Opa Batos abenteuerliche Jugend – Der Anfang des Bösen

(fwu 15.4.21) Noch nicht freigegebene Fortsetzungsfolge der Geschichten von „Erich, die Ritterhummel“. Wer auch immer hierher  über die Domain www.Thymomenus.de gelandet ist, gehört zum wirklich exklusiven“Club“!

Freuet Euch … Ein weiteres …. Wird noch nicht verraten … ist aber in Arbeit!


Lange vor unserer Zeit, als die Goldglückwiese noch unentdeckt war und Erich, die Ritterhummel und der Schurke Diabolo weit davon entfernt waren, das Licht der Welt zu erblicken, fanden sich zwei Freunde, die unterschiedlicher nicht sein konnten. Die lebensfrohe Hummel Theo und die außergewöhnliche Spinne Thymomenus. Zu diesem Zeitpunkt wussten die beiden natürlich noch nicht, dass sie einmal steinalt werden und dass sie als Großväter Enkelkinder namens Erich und Diabolo haben würden.

Theo war eine sehr gerechte und herzensgute Hummel, für die das Wichtigste war, dass immer ein freundliches Miteinander herrschte. Insgeheim litt er immer ein wenig darunter, dass seine Flügel schon seit seiner Geburt kleiner und schwächer als die seiner Artgenossen waren und er deswegen nicht so schnell fliegen konnte. Doch durch den Sonnenschein in seinem Herzen ließ er sich dadurch nicht unterkriegen.

Thymomenus, eine kleine, ein wenig untersetzte und eher schüchterne Spinne, hatte auch eine Besonderheit. Denn er konnte leider keine Spinnennetze spinnen, da ihm eine Spinndrüse fehlte. So lebte Thymomenus immer mit dem Gedanken, anders als sein Umfeld zu sein. Er konnte nie, wie die anderen, an einem selbstgesponnenen Netz hoch und runter krabbeln und sein eigenes Mittagessen erbeuten. Daher bevorzugte Thymomenus vegetarisches Essen.

Eine Freundschaft entsteht

Eines Tages begegneten sich die beiden zufällig, ohne zu ahnen, dass sie gerade ihrem zukünftigen besten Freund gegenüberstanden. Theo war gerade dabei, Pollen und Nektar zu sammeln, als sich ihre Blicke kreuzten. Beide waren ganz neugierig, wem sie da gerade begegnet waren. Theo wunderte sich, dass eine Spinne mit ihren acht Beinen sich beim Krabbeln nicht verhedderte und nicht ständig ihre Beine sortieren musste. Thymomenus hingegen fragte sich, mit Blick auf die Hummel, wie es denn nur möglich sei, in der Luft zu schweben, wenn man so beleibt war und gar nicht nach Flieger aussah.

Die Scheu zwischen den beiden war schnell verflogen, als Theo die Spinne auf ein leckeres Mahl aus frisch gesammelten Pollen und Nektar einlud. Denn ohne es zu wissen, bot Theo Thymomenus sein Leib- und Magengericht an. Freundschaft geht eben auch durch den Magen. Von da an trafen sie sich jeden Tag und machten sich immer auf die Suche nach neuen Abenteuern.

Theo lebte mit seinen Eltern in einer gelben Kapuzinerkresse, in der er sogar seine eigene Blüte bewohnte. Hummeln bewohnen nämlich sehr gerne Pflanzen mit viel Blütenstaub. Den lebensnotwendigen Nektar können sie sich in der Umgebung besorgen und die Pollen gibt es dann direkt Zuhause.

Thymomenus lebte mit seinen Eltern und zahlreichen Geschwistern hingegen in einer Felswand am Rande der Wiese. An diesem schattigen Ort konnten sie nämlich sehr gut ihre Beute jagen. Thymomenus war das aber relativ unwichtig, da ihm andere Insekten gar nicht schmeckten.

Die beiden Freunde fanden ständig Gemeinsamkeiten, was ihre Freundschaft immer aufs Neue bestärkte. Häufig dachte sich der eine etwas, was dann der andere zur Verblüffung beider einfach aussprach – oft mussten sie herzhaft darüber lachen.

