Neuer Rückenwind für die Windkraft – Einladung zur digitalen Veranstaltung

(pm – 17.3.22) Neben der Klimakrise machen die aktuellen geopolitischen Entwicklungen deutlich: Eine zukunftsfähige Versorgung aus erneuerbaren Energien muss noch schneller vorangetrieben werden als bisher. Eine der wichtigsten Ressourcen ist der Wind.

Der Ausbau von Windkraft in der Region wird intensiv diskutiert und es gibt in vielen Kommunen bereits Aktivitäten. Dennoch steht im Rhein-Neckar-Kreis noch kein einziges Windrad.

Welche Planungen gibt es für die Region seitens des Landes? Was können wir aus den Erfahrungen anderer Landkreise lernen, die schon seit vielen Jahren in dem Thema aktiv sind? Wie profitieren Bürger*innen vor Ort und wie gefährlich sind Windräder wirklich für Vögel, Fledermäuse und Co.?

Diesen Fragen auf den Grund gehen und mit den Teilnehmer*innen darüber diskutieren möchten am 31. März 2022 um 19:30 Uhr:

  • Landrat a. D. Bertram Fleck hat den Rhein-Hunsrück-Kreis zum Vorreiter der Energiewende gemacht. Zwischen 1990 und 2015 wurden dort insgesamt 278 Windkraftanlagen auf überwiegend gemeindeeigenen Flächen errichtet. Klimaschutz und regionale Wertschöpfung im ländlichen Raum gehen Hand in Hand.
  • Joachim Finkbeiner-Rinn ist Mitglied im BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland).

    Joachim Finkbeiner-Rinn


    Im BUND Regionalverband Rhein-Neckar-Odenwald und im Ortsverband Steinachtal beschäftigt er sich mit den Themen Energiewende und Artenschutz. In dieser Rolle hat er sich auch mit den Auswirkungen von Windkraftanlagen auf die lokale Fauna beschäftigt.
  • Hermino Katzenstein MdL berichtet über die vielfältigen Aktivitäten und Maßnahmen auf Landes- und regionaler Ebene, um die Windkraft in der Region zu fördern.
  • Der B90/ Grüne Kreisverband Odenwald-Kraichgau und Hermino Katzenstein MdL als Abgeordneter vor Ort laden alle Interessierten herzlich zum Teilnehmen und Mitdiskutieren ein. Die Veranstaltung findet digital statt,  weitere Infos, aktuelle Termine und Einwahldaten unter KV Odenwald-Kraichgau.

Hintergrund

Landrat a.D. Betram Fleck

Klimaschutz, Energiewende und regionale Wertschöpfung bilden eine Einheit – Motoren für  eine nachhaltige Regionalentwicklung am Beispiel des Rhein-Hunsrück-Kreises,
Zusammenfassung der Vortragsinhalte: Bertram Fleck, Landrat a.D. Rhein-Hunsrück-Kreis, Stand 2021
 
Klimaschutz , Erneuerbare Energien und regionale Wertschöpfung gehören zusammen und bilden eine Einheit. Wenn Kreise und Kommunen ihre Schlüsselrolle und Aufgabe als geborene und strategische Partner von Bund und Ländern beim Ausbau der Erneuerbaren Energien wahrnehmen, entstehen Erfolgsgeschichten für ganze Landstriche und Regionen. Dass dies grundsätzlich und überall in Deutschland ohne großen Personaleinsatz möglich ist, eröffnet gerade in strukturschwachen ländlichen Räumen neben der Eindämmung der Klimakrise ganz neue Chancen für die Regionalentwicklung. Heute gibt es im Gegensatz zu den Anfangsjahren große Erfahrungswerte, Austauschmöglichkeiten und unzählige best-practice-Beispiele. Jeder kann deshalb ohne Probleme mitmachen.

