen zu durchlaufen.

In der Geschwister-Scholl-Schule hingegen liegt ein passendes Konzept schon vor und die Lehrer setzen es im Rahmen der bestehenden Möglichkeiten bereits um.

Wie soll der zukünftige Schulort Leimen aussehen? Schwebt der Gemeinde ein Schul-Campus vor für etwa 1000 Kinder, von der 5.Klasse bis zu der 10.Klasse, die alle zusammen in einer großen Gemeinschaftsschule unterrichtet werden?

Soll dann über kurz oder lang auch die Grundschule auf diesem Campus angesiedelt werden, weil die bestehenden Grundschulen sich in alten Gebäuden befinden, die renoviert werden müssen, und das Land Neubauten besser bezuschusst?

Ich denke, dass bei so einer großen Zahl der Schüler es den Lehrern nicht mehr möglich sein wird alle Schüler zu kennen. Das gezielte Eingehen auf die Besonderheiten und das gezielte Fördern jedes einzelnen Schülers wird nicht gegeben sein. Aber ist denn nicht genau das eines der Ziele der Gemeinschaftsschule?

Eine Gemeinschaftsschule zeichnet sich durch eine enge Beziehung zwischen den Schülern, den Eltern und den Lehrern aus. Wie kann aber diese enge Beziehung aufgebaut werden, wenn die Gemeinschaft so groß ist?

Wer von uns in großen Betrieben arbeitet, weiß ganz genau, dass diese Vorstellung utopisch ist.

In der Gemeinschaftsschule gibt es ja auch eine Mensa.

Bei 1000 Schülern, die in der Mensa täglich warme Mahlzeiten bekommen, wird in Schichten aufgetischt. Ich schätze, dass die Gesamtzeit der Mittagspause 1 ½ Stunden nicht überschreiten wird. Daher wird die Zeit, die unsere Kinder zum Anstehen bei der Essensausgabe und zum Essen selbst wohl so knapp sein wie in einer Bundeswehrkaserne.

Ich als Mutter, und mit dieser Meinung bin ich nicht alleine, hätte einfach Angst, dass jüngere Kinder in so einer großen Menge zu kurz kommen.

Bei der so großen Anzahl Schüler, die wir in Leimen haben, wäre in meinen Augen eine Lösung mit zwei etwas kleineren, dafür aber übersichtlicheren Schulen, in denen von der 1.Klasse bis zu der 10.Klasse unterrichtet wird, eine bessere. Dann gäbe es für die Eltern auch die Wahl zwischen einem Ganztags- oder einem Halbtagsangebot für ihre Kinder.

Nun ist aber die Entscheidung gefallen zu warten, zu schauen…

Und in dieser Zeit, in diesen Jahren des Wartens, bleibt den Kindern aus Familien mit Migrationshintergrund,

den Kindern aus Familien mit schwierigem sozialen Umfeld die Förderung versagt, die sie gut brauchen könnten für die Zukunft.

Weiterhin bleiben die Kinder auf der Strecke, die zuhause keine Unterstützung bei Hausaufgaben bekommen.

Familien mit ganztags berufstätigen Eltern und die Alleinerziehenden müssen weiter im Spagat balancieren, um den Kindern Teilnahme an sportlichen, musikalischen oder künstlerischen Angeboten zu ermöglichen und gleichzeitig das Arbeitspensum zu bewältigen.

Ich finde die Haltung der Stadt Leimen uns, Bürgern dieser Stadt, gegenüber enttäuschend.

Die Stadt profitiert von der Lohnsteuer, die wir zahlen, hat Einnahmen aus der Grundsteuer, die wir entrichten etc.

Wir bauen hier Häuser und kaufen hier Wohnungen, um mit unseren Familien hier zu leben.

Da schuldet uns die Stadt, finde ich, ein gutes Bildungsangebot, welches unseren Bedürfnissen angepasst ist, damit wir weiterhin gerne in dieser Stadt leben.

Tatjana Steger, Elternbeirat der Geschwister-Scholl-Schule  und weitere 231 Eltern, Großeltern und einfach nur Menschen dieser Stadt…

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