Die Wiese wird zu klein

Doch ihre Freude wurde getrübt. Die Wiese, auf der sie wohnten, wurde allmählich viel zu klein für ihre vielen Bewohner und wo man früher dem Zwitschern der Vögel lauschte, waren oft nur noch Streitereien unter Nachbarn zu hören. Das Summen und Schwirren der Insekten und das allabendliche Konzert der Grillen verstummte und wich einer Geräuschkulisse aus laustarken Streiter- und Zänkereien. Die Nahrung wurde allmählich immer knapper und die Wege, die die Bewohner deswegen zurücklegen mussten, wurden immer weiter und gefährlicher.

Die beiden Freunde litten unter diesen ständigen Streitereien und konnten es nicht länger aushalten, dass vielen Bewohner auf ihrer Heimatwiese die Lebensfreude fehlte. Daher begannen die Freunde nach einer Lösung zu suchen. Sie grübelten, grübelten und grübelten. Doch mit den rettenden Ideen war das nicht so einfach…

Leider fiel den beiden einfach nichts ein. So schlug Theo vor: „Wir suchen uns jetzt am besten eine spaßige Ablenkung und überlegen danach weiter!“ Thymomenus stimmte direkt zu und zusammen begaben sich die beiden auf die Suche nach ihrem nächsten Abenteuer: Theo fliegend und Thymomenus krabbelnd.

Ins Gespräch vertieft, achteten sie nicht auf ihren Weg. Nach einer Weile, als sie ausgiebig darüber sprachen, wie laut wohl ein Frosch quaken könne und welche Geräusche eine Libelle eigentlich machte, erkannten sie ihre Umgebung plötzlich nicht mehr. An diesem Ort waren sie noch nie zuvor gewesen. Thymomenus fand, dass es wohl die beste Lösung wäre, einfach sofort umzukehren, doch Theo bestand darauf, die neu entdeckte Umgebung genauestens zu erkunden. Seine Neugierde war größer als seine Angst und wo sie doch schon einmal da waren…

Eine tolle Entdeckung

Nach einigem Hin und Her entschied sich die ängstliche Spinne der Hummel zu folgen. Plötzlich konnten beide einen goldenen Schimmer über der nächstgelegenen Lichtung erkennen und konnten es kaum abwarten zu entdecken, was sich dort verbarg. Denn nun wurde auch Thymomenus Neugier angestachelt. Ob Theo seinen Facetten – oder Thymomenus seinen Punktaugen- als sie auf der Lichtung angekommen waren, konnten beide ihren Augen nicht trauen.

Was sich den beiden nämlich gerade offenbarte, war eine unberührte Wiese mit zahlreichen Bäumen, Bachläufen und Abertausenden von bunten Blumen. Die Wiese wurde von der Sonne beschienen und es schien fast so, als ob der Himmel golden scheinen würde. Die beiden hatten augenblicklich denselben Gedanken: „Hier können wir leben!“ Nun bemerkten die beiden auch, wie gut versteckt dieser Ort eigentlich war, denn er lag hinter riesigen Büschen und Sträuchern, die die unmittelbare Sicht versperrten. Die beiden versuchten, den Weg nach Hause zu finden. Nach einigen Umwegen erreichten sie schließlich ihren Heimatort und informierten alle Nachbarn über ihre unglaubliche Entdeckung.

Doch nicht alle waren so erfreut wie sie über ihre grandiose Nachricht, denn einige Kinder aus der Nachbarschaft machten sich lustig. Einige neideten ihnen wohl ihre Entdeckung. Einer von ihnen war der bösartige Rabe Kaugi. Bei ihm war auch sein Freund Pimpel, die Raupe, die Kaugi im Schnabel überall hin mitnahm. Die Bösewichte machten sich über Thymomenus lustig: „Der kann doch nicht mal ein Spinnennetz spinnen. Wie soll er denn dann einen neuen Wohnort für uns finden? Der ist doch noch nicht mal eine richtige Spinne! Die spinnt doch, die Spinne!! Die beiden lachten gehässig und bekamen sich gar nicht mehr ein.