Anhand des Beispiels des in Rheinland-Pfalz gelegenen Rhein-Hunsrück-Kreises ( rund 103000 Einwohner, verteilt auf 137 Gemeinden und Kleinstädte, 75 % unter 500 Einwohner, 45 % Waldfläche, 42 % landwirtschaftliche Fläche) soll gezeigt werden, wie ab dem Ende der neunziger Jahre Schritt für Schritt mit einer nachhaltigen strategischen Ausrichtung, einem Klimaschutzkonzept und einem agilen Klimaschutzmanager nebst vielen Kooperationspartnern eine Erfolgsgeschichte für die Wohlstandsentwicklung der Region begann.

Bis Mitte der neunziger Jahre gab es noch keine nennenswerte Produktion Erneuerbarer Energien, die Region gab jährlich ca 290 Millionen Euro für den Energieeinkauf aus ( Strom, Wärme, Verkehr)- heute kommen ca 29,5 Mio Euro abzuführende EEG-Umlage dazu – und hatte mit ökonomischen Schwächen zu kämpfen.  Starke Aktivitäten wurden in folgenden Bereichen gesetzt:   Gebäudesanierung/Energiecontrolling/Energieeffizienz ab 1999 ( bis zum Energie-Plus-Verwaltungsgebäude im Jahre 2009); ein außerschulischer Lernort für modernes Abfallmanagement und Erneuerbare Energien im Jahre 2000, ein ursprüngliches „1000 Dächer-Fotovoltaik-Programm“ und das erste Solarkataster in Rhld-Pfalz im Jahre 2010( erzielt wurden dann 2300 PV-Dächer und  inzwischen sind es nicht erwartete 5245 Einheiten);  18 Biomasseanlagen von Landwirten; 18 Nahwärmeverbünde in kleinen Gemeinden ab 2006 ( davon drei in Schulzentren des Kreises im Jahre 2009, mit Baum-und Strauchschnitt aus 120 Dorfsammelplätzen  betrieben); 278 Windkraftanlagen auf überwiegend gemeindeeigenen Flächen, schwerpunktmäßig errichtet von 1990 bis 2015 ; der Verkauf von Bürgerstrom durch die Rhein-Hunsrück-Energie seit dem 1.7.2019 und zahlreiche ganz verschiedene Energiesparkampagnen ( 2012/2013 Kühlschränke, Heizungsumwälzpumpen; viele Glühbirntauschtage organisiert von Ortsgemeinden). 

Gerade wurde für 19 Mio Euro durch die Rhein-Hunsrück-Entsorgung  eine  Biogutvergärungsanlage für die ca 15000 Tonnen Küchenabfälle errichtet, aus denen ca 4,6 Mio kwh Strom überwiegend zur Einspeisung ins Netz und ca 10000 cbm Flüssigdünger für die Landwirtschaft gewonnen werden (die schwierigen und langwierigen  Verhandlungen in den Jahren 2011 bis 2015 zunächst mit dem nördlichen Rheinland-Pfalz und später nur mit direkten Nachbarn für eine größere Verbundlösung waren  leider gescheitert und so wurde noch 2015 eine Einzellösung angestoßen).
Auch im Verkehrssektor setzt der Landkreis Akzente: mit der ersten Elektrotankstelle im Kreis im Jahre 2011 und zwei E-cars als Dienstwagen; seit 2018 mit einem neuen Projekt mit E-Car-Sharing auf dem Land zunächst für einen Zeitraum von drei Jahren. In sieben Ortsgemeinden wird für die Bürger für ein Jahr je ein kostenloses Elektroauto vom Kreis zur Verfügung gestellt, danach kommen 7 neue Gemeinden in den Genuß (inzwischen  sind weitere 20 E-Cars geordert).

In der Summe  gelang etwas ganz Seltenes: die Region ist in den Bereichen Wärme, Strom, Abfall bilanziell Null-Emissions-Kreis (früher 680000 Tonnen CO2) und produziert heute mit ca 1,57 Milliarden kwh Strom aus Erneuerbaren Energien 337%, mehr als das Dreifache, des eigenen Stromverbrauchs. Früher hat der ländliche Raum die Lebensmittel für die umliegenden Großstädte erzeugt. Im Zeitalter der dezentralen Energieerzeugung produziert der ländliche Raum nun auch die Energie für die umliegenden Ballungszentren.

