Mit dem Kreisforstamt durchs Jahr
Neue Serie, Teil 1: Die Holzernte

(Fotos Landratsamt RNK) Der Vollernter bringt mithilfe des Greifarms die Bäume sicher und kontrolliert zu Boden. Das Entasten und Zuschneiden der Stücke folgt direkt darauf.

(rnk – 4.2.24) In einer neuen Artikelserie des Kreisforstamtes dreht sich alles um die Vielfalt unserer Wälder im Jahresverlauf. Dabei geht es um die Aufgaben eines Försters bzw. einer Försterin, um den Wald als Ökosystem sowie dessen Pflege und Entwicklung. Einmal im Monat berichtet das Kreisforstamt über eine für den jeweiligen Monat typische Arbeit von Försterinnen und Förstern sowie Waldarbeiterinnen und -arbeitern. Der erste Teil der Serie führt nach Wiesenbach und Schönbrunn, wo es um zwei unterschiedliche Holzernteverfahren geht.

„Holzhauerei ist Wintergeschäft“, das lernen angehende Försterinnen und Förster bereits während des Studiums. Jetzt, wenn es draußen kalt ist und die Laubbäume keine Blätter mehr haben, ist die Zeit der Holzernte gekommen. Durch die niedrigen Temperaturen ist das geerntete Holz länger haltbar, da es weniger anfällig für Pilz- und Insektenbefall ist. Baumarten wie Buche, Eiche, Ahorn und Linde führen im Herbst und im Winter außerdem weniger Wasser im Stamm. Ein weiterer Grund ist die Arbeitssicherheit, denn ein Baum ohne Blätter ist deutlich leichter als einer mit belaubter Krone. So können die Waldarbeiterinnen und Waldarbeiter den Baum sicher zu Fall zu bringen, ohne Schäden an benachbarten Bäumen zu hinterlassen oder sich selbst in Gefahr zu bringen.

Bäume können entweder per Hand oder mit einer speziellen Maschine geerntet werden. Beide Verfahren nutzen eine Motorsäge, wobei sie bei der motormanuellen Variante per Hand bedient und bei der mechanisierten Variante per Knopfdruck aus der Fahrzeugkabine eines Vollernters gesteuert wird. Welches Verfahren bei einer Waldpflegemaßnahme zum Einsatz kommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Förster und Försterinnen müssen zwischen Pfleglichkeit, Arbeitssicherheit, Wirtschaftlichkeit und anderen Aspekten abwägen. Dabei berücksichtigen sie auch die Gegebenheiten vor Ort wie die vorkommenden Baumarten, deren Alter, die Eigenschaften des Waldbodens und das Gelände.

Verzicht auf große Maschinen in Wiesenbach

Für die Holzerntemaßnahme in Wiesenbach hat Förster Fabian Ernst die motormanuelle Variante ausgewählt. „Die Böden hier sind teilweise sehr nass und empfindlich, deswegen verzichten wir bei der Ernte der Bäume bewusst auf große Maschinen. Außerdem können die Waldarbeiter die Bäume so genau und zielgerichtet fällen, dass die in den Startlöchern stehenden jungen Bäumchen nicht beschädigt werden“, begründet er seine Wahl. Ein weiterer Grund ist die besonders hohe Qualität einzelner Bäume. Mit der Hand können die Waldarbeiter die Motorsäge feiner und präziser bedienen, sodass der Stamm bei der Ernte und Entastung nicht beschädigt wird.

In Schönbrunn haben sich Försterin Nina Stadtmüller und ihr Kollege Klaus Berberich für ein anderes Holzernteverfahren entschieden. „Wir arbeiten hier im Auftrag verschiedener Waldbesitzer entlang der Straße. Die Fichten stehen alle ziemlich dicht beieinander, oft hängen die Kronen ineinander und behindern sich gegenseitig beim Fallen. Hängengebliebene Bäume stellen eine große Gefahr dar und sind nur sehr schwer zu Boden zu bringen“, erklärt Försterin Stadtmüller.

