Neugierig auf „Fusion Cooking“: Konfusion am Anfang – Überzeugend am Ende

Am Anfang stand das große Fragezeichen. Was soll denn bitte „Fusion Cooking“ sein? Wieder so ein Begriff, mit dem der „normale“ Zeitgenosse nichts anfangen kann. Also fragten wir das Internet und erfuhren im Szenesprachenwiki (ja, das gibt´s wirklich!):

„Bedeutung: Fusion Cooking: Kultureller Remix – Verschmelzen von europäischer, karibischer, indischer und asiatischer Küche, oder generell das Phänomen, dass verschiedene scheinbar nicht zusammen passende Zutaten in einem Gericht verarbeitet werden.“

Aha! Das kennen wir doch von der eigenen Schnell-Küche ohne vorherige Konsultation des   Kochbuches: Alles rein in die Pfanne, würzen nach Laune und überraschen lassen. Und diese Freestyle-Kocherei gibt´s nun also „offiziell“ im Restaurant. Spannende Fragen stellen sich: Werden dem Koch die Augen verbunden, während er nach dem Zufallsprinzip in die Zutatentöpfe greift? Oder wie soll das funktionieren? Das müssen wir uns einfach mal ansehen! Also auf zu Fody´s im Bäderpark Leimen. (und hier das Video zum Bericht)

Fusion Cooking Manual

Platznehmen, „Fusion Cooking“ bestellen und abwarten. Als Erstes bringt die Bedienung mit den Getränken die „Bedienungsanleitung“ als Papierunterlage für die ebenfalls mitgebrachte, leere Schüssel mit aufgesteckter Wäscheklammer (!). Das wird ja immer kryptischer. Auf der Unterlage steht die Tischnummer, die sich auch auf der Wäscheklammer wiederfindet. Toll! Nur der Hunger geht von dieser leeren Schüssel nicht weg. Das „Fusion Cooking“ Handbuch auf der Unterlage sagt, man solle sich das eigene Lieblingsgericht zusammenstellen und es an den Koch übergeben…

Wir wollen das erst einmal vorsichtig in Augenschein nehmen und gehen zum Büffet. Fangen wir doch einmal mit einen Salat an. Die Zutaten ganz am Anfang des Buffets sehen ja frisch und lecker aus. Also ein bißchen „Rohkost“ auf den Teller und weiter … vorbei an der Fisch- und Fleischtheke (gehört wohl nicht zum Salat…) – wo sind die Dressings? Hups … da ist ja noch eine Salattheke. Ebenfalls mit allen Salaten, weiteren Leckereien (Nüsse!) und den Dressings! Egal, Salat ist Salat, also Dressing auswählen und nehmen und das Buffet weiter besichtigen.

Fusion-Cooking - Gespannte Testesser

Da kommen noch Nudeln und Nachtische und gegenüber die gläserne Kochzelle (mit Koch) und einigen Körbchen mit den schon bekannten Wäscheklammern, diesmal in bunt. Jede Farbe steht für eine Soße. Asis-süß-sauer, Rahmsoße, Barbecue-Soße, Kokosnuss- und Zitronengrassauce. Wir gehen erst einmal zurück an den Tisch um die weitere Aufgabenstellung beim Salat zu diskutieren. Wir kommen zum Ergebnis, daß man wohl die leere Schüssel mit der Wäscheklammer nimmt, nach Belieben befüllt, damit zum Koch geht und dann … fragt, wie´s weitergeht. Dieser Plan scheint gut!

Also „Schüssel marsch“ und auswählen: Lamm oder Rind, Pangasiusfilet oder Shrimps, Schwein oder Pute? Oder von Allem etwas – sozusagen die volle Fusionsbreitseite? Das ist wirklich spaßig! Nur: was passt zu wem?

Pangasiusfilet  mit Pilzrahmsoße für die Dame? Lamm mit süß-sauer-Sauce und Erdnüssen für den Herren? Zwiebeln und Knoblauch zu Shrimps für die Kinder? Zur Vorsicht nehmen wir erst einmal eine kleine Portion wild zusammengestellter Zutaten und gehen zur Kochzelle (mit Koch). Die Saucenauswahl erfolgt per bunter Platik-Wäscheklammer, die man an die (jetzt gefüllte) Schale heften soll, die aber immer ganz lustig wieder in die Höhe springt und partout nicht dranbleiben will. Die Holzwäscheklammer mit der Tischnummer hingegen hält. Also Klammer auf Klammer stecken und vorsichtig dem Koch zuschieben in Erwartung seiner Reaktion. Wird er bleich zu Boden sinken wenn er unsere „Fusions-Kreationen“ sieht? Wird er tobsüchtig, ob der Zusammenstellungsorgien der Gäste? Und woher bekommt man eigentlich Beilagen?  Lesen Sie weiter in Teil 2 unserer spannenden Fusion-Cooking-Fantasia-Kreationen Geschichte …