Die öffentliche Verschuldung liegt bei nur zwanzig Prozent des Landesdurchschnitts und die Gemeinden haben 99 Millionen Euro Rücklagen, die sie für Zukunftsprojekte einsetzen können. Die jährliche regionale Wertschöpfung aus der Installation der Erneuerbaren beträgt dank der guten Kooperation und eines wunderbaren Netzwerkes aus Kreis, Kommunen, Genossenschaften, Privaten, Landwirten und Gewerbe schon seit Jahren  ca 44 Millionen Euro, ein Wirtschaftsförderungsprogramm für mindestens 20 Jahre, das Seinesgleichen sucht.

Dazu gesellt sich in den letzten 15 bis 20 Jahren der einmalige regionale Anteil an der Investition der Anlagen mit einem Auftragsvolumen von 106 Millionen Euro, der vor allem dem Handwerk zugute kam. Wo noch Mitte des 19. Jahrhunderts tausende Einwohner wegen der Hoffnungs-und Perspektivlosigkeit nach Brasilien auswandern mussten, gibt es inzwischen zahlreiche Gemeinden ohne Leerstände, keine freien Bauplätze mehr, in Städte ausgewanderte Einheimische kehren zurück. Tausende Besucher aus über 54 Nationen- neulich sogar aus Fukushima – haben sich schon vor Ort umgeschaut, um Anregungen für Aktivitäten in ihren Heimatregionen mitzunehmen, wie wir es auch in vielen Gegenden Deutschlands gemacht haben.

Für viele finanzschwache Gemeinden ergibt sich darüber hinaus eine interessante Verknüpfung von Einnahmen aus Erneuerbaren Energien mit Maßnahmen der Daseinsvorsorge im Sinne der Quersubventionierung. Der Ausbau einer alten Schule zu betreuten Wohnungen, der großzügige Neubau eines Kindergartens, besondere Förderung der Vereine, eine bessere DSL-Anbindung, die Anlage eines Naturerlebnis-Raumes, die Einrichtung eines Bürgerbusses, Car-Sharing mit Elektroautos durch Gemeinden oder auch die kühne Hängeseilbrücke in Mörsdorf (das Dorf und das Umfeld werden zur Zeit durch den Besuch von jährlich über 200000 Touristen „wiederbelebt“) wären ohne die Einnahmen aus Erneuerbaren Energien nicht möglich gewesen und helfen den negativen Folgen der demographischen Entwicklung entgegen zu wirken. Allein die Pachteinnahmen der Ortsgemeinden für die Windkraftflächen betragen 7,8 Mio Euro.

Der Erfolg beruht auf überparteilicher Arbeit, einem Gemeinschaftswerk vieler Mitwirkender: ua Klimaschutzmanager Uhle, Thomas Lorenz als Vorstand der Rhein-Hunsrück-Entsorgung, agile Ortsbürgermeister, Genossenschaften, Handwerker, Banken, Schulen, Verbraucherberatung und der gelungenen Einbindung der Bürgerinnen und Bürger, der Energieagentur in Mainz und Berlin.
Zahlreiche Preise auf Landes-,Bundes- und Europaebene würdigten die Erfolge dieses Kooperationswerkes, zuletzt wurde der Rhein-Hunsrück-Kreis im Jahre 2018 unter 120 Mitstreitern durch eine Jury der Agentur für  Erneuerbaren Energien in Berlin als „Energiekommune des Jahrzehnts“ ausgezeichnet.


Mit (pm – Datum) als Redaktionskürzel versehene Artikel sind Pressemitteilungen (pm) von Parteien oder Organisationen, die wir i.d.R. als ungekürzter und uneditierter Originaltext veröffentlicht. Sie geben nicht die Meinung der Meinung der Redaktion wieder. Die obige PM wurde von Bündnis 90/Die Grünen zur Veröffentlichung an Leimen-Lokal gesandt.


 

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