Vollernter in Schönbrunn

Beim motormanuellen Holzernteverfahren führt der Waldarbeiter die Baumfällung, Entastung und das Einschneiden in Sortimente mit der Motorsäge per Hand aus.

„Der Sicherheitsaspekt spielt bei der Holzernte immer eine wichtige Rolle; bei dieser Maßnahme fällt er besonders ins Gewicht. Daher kommt hier der Vollernter zum Einsatz. Mensch und Maschine arbeiten dabei zusammen, wobei die Maschine den Waldarbeitern einige Arbeitsschritte abnimmt. Dadurch können wir pfleglicher und effizienter arbeiten. Das war auch den Waldbesitzern wichtig“, so Stadtmüller weiter. Mit Hilfe eines Krans, an dessen Ende sich ein flexibles Greifaggregat mit einer per Knopfdruck steuerbaren Kettensäge befindet, kann der Vollernter die Bäume am Stammfuß packen und zielsicher zu Fall bringen.

Bleibt ein Baum in der Krone eines anderen Baumes hängen, kann der Vollernter mit dem Greifarm „nachhelfen“.  Durch sogenannte Vorschubwalzen wird der geerntete Stamm durch die Entastungsmesser geschoben, um die Äste vom Stamm zu trennen. Mit der Kettensäge werden die Trennschnitte vollzogen; der erste Schnitt erfolgt meist dort, wo die Krone des Baumes anfängt. Zusammen mit den Ästen bleibt sie als Biomasse im Wald zurück. Aus dem restlichen Stamm macht der Vollernter mehrere Abschnitte, die zum Waldweg gebracht werden. Die etwa fünf Meter langen Teilstücke lassen sich mit dem Kran besser bewegen als ein ganzer Stamm und verringern so das Risiko, dass andere Bäume gestreift und beschädigt werden. Aus Sicht der Forstfachleute hat sich die teilmechanisierte Variante in den fichtendominierten Wäldern Schönbrunns und Umgebung bewährt. 

Doch bis das geerntete Holz weiterverarbeitet werden kann und letztendlich als Balken, Bretter, Möbelstück, Musikinstrument oder Fußboden in unsere vier Wände gelangt, muss es für den Transport und Verkauf ans Sägewerk oder den Holzhändler fertiggemacht werden. Wieso bei dieser Arbeit die Zahl Pi eine große Rolle spielt und der Förster seinen „Röntgenblick“ nutzen muss, stellt das Kreisforstamt im nächsten Teil der Serie „Mit dem Kreisforstamt durchs Jahr“ vor.


Hintergrund zur neuen Serie

Unsere Wälder sind Heimat für unzählige Tier- und Pflanzenarten, sie nehmen Kohlenstoffdioxid auf, binden Kohlenstoff langfristig und spenden Sauerstoff. Vielen Menschen ist der Wald ein Ort der Erholung; gleichzeitig ist er ein nicht wegzudenkender Wirtschaftsfaktor und Arbeitsplatz für viele Menschen. Während das Multitalent Wald diese und noch viele andere Ökosystemdienstleistungen erbringt, steht er in ständiger Wechselwirkung mit seiner Umwelt und verändert sich unter dem Einfluss der Jahreszeiten.

Försterinnen und Förster sind stets darauf bedacht, sich an den natürlichen Prozessen im Wald zu orientieren und sie zu unterstützen. Das Frühjahr bietet zum Beispiel die Möglichkeit, neue Bäume zu pflanzen. Im Sommer bauen Waldarbeiterinnen und Waldarbeiter Tische und Bänke aus Holz, damit Waldbesuchende während ihres Spaziergangs einen Platz zum Rasten finden. Die Aufgaben und Arbeiten im Wald sind so vielfältig wie die Wälder selbst.

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