Teil 2 – Die gläserne Fusionskammer

Für jeden Geschmack die richtige Sauce

Neben den Saucenschüsseln stehen noch zwei kleine Schüsseln mit Zettelchen: Darauf steht „Reis“ oder „Wedges“. So einen Zettel nimmt man nach Belieben und überlegt, wohin damit. Dank der analytischen und handwerklichen Fähigkeiten von Buchbindermeister Ortlieb finden wir auch hier eine Lösung: die Plastik- Wäscheklammer soll auch diesen Zettel festhalten! Das funktioniert sogar. Bravo!

Der leidgeprüfte (so vermuten wir) Koch nimmt in seiner Glas-Kochzelle die „Zutaten-Fusionen“ mit wohlwollendem Nicken entgegen und „schwups“ landet alles auf der Hitzeplatte wo es binnen weniger Minuten zubereitet wird. Wir schauen gebannt zu. So etwas kennt man eigentlich nur aus dem Urlaub: den Koch beim Zubereiten des eigenen Gerichts beobachten.

Alles kommt dann auf einen Teller – die geleerte Schüssel geht inzwischen zum Abwasch. Je nach Auswahl kommen die Sauce und Wedges oder Reis dazu und man kann das eigene Überraschungsmenü sofort selbst mitnehmen. Die Tischnummern-Holz-Wäscheklammer steckt am bereits wieder am Teller, bereit weitere Fusionsdurchgänge zu absolvieren.  Man kann auch nach der Abgabe der eigenen Fusionsschüssel direkt an den Tisch zurückgehen. Der fertige Gericht wird dann von einer Bedienung gebracht.

Nun zum spannenden Moment: Wie schmeckt die eigene Zusammenstellung? Immerhin wurden laut Wiki und unserer Zusammenstellung „verschiedene scheinbar nicht zusammen passende Zutaten in einem Gericht verarbeitet“. Wir hatten Glück und waren ja auch vorsichtig. Alles schmeckte, die Zutaten sind super, die Saucen auch. Und nun wissen wir, wie das „Fusion-Cooking“ System funktioniert und können über den nächsten Gang beraten. Zusammenstellung nach klassischem Kochbuchvorschlag oder eigene Neukreation? Der Phantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Und der Koch hält tatsächlich auch die wildesten Fusionen aus, da brauchen wir uns keine Sorgen zu machen. Nur den eigenen Magen sollte man nicht überstrapazieren: Ob auch der die wildesten Kreationen aushält, muß jeder für sich entscheiden.

Tatsache ist, die Auswahl ist wirklich sehr groß. Da sind für jeden Geschmack mehrere Gänge möglich. Dazu noch verschiedene Nachtische, Suppen, Salate. Mit ausreichend Zeit im Gepäck kann hier ein richtiges Erlebnisessen absolviert werden. Bei weniger Zeit kann man auch mit weniger Durchgängen und größeren Portionen glücklich werden. Unsere Testesser waren jedenfalls rundherum zufrieden und hatten zudem viel Spaß. Momentan etwas stimmungstrübend war lediglich der große Andrang im Restaurant, der das Personal gehörig in´s Schwitzen brachte und bei der Getränkeversorgung zu Wartezeiten führte. Die Fody´s Stellenanzeigen in der Presse zeigen jedoch, daß auch dieses Problem erkannt und hoffentlich bald gelöst ist.

Fazit: Fusion Cooking ist wirklich interessant und vergleichsweise preiswert. Für unter 15 € „all-you-can-eat“ auf diesem Niveau ist schon erstaunlich. Ob es schmeckt, hängt letztlich von der eigenen Auswahl und Zusammenstellung ab. Die Fusions-„Rohstoffe“ jedenfalls sind tatsächlich erstklassig. In jedem Fall ist Fusion Cooking ein Erlebnis und eine neue Bereicherung für die Leimener Gastro-Szene.

Die Fusion Cooking „One-Way“-Version kann im Vergleich zur „Vollversion“ nicht wirklich überzeugen. One-Way bedeutet da buchstäblich O-N-E Way. Also nur einmal hin zum Buffet und deshalb natürlich ohne das leckere Zubehörangebot wie Suppen, Salate und Nachtisch.

Fusion Cooking gibt es Montag – Samstag ab 18.00 Uhr und Sonn- und Feiertags ab 16.00 Uhr und nur im Fody´s Leimen (nicht in den anderen Fody´s Restaurants).

 

 

 

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