Mit dem Diljemer Nachtwächter von die alt Hauptschdrooß zu de alt Fawarik

Jürgen Steinbächer

Helga Bender

(fwu – 22.3.23)  Nachtwächter Jürgen Steinbächer schlenderte in passender Tracht durch die Diljemer Straßen, begleitet von einer Glocke und einem Bollerwagen. Mehrere Stadtteilvereins-Mitglieder, angeführt von Vorsitzender Helga Bender, begleiteten ihn auf seiner Reise in vergangene Zeiten – ebenfalls in Kostümen gehüllt.

Rudi Sailer sorgte mit seinem Akkordeon für die Musik zwischen den einzelnen Wortbeiträgen. Die Nachtwächterwanderung und Führung begann am letzten Samstag auf dem Aegidiusplatz, gegenüber der alten Diljemer Schmiede und war mit circa. 60 Teilnehmern sehr gut besucht.

Elly Weißbrod

Die meisten von ihnen gehören zum Diljemer „Inventar“ und sind seit Generationen quasi „Ureinwohner“, für die die Wanderung auch eine Zeitreise in die eigene Vergangenheit und Jugend war. Und diese Zeitreise konnte, wie bei der ältesten Teilnehmerin Elly Weißbrod, fast ein Jahrhundert zurückreichen! Sie wird dieses Jahr bereits 90 Jahre alt.

Alte Schmiede, Schuhmacherei, Kolonialwaren-Laden

Elly Weißbrods Sohn Harald war denn auch der Erste, der über die vergangenen Zeiten berichtete. Und zwar über die alte Schmiede in der einst zwei Essen betrieben wurden. Auch ein Foto von einer Szene in der ein Pferd neu beschlagen wird, hatte dabei. Anschaulich beschrieb er das frühere Leben in und um die Schmiede und bei manchen Namen von früher, die er nannte, fühlten sich viele Teilnehmer Jahrzehnte zurückversetzt. Weißt Du noch …? Der Ochsen-Ottl? Viele solch kleiner Anekdoten füllten seinen kurzweiligen Vortrag.

Der Sohn des ehemaligen Schuhmachers Sailer erzählte, wie es damals in der Schuhmacherei ausgesehen hat, wie der Handwerksbetrieb betrieben wurde und wie er als junger Bub per Zug und Straßenbahn nach Heidelberg fuhr, um dort Schuhe zu kaufen.

Es war dann an Gabriele Zinke, vom ehemaligen Kolonialwaren-Laden in Dilje zu erzählen. Über den Wandel in seinem Angebot im Laufe der Jahrzehnte seines Bestehens und über sein Ende, das durch die ab den 70er Jahren entstandenen Supermärkte und Discounter besiegelt wurde.


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Hauptstraße 13 – Gscherr-Kiwla

Gabriele Herb berichtete nach Angaben von Ernst Saladin über ein weiteres ehemals dorfbildprägendes Gebäude. Die Geschichte  der Theodor-Heuss-Straße 19, ehemals Hauptstraße 13, reicht zurück bis ins späte 19. Jahrhundert, als es als Zigarrenfabrik mit einer Werkmeister-Wohnung erbaut wurde. Im Jahr 1932/33 erwarb Johannes Kübler, der Schwiegervater von Ernst Saladin und Vater seiner Frau Renate, das Haus im Alter von nur 26 Jahren. Er modernisierte die Werkmeisterwohnung, erneuerte das Dach und fügte zwei Gauben hinzu. Zur gleichen Zeit wurde er zum Bürgermeister von St. Ilgen ernannt.

Der vordere Teil des Hauses wurde an die Gemeinde verkauft und das Gebäude hatte bis 1946 verschiedene Nutzungen. Das Tabaklager im Dachgeschoss wurde zur Hopfendarre umgebaut und die Sparkasse zog ins Erdgeschoss ein, wo sie bis 1942 blieb.