Der Streit und Thymomenus verschwinden

Die Worte verletzten Thymomenus sehr. Auch Theo war wie erstarrt, da er mit so viel Bosheit nicht gerechnet hatte. Natürlich wurden die beiden Freunde immer wieder wegen ihrer Besonderheiten gehänselt, doch sie kamen damit zurecht – Theo besser als Thymomenus, da er ein größeres Selbstvertrauen hatte. Doch heute traf sie das Hänseln völlig unvorbereitet. Es dauerte einen Moment, bis Theo wieder aus seiner Erstarrung erwachte. Theo nahm seinen ganzen Mut zusammen und prustete lauthals los: „Ihr beide versteckt euch nur hinter euren gemeinen Sprüchen und habt noch nie eine Sache wirklich zu Ende gebracht. Und anstatt nach einer Lösung zu suchen, werdet ihr gemein. Das finde ich überhaupt nicht in Ordnung!“ Die anderen Nachbarskinder, die das Spektakel mitbekamen, staunten über Theos Mut und stimmten ihm zu. Plötzlich bemerkte Theo, dass Thymomenus verschwunden war. Er suchte überall nach ihm, doch er war wie vom Erdboden verschluckt. Wo war er denn nur hin? Wo konnte er nur sein? Niemand hatte sein Verschwinden bemerkt oder ihn gesehen.

Schweren Herzens gab Theo seine Suche auf und kehrte nach Hause zurück, da er den ganzen Tag unterwegs war und sich seine Eltern bestimmt schon um ihn sorgten. Mittlerweile hatten schon alle Tiere von der Entdeckung erfahren, unter anderem auch Theos Eltern. Sie wollten nun unbedingt wissen, wo Theo sich den ganzen Tag herumgetrieben hatte: „Wir haben uns solche Sorgen um dich gemacht und dann erfahren wir, dass du einen neuen Wohnort für uns entdeckt hast, obwohl du weißt, dass du nicht so weit allein davonfliegen darfst. Was hätte euch alles zustoßen können?“

Theo erklärte seinen Eltern alles und sie flogen am nächsten Morgen gemeinsam zu dem goldenen Ort, den Theo ihnen in seinen Erzählungen beschrieben hatte. Dort angekommen, blieb ihnen vor Staunen der Mund offen. Sie waren in genau der gleichen Starre wie Thymomenus und Theo zuvor und wussten augenblicklich, dass dies ihr neues Zuhause sein würde. Auch die nächsten Tage suchte Theo natürlich seinen besten Freund, ohne Erfolg – er war einfach weg. Mit hängenden Flügeln rief Theo so oft nach Thymomenus, bis er ganz heiser war. Doch keine Spur von ihm.

Die Zeit verging und nach und nach zogen alle Tiere auf die gold-glänzende Wiese. Theo erzählt noch oft von seinem Freund Thymomenus und ihrer gemeinsamen Entdeckung. Er dachte lange darüber nach, wieso Thymomenus einfach verschwunden war und machte sich mit der Zeit große Vorwürfe, dass er bei der Hänselei von Kaugi nicht früher eingeschritten war. Vielleicht dachte Thymomenus, dass er ihm nicht geholfen hatte und war deswegen verschwunden? Konnte das sein? Hätte er doch nur schneller seinen Freund verteidigt!

Das neue Zuhause Goldglückwiese 

Eines Tages fiel den Bewohnern auf, dass ihr Zuhause gar keinen würdigen Namen trug. Theo kam eine fabelhafte Idee, die er direkt mit feierlichem Klang verkündete: „Goldglückwiese soll unser neues Zuhause heißen!“ Alle waren begeistert und fanden, dass der Name ihre neue Heimat genau richtig beschrieb. Man musste nur die Augen schließen, den Namen Goldglückwiese laut aussprechen und schon erschien ein zauberhaftes Bild, das nur noch schöner war, wenn man die Augen wieder öffnete. Denn die Wiese erstrahlt jeden Tag wieder aufs Neue golden und alle, fast alle, Bewohner fanden dort ihr Glück. Denn die beiden, die für das gesamte Glück verantwortlich waren, konnten einfach nicht glücklich werden. Denn eine Hummel ohne ihren besten Freund kann keine glückliche Hummel sein. Von Thymomenus fehlte schon seit einer Ewigkeit jegliche Spur. Theo konnte nur hoffen, dass sein bester Freund eines Tages zurückkehren würde.

