Neue Impf-Priorisierung: Von „jetzt berechtigt“ zu „geimpft“ in nur 45 Stunden

(fwu – 11.3.21) Disclaimer: Der nachfolgende Bericht beruht auf rein subjektiven Erfahrungen und ist nicht allgemeingültig.


Nachdem es sehr viele Klagen über fehlenden Impfstoff, schlechte Organisation, Schwierigkeiten bei der Terminvergabe und Abweisungen trotz Termin in der Printpresse und den sozialen Medien gab, habe ich – Fritz Uthe, Herausgeber von Leimen-Lokal, den „Selbstversuch“ unternommen.

Seit kurzem gehöre ich zu der nächsten Gruppe der Impfberechtigten, nach den bisher an der Reihe befindlichen über 80jährigen. Ohne besonders viel Hoffnung (nach all den veröffentlichten schlechten Nachrichten zum Thema) rief ich am letzten Montag um 14.25 Uhr die Terminvergabeseite auf, um einen Impftermin zu buchen.

Ohne Wartezeit (!) im sogenannten virtuellen Warteraum wurden die Daten des Impflings online per Eingabemaske erfasst. Die Email wurde verifiziert und dann ein Vermittlungscode per Mail zugesandt. In diesem befand sich der Button „Termine Buchen“. Ungläubiges Stauen. Echt jetzt? Es gibt eventuell Termine?

Nach dem Anklicken des Buttons wurden gleich fünf Termine für Erst und Zweit-Impfung zur Auswahl angeboten. Verblüffend! Einfach so. So, wie man es (als Optimist) erwartet. Allerdings gab es eine Hürde: Es war einfach nicht möglich, einen Erst- und Zweittermin zu buchen. Nach dem Klick auf  den Wunsch-Erst-Termin löschte der Klick auf den Wunsch-Zweit-Termin den Ersttermin wieder und vice versa.

Doch dann die Erkenntnis des „Super-Users“! Es sind jeweils Termin-Paare und man kann nur ein Paar gemeinsam auswählen und nicht zwei Einzeltermine. Das verstanden und und dann <buchen> drücken ging dann und schon kam die Terminbestätigung für Erst- und Zweittermin per Mail. Ersttermin bereits 44 Stunden später – am Mittwoch. Sogar der Impfstoff wurde bereits mit angeben.

Nun gibt es ja genügend Beschwerden über Nichtimpfung trotz Termin, wie auch der Pressemeldung des Landratsamtes zu entnehmen ist. Also Vorsicht. Mal kein überbordender Optimismus, bitte! Nun zum weiteren Gang der Ereignisse im Minutenprotokoll – vor Ort aufgenommen. Mein Impftermin: 10.3.2021 um 10.20 Uhr


Eingangsbereich Zentrales Impfzentrum im PHV in Heidelberg mit Warteschlange

10.05 Uhr – Ankunft Patrick-Henry-Village, ZIZ.  Es erfolgte eine Einfahrtkontrolle am Parkplatz – Terminbestätigung muss vorgezeigt werden.

Auto abstellen – reichlich Parkplätze vorhanden. Vor dem ZIZ stehen ca. 30 Personen wartend in Linie. Wie früher am Flughafen, nur nicht so viele. Und nicht so Fröhliche. Viele alte, gehbehinderte Personen mit Gehhilfe, Rollatoren oder im Rollstuhl. Schwerbehinderte. Aber auch jüngere Personen. Im Gebäude nochmal so viele.

10.21 Uhr – ZIZ Gebäude betreten, Händedesinfektion. Ab hier gilt Fotografierverbot – auch für die Presse. Ein entsprechender Akkreditierungswunsch wurde abgelehnt.

10.22 Uhr – Ein Soldat der ABC-Abwehrtruppe aus Bruchsal, im Barras-Jargon Nato-Zebra genannt wegen der fünf Streifen auf dem Dienstgradabzeichen (OStG, Oberstabsgefreiter), prüft die erforderlichen Dokumente innerhalb von ca. 2 Minuten.

Danach in S-förmige Warteschlange mit 1,5 Meter Seitenabstand langsam weitergehen bis zur ersten Kabine, von denen es ein Dutzend nebeneinander gibt.

10.34 Uhr – Ein Bundeswehr-Hauptgefreiter (drei Schulterstreifen) erfasst die Daten des Personalausweises und den Grund der Impfberechtigung

10.38 Uhr – Eintritt in einen Videoraum, in dem ein Aufklärungsvideo laufen sollte/könnte. War wohl gerade Pause.

10.39 Uhr – Bitte weitergehen, Kabine ist frei! Ein ziviler Arzt füllt einen Stapel Formulare aus. Noch Fragen? Nein. Weitergehen.

Anschließend Warten vor der Impfkabine!

10.44 Uhr – Bitte Platz nehmen, wohin die Impfung? Links oder rechts? Dann Arm freimachen. Die Impfung erfolgt durch einen Medizinstudenten im 10. Semester im Ganzkörper-Kondom (Schutzanzug). DAS scheint also der „gefährlichste“ Teil des Ganzen gewesen zu sein. Alle anderen im ZIZ Arbteitenden hatte lediglich eine FFP-2-Maske auf.

Die Spritze selbst ist nur ein Mini-Spritzchen mit einer für alte Augen nahezu unsichtbaren Nadel. Den Einstich spürt man fast nicht.

10.45 Uhr –  Checkout 1 – nochmal kurzes Warten.

10.48 Uhr – Der Impfpass wird ausgefüllt.

Adios! Bitte noch Platz nehmen und eventuelle Impfreaktionen abwarten oder auch nicht. Da hinten geht es dann raus!


Die Erstimpfung wurde mit einem Gesamtzeitaufwand (ohne An- und Abfahrt) von 48 Minuten erledigt. Ab Beginn der Einschleusung, also ab dem Beginn des eigentlicheen Prozesse – in weniger als einer halben Stunde!

Die Organisation klappte wirklich einwandfrei und stressfrei. Alle Beteiligten waren freundlich und höflich (bei Hauptgefreiten muss man über Nachlässigkeiten hinwegsehen, die gehören wohl noch zum Dienstgrad).

Also insgesamt eine reife überzeugende Leistung. 

Dafür gibt fünf Sterne!


PS: Da es sich bei der Terminvergabe am Montag allerdings um unverschämtes Glück gehandelt haben muss, da mir das seitdem nicht wieder gelungen ist, werde ich am Wochenende Lotto spielen. Vielleicht ist es ja eine Serie. Sie wissen ja: Wenn’s läuft, läuft’s! Den allfälligen Hauptgewinn spende ich dann den hiesigen Vereinen (also Daumen drücken!).

Leider scheint dies die überwiegende Normalität zu sein – Der virtuelle Warteraum des Impfterminservice

 

 

 

 

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