Auch der Fabriksaal hatte in dieser Zeit ganz unterschiedliche Funktionen. Es war einst das Parteiheim der NSDAP, HJ, BDM und KDF. Ab 1939 nutzten die Wehrmacht und OT es als Schreibstube und nach dem Krieg diente es als Notunterkunft für die ersten Heimatvertriebenen. Die Gemeinde baute es nach 1950 zu einem Wohnhaus um, aber bei den alten Diljemer Bürgern ist es immer noch als „Partei-Heim“ bekannt.

Unter Bürgermeister Herbert Ehrbar kaufte Herr Kübler das Vorderteil zurück und baute es zu einem Ladengeschäft aus, das als Gscherr-Kiwla oder Eisen-Kiwla in St. Ilgen bekannt war. Hier gab es alles, von modernem Kaffeeservice bis hin zu Küchenmessern, Spaten, Schrauben und Nägeln. Seit 1997 ist Jürgen Saladin, der älteste Sohn von Ernst, der neue Eigentümer und hat es grundsaniert. 

Kirchplatz

Dr. Karl Peter Herb berichtete über die Situation der katholischen Kirchengemeinde und der lokalen Bebauung rund um die Aegidiuskirche. In den 1950er Jahren befand sich die Katholische Kirchengemeinde St. Ilgen inmitten von zwei Bauernhöfen. Der Vorplatz der Ägidiuskirche, wie wir ihn heute kennen, war damals bei weitem nicht so ansprechend gestaltet.

Vor 850 Jahren, bei der Gründung des Klosters St. Ägidius, war die Klosterkirche zwangsläufig von vielen notwendigen Wirtschaftsgebäuden umgeben. Nach der Auflösung des Klosters gelangten diese Gebäude in Privatbesitz und wechselten im Laufe der Zeit mehrmals den Eigentümer. Zuletzt wurden die beiden Bauernhöfe in unmittelbarer Nähe der Kirche von den Brüdern Rudolf und Jakob Schneider bewirtschaftet.

Die Kirche war lediglich über einen schmalen Fußweg von der ehemaligen Hauptstraße aus erreichbar. Nur wenige Meter vor dem Haupteingang der Kirche befanden sich Stallungen und direkt vor der Kirche ein großer Misthaufen, was natürlich zu unangenehmen Gerüchen führte. Ein besonderes Ärgernis bestand jedoch darin, dass im oberen Bauernhof der Gemeindefarren (der Zuchtstier der Gemeinde) untergebracht war. Seine Hauptaufgabe bestand darin, alle Kühe von St. Ilgen zu besamen, was häufig geschah, sogar an Sonntagen.

Oft störten das Brüllen des Stieres und der Kühe die Andacht der Gläubigen während der sonntäglichen Gottesdienste und lenkten ihre Gedanken ab. Nach mehreren Versuchen gelang es schließlich im Jahr 1960, den oberen Bauernhof zu erwerben und abzureißen Doch erst weitere 50 Jahre später wurden auch die Gebäude des unteren Bauerhofes abgerissen und der heutige großartige Kirchenvorplatz konnte geschaffen werden.

Anwesen Braun

Gabriele Herb berichtete über die Entwicklung des Anwesens Braun, neben der Alten Fabrik und führte aus, dass an dieser Stelle einst das Haus der Großeltern von Ernst Saladin stand. Die Familie seiner Mutter, Katharina Braun, lebte hier und wurde aufgrund der vielen Braun-Familien in St. Ilgen als „s’Eckbraune“ bezeichnet, da sie an der Ecke wohnten.

Das Wohnhaus mit Scheune und Garten befand sich am Anfang der Weberstraße, während sich auf der anderen Seite der Hauptstraße der Ziegenstall, ein Schopfen und die Backstubb befanden, die bis 1945 genutzt wurde. Der Ziegenstall wurde später zum Gemüseladen umgebaut und der Schopfen zum Wohnhaus. Die Diljemer Bürger nannten die Familie fortan „Braune Ottel“ oder „der Ixi Ottel“. In den 70er Jahren wurden alle Gebäude abgerissen und der heutige Boule-Platz entstand.

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