Auf der Goldglückwiese fand Theo allmählich neue Freunde. Eines der Kinder war Ranjo, ein kunterbunter Käfer aus einem fernen Wald. Denn die Goldglückwiese sprach sich herum und jeder wollte sie natürlich einmal gesehen haben. Ranjo wurde auf der Reise seiner Eltern zur Goldglückwiese geboren und hatte seinen Heimatwald nie kennengelernt. So entschieden seine Eltern, ihm seine Wurzeln zu zeigen und für einen Urlaub dorthin zurück zu kehren. Nun musste Theo wieder einen seiner Freunde verabschieden. Doch der Abschied fiel ihm nicht sonderlich schwer, da er ja wusste, dass Ranjo zurückkehren und die Reise in seine Heimat ihm viel Freude bereiten würde. Theo fand es immer spannend, etwas über neue Kulturen zu erfahren und sah es immer als etwas Wundervolles an, dass die Goldglückwiese so artenreich war und die Bewohner immer etwas Neues über- und voneinander lernen konnten. 

Die Geschichte von der gemeinsamen Huckepack-Wanderung

Eines Abends begann Theo wieder einmal damit, ein lustiges Erlebnis vom ihm und seinem besten Freund zu erzählen: „Thymomenus und ich entschieden uns einmal dazu, eine Wanderung zu machen. Hier gibt es die wunderschöne Berglandschaft namens Odine. Sie war fabelhaft anzusehen, aber eine Qual zu erkrabbeln und zu erfliegen. Da Thymomenus keine Fäden spinnen konnte, musste er über jeden Baumstamm und jede Erhebung krabbeln.

Wir motivierten uns zwar gegenseitig, aber irgendwann waren Motivationssprüche wie: „Nur noch bis um die nächste Kurve“ einfach nicht mehr hilfreich. Meine Flugkünste waren durch meine zu kleinen Flügel auch nicht gerade die besten. So mussten wir gemeinsam eine Lösung finden, um uns den Weg zu bahnen. Dann kam Thymomenus die rettende Idee: „Du fliegst mich ein paar Meter und wenn du nicht mehr kannst, setzt du dich auf meinen Rücken und ich trage dich. Einer von uns spart sich so immer seine Kraft. Dann sind wir schneller und sehen zudem auch noch gefährlicher aus. Dann traut sich niemand uns anzugreifen.“ Viel schneller kamen sie so zwar nicht voran, aber dafür mit mehr Spaß und viel furchterregender anzuschauen…

Der Angriff der Spinnenarmee

Genau in dem Moment, als Theos Erzählung endete, ertönte von genau dem besagten Berg aus der Erzählung ein donnerndes Geräusch und alle erschreckten sich fürchterlich. Als der erste Schrecken verflogen war, schauten alle, woher der Knall den eigentlich kam. Lange konnte man nichts erkennen, doch dann wünschten sie sich, niemals einen Blick darauf geworfen zu haben, denn es schien so, als ob eine Armee aus Tausenden von Beinen auf sie zuströmte – es sah aus wie ein böses, wanderndes Meer aus Beinen. Theos Freunde ergriffen die Flucht. Nur er blieb wie festgefroren stehen und sah zu, wie der Schrecken seinen Lauf nahm.

Eine Herde von Spinnen jagte auf sie zu und als sie ganz nahe waren, konnte Theo erkennen, dass jeweils eine kleinere Spinne auf einer größeren ritt. Im nächsten Augenblick glaubte Theo seinen Facettenaugen nicht zu trauen, denn es schien so, als ob die Horde von seinem verschollenen besten Freund Thymomenus angeführt werde würde. Wie erstarrt blieb Theo stehen. Der Ansturm der Spinnen erinnerte Theo an Thymomenus alten Plan auf ihrer gemeinsamen Wanderung. Durch die Reiter sahen die Spinnen noch viel angsteinflößender aus. Mit Waldhörnern verstärkten sie ihren erschreckenden, lärmenden Auftritt und das Schauspiel nahm seinen Lauf, denn Thymomenus ergriff das Wort: „Sei gegrüßt mein lieber, alter Freund. Lange ist es her, dass wir uns gesehen haben. Du musst wissen, in dieser Zeit ist so einiges passiert.“ Theo konnte nichts darauf antworten und bekam nur stotternd heraus:“ Waaa.. issst hier…?“

Der Grund für Thymomenus Verschwinden

Thymomenus ließ Theo erst gar nicht aussprechen und unterbrach ihn: „Mit Vergnügen sage ich Dir, was hier los ist. An meinem letzten gemeinsamen Tag mit euch wurde mir klar, dass ihr mich niemals akzeptieren werdet. Meine Eltern hatten schon davor beschlossen, wegzuziehen und da ich sowieso niemals richtig zu euch gehört hatte, entschied ich mich dazu, auch mitzugehen. Da du mich damals im Streit mit Kaugi und Pimpel nicht unterstützt und einfach geschwiegen hast, hat mich sehr verletzt. Wir waren nie wirklich Freunde. Mir wurde klar, dass wir Spinnen immer als Gefahr und Außenseiter von euch angesehen werden.

So schmiedete ich über all die vielen Jahre hinweg einen Plan und tat mich mit meines Gleichen zusammen, um euch endlich zu zeigen, wer hier das Sagen hat. Denn ich bin der wahre Entdecker der Goldglückwiese und das soll jeder erfahren, denn wie es scheint, hast du ja jedem etwas anderes erzählt.

Nun hatte Theo wieder Mut gefasst und konterte: „Eines möchte ich dir sagen Thymomenus. Wir haben sehr lange nach dir gesucht und dich nie gefunden. Und es stimmt nicht, dass ich Dich nicht verteidigt habe. Außerdem kennt jeder die Geschichte von der Entdeckung der Goldglückwiese. Du und ich sind die Entdecker und daran zweifelt hier auch niemand. Zum Schluss will ich dir sagen, dass dich Hass zu dem gemacht hat, was du jetzt bist. Für mich bist du aber immer noch mein bester Freund!“

Doch Thymomenus Blick verfinsterte sich nur noch mehr: „Genug geredet! Schweig jetzt! Nun werde ich mit meinen Geschwistern und Gehilfen die Goldglückwiese in Besitz nehmen!“ Nun bemerkte Theo erst, dass Thymomenus eine seiner Schwestern an seiner Seite hatte. Eris war eine sehr angeberische und boshafte Person. Schon als Kinder konnten Theo und sie sich nicht leiden. Sie war heimtückisch und hinterhältig. Die Beiden saßen jeweils auf einer Dornfinger-Spinne. Hinter ihnen waren noch zahlreiche andere zu sehen. Nun merkte auch Theo, wie riskant die Situation für ihn war, da die Dornfinger-Spinnen für kleinere Tiere sehr gefährlich sein konnten.

Der Kampf um die Heimat

Thymomenus sah Theos verängstigten Blick und zog Pfeil und Bogen hervor: „Diese Spinnen werden dir nichts tun, doch hier in meinem Pfeil befindet sich ihr Gift und wenn ich ihn abfeuere, dann wirst du in einen tiefen Schlaf verfallen. Doch ich werde nur diejenigen in Tiefschlaf versetzen, die für uns gefährlich werden könnten – und du bist leider einer davon.“ Thymomenus setze zum Schuss an. Gedankenschnell konnte Theo ausweichen und suchte so schnell wie möglich das Weite.

In seinem Kopf begann es zu rattern und er suchte nach einem Weg, um von den Giftpfeilen nicht getroffen zu werden und die Goldglückwiese zu retten. Auf seiner wilden Flucht traf er Ranjo, den er monatelang nicht mehr gesehen hatte und der Heimkehrer hatte ein glückliches Funkeln in den Augen: „Theo, ich weiß endlich was ich bin! Ein Chrysolina Cerealis. Ein Regenbogen-Blattkäfer. Dort, wo ich herkomme, gibt es sehr viele von mir!“

Theo freute sich für seinen Freund, denn es schien so, als ob er sich nie wirklich heimisch fühlte, da er selbst nicht genau wusste, wer er eigentlich wirklich war. Ranjos Freude darüber verflog schnell, als Theo ihm erzählte, in welcher Gefahr sie sich unmittelbar befanden. Theo schilderte ihm die scheinbar ausweglose Situation, seinen eigentlich besten Freund bekämpfen zu müssen.

Ein Schild und viele Unterstützer

Nach einigen Sekunde der Stille kam Ranjo eine geniale Idee. Sein großer Schatz war ein kleines Stück Holz, das ein entfernter Verwandter aus einem fernen Land mitgebracht hatte. Der Baum heißt auf spanisch Maquenque und sein Holz ist besonders hart. Ein Schutzschild aus diesem Holz wäre für die Giftpfeile undurchdringlich. Zusammen bastelten die Freunde ins Ranjos Käfer-Haus in Windeseile den Schild. In der Eile war der Schild zwar nicht schön, aber dafür bot er Schutz.

So ausgerüstet, machte sich Theo festentschlossen auf den Weg, seinen besten Freund daran zu hindern, seinen geliebten Heimatort zu erobern. Doch ein Problem hatte das gestreifte Insekt noch: Mit dem Schild konnte er sich zwar vor den Giftpfeilen schützen, doch wie sollte er nur diese riesige Armee aufhalten? Dann endlich kam ihm die rettende Idee. Ihm fiel ein, dass Thymomenus immer schrecklich empfindlich auf Licht reagierte. Deshalb lebte seine gesamte Familie damals auch in einer schattigen Felswand. Deshalb griffen die Spinnen auch erst in der Dunkelheit an. Thymomenus war, wie er selbst sagte, ein „Schattenwandler“.

Aber wo sollte er denn nur Licht herbekommen? Da fielen ihm sofort Sheinux und seine vielen Geschwister, die Glühwürmchen, ein, die immer sehr hilfsbereit waren. Theo flog im Eilflug zu den Glühwürmchen. Dort angekommen, weite er seinen leuchtenden Freund in seinen Plan ein. Sheinux war sofort Feuer und Flamme. So zog die ungleiche Gruppe los, um die Goldglückwiese zu verteidigen.

Doch in der Zwischenzeit hatten die Spinnen ganze Arbeit geleistet. Zahlreiche seiner Freunde lagen wie betäubt auf dem Boden und es schien fast so, als ob sie friedlich schliefen. Also hatte Thymomenus seinen gemeinen Plan schon in die Tat umgesetzt. Nun verstand Theo, dass sein bester Freund wohl niemals zurückkehren würde und er war sehr traurig darüber. Dröhnend hörten sie den Lärm, den Thymomenus Spinnen-Armee machte.

Ein guter Plan

Die Rettungstruppe nutzte das Überraschungsmoment und führte ihren Plan aus: Die Glühwürmchen versteckten sich in einer großen Baumhöhle am Ende der Wiese. Der Platz war wie geschaffen für einen Hinterhalt. Dort konnten die Glühwürmchen genügend Licht erzeugen, um die Spinnen zu blenden. Jetzt mussten die Anführer der Spinnen nur noch dorthin gelockt werden. Das war die Aufgabe von Theo.

Theo zeigte sich mit Absicht auffällig langsam den Spinnen, um sofort scheinbar panisch in Richtung der Baumhöhle zu fliehen. Der Plan funktionierte. Thymomenus schrie: „Dort ist er! Schnappt ihn euch!“ In der Höhle angekommen, versteckte er sich in der Dunkelheit. Die Anführer der angsteinflößenden Armee verfolgten ihn. Im Dunkeln leuchtete plötzlich das Hinterteil der Glühwürmchen auf und Thymomenus, Eris und die giftigen Spinnen krümmten sich. Die Baumhöhle war fast taghell erleuchtet. Doch Eris bekam Theo zu fassen und drohte, ihm etwas anzutun: „Eurem Freund wird es schlecht ergehen, wenn ihr nicht sofort aufhört, uns zu blenden! Licht aus!“ Alle waren wie gelähmt und es schien so, als wäre der Kampf verloren, so als ginge mit dem Licht auch die Hoffnung aus. Doch Theo wandte sich noch einmal an seinen Freund.

Die letzte Chance

Er wusste, die Goldglückwiese hatte nur noch diese einzige Chance: „Thymomenus, du warst doch früher nicht so. Hast Du denn alles vergessen, was uns verbindet? Ich habe Dich immer vermisst und war nie wieder richtig glücklich seit Du weg gegangen bist! Für mich warst Du nie ein Außenseiter, Deine Einzigartigkeit hat Dich schon immer zu etwas Besonderem gemacht! Und das bist Du für mich heute noch.“

Die Worte trafen ihr Ziel noch besser, als die Pfeile der Spinnen es vermochten. Sie brachten Thymomenus zur Einsicht, er befahl seiner Schwester, sofort seinen besten Freund loszulassen. Doch sie dachte nicht daran und zischte: „Werde nicht schwach, Du hast nie zu ihnen gehört! Wir holen uns die ganze Goldglückwiese, davon hast Du doch auch immer geträumt!

„Nein,“ sagte Thymomenus, „es reicht, lass ihn endlich los, er hat uns nichts getan. Wir haben einen schrecklichen Fehler gemacht, das weiß ich jetzt. Lasst es uns nicht noch schlimmer machen.“ Die Spinnen begriffen, dass ihr Spiel nicht nur zu Ende war – sie hatten es verloren. Denn nicht nur, dass ihr Anführer nicht mehr kämpfen wollte, es sollte noch weit schlimmer für sie kommen.

Die Wirkung der Betäubung ließ nach und allmählich kamen alle Tiere wieder zu sich, die die Spinnen betäubt hatten. Gemeinsam, egal ob groß oder klein, Insekt oder Wirbeltier, waren die Wachgewordenen nun fest entschlossen, sich nicht so einfach noch einmal betäuben zu lassen. Die Spinnen erkannten, dass sie gegen diese Übermacht keine Chance hatten und flohen in heller Panik von der Goldglückwiese.

Nur Thymomenus blieb zurück. „Ich weiß, dass ich einen großen Fehler gemacht habe“, sagte er zu Theo. „Ich bereue, dass ich euch angegriffen habe und verspreche Dir, dass ich als Anführer der Spinnen in Zukunft Frieden mit der Goldglückwiese halten werde. Unserer alten Freundschaft zu liebe. Doch leben möchte ich hier nicht mehr, ich gehöre zu den Meinen.“ Theo hatte insgeheim gehofft, dass Thymomenus bleiben würde und sie wieder, wie in alten Zeiten, gemeinsame Abenteuer erleben und sagte traurig: „Ich kann deine Entscheidung verstehen, jedoch hoffe ich, dass wir uns irgendwann einmal wiedersehen und vielleicht wieder Freunde werden können!“

Thymomenus seufzte: „Ja, das wäre schön. Aber jetzt muss ich gehen. Ich habe die Spinnen dazu gebracht, die Goldglückwiese anzugreifen, ich kann sie jetzt in der Niederlage nicht alleine lassen. Ich muss mich bei ihnen entschuldigen und hoffe, dass ich ihr Anführer bleiben darf. Ich habe alle enttäuscht – Dich und die meinen. Die Goldglückwiese hat mir kein Glück gebracht. Es ist für alle besser, wenn ich gehe und diesen Ort meide.“

Der Ehrentitel „Bato“

Theo wünschte seinem alten Freund alles Gute und sah ihm noch lange traurig nach, bis er endgültig verschwunden war. Alle feierten Theo nach dem gemeinsamen Sieg und jubelten ihm zu. Natürlich war auch Ranjo bei der Siegesfeier dabei, die Theo zu Ehren veranstaltet wurde. Er hatte dort eine wahnsinnig tolle Idee. Ranjo hatte Geschichten von einem Riesenkäfer gehört, der Batocera Wallacei hieß und sehr stark war. Er fand, dass Theo genau so stark wie dieser Riesenkäfer sei. Obwohl Theo so eine kleine Hummel ist, bewies er so viel Mut und Stärke im Kampf für den Frieden, dass er diesen Ehrentitel mehr als verdiente. So trug Theo von nun an den Namen Bato.

Dieser Tag lehrte alle Bewohner der Goldglückwiese, wie wichtig es ist, zusammenzuhalten und für das Gute zu kämpfen.

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