Partnerschaftstreffen in Verdun – Teil 2:
Krieg unter Tage, die Stollen von Verdun

(Bericht von Michael Reinig – 4.11.22) „Geben Sie acht, es ist rutschig hier! Und vor allem: Passen Sie auf Ihre Köpfe auf, die Stollen sind an manchen Stellen nur 80 cm hoch!“ Ein guter Rat, den uns da unser Guide Vincent gibt. Trotzdem stoße ich mit meinem Kopf immer wieder an einen zu niedrigen Querbalken. Wie gut, dass uns zu Beginn der Führung durch die Festungsstollen von VAUOUOIS Helme und Taschenlampen ausgehändigt wurden, denn stockdunkel und stickig ist es darin ebenfalls.

Da wo einst – 30 km von Verdun entfernt – das Dorf VAUOUOIS auf einem Hügel stand, befinden sich heute nur noch riesige Sprengtrichter und unter der Erde kilometerlange deutsche und französische Stollen. Auf deutscher Seite gar eine ganze unterirdische Kaserne, in der 1.300 Soldaten untergebracht waren. „Auf französischer Seite war das anders“, erklärt uns Vincent. Da hatten nur die Offiziere und Pioniere (Ingenieure) kleine Unterstände, die einfachen Soldaten mussten draußen im Schlamm schlafen. Hier auf französischer Seite wurden die Stollen nur zu einem Zweck gegraben: Die Stellung des Feindes zu unterminieren und in die Luft zu sprengen. Das machten die Deutschen zwar auch und manchmal kam dabei unter der Erde auch zu Feindkontakt, aber die Deutschen hatten sich an dieser Stelle regelrecht eingegraben, sich sozusagen in einem Labyrinth von Stollen und Gängen häuslich eingerichtet.

Vincent zeigt uns „Wachstube“, „Küche“, „Mannschaftsräume“, „Offizierszimmer“, alle heute noch mit Resten der ehemaligen Einrichtung versehen. Wie ein solches Leben unter Tage aussah, kann man sich trotz der Werkzeuge und Fotografien an den Wänden kaum vorstellen. „Wasser war ein sehr großes Problem,“ sagt Vincent. „Das stand hier überall. Den Männern sind von dem vielen Wasser die Füße verfault.“ Wieder an der Erdoberfläche zeigt er uns noch den größten Krater. „60 Tonnen Sprengstoff wurden hier unter die Erde gebracht und gezündet. Die Erdbrocken flogen 1 ½ Minuten durch die Luft. 105 Franzosen wurden dabei getötet. Was für ein Wahnsinn!!“

Im Bischofspalast von Verdun besuchen wir am Nachmittag noch die Ausstellung CENTRE MONDIAL DE LA PAIX. In Bilddokumenten und Exponaten werden uns die Krisen und Kriege des 20. und 21. Jahrhunderts, ihre Ursachen und Wirkungen anschaulich vor Augen geführt. Ein Workshop greift vor dem Abendessen für Mitglieder und Interessierte beider Komitees diese Thematik – von Präsident Guy Dutériez eingebracht – noch einmal auf: Wie können wir aus den Eindrücken, die wir hier in Verdun gewonnen haben, junge Menschen für das Thema „Frieden in Europa“ begeistern? Denn wir sind uns darin einig: Für die Taten unserer Väter und Vorväter tragen wir keine Verantwortung. Verantwortung tragen wir aber sehr wohl für die Gegenwart und für die Zukunft.

Nach dem Abendessen überbrückt ein deutsch-französisches Liederbuch mögliche Sprachbarrieren, denn alle Lieder darin sind sowohl in einer singbaren französischen wie deutschen Version abgedruckt. Die drei Troubadoure Achim Klotz, Michael Reinig und Rudi Sailer unterstützen dabei musikalisch ebenso wie beim Ständchen zum 88. Geburtstag des französischen Ehrenpräsidenten André Brinon. Und Vizepräsident Bobby Schöpe überreicht als Dankeschön für die tolle Arbeit des Organisationsteams einen Geschenkkorb an Monique und Daniel Béchariat. 



Unser Tag 2 in Verdun – die Zitadelle

Verdun war die französische Festungsstadt schlechthin, „das Herz Frankreichs“, wie sich Kronprinz Wilhelm von Preußen auszudrücken beliebte. Und die Deutschen wollten Februar 1916 in den Stellungskrieg endlich mal wieder Bewegung reinbringen. Also konzentrierten sie ihre Streitkräfte auf Verdun. Da sollte der Durchmarsch nach Paris gelingen. Aber die Franzosen vereitelten dies mit einem unerhörten Aufgebot an Menschen und Material. Und so kam es hier zu einer der blutigsten Schlachten im Ersten Weltkrieg, den die Franzosen den “La Grande Guerre“ nennen.

Die Zitadelle von Verdun war für die Franzosen damals Etappe, Ausruhen, Vergessen, sich ein wenig wieder darauf besinnen, was Menschsein bedeutet. Für uns heute präsentiert sich in der Zitadelle eine computergesteuerte Animation, die uns per Live-stream-Maske eine Zeitreise in die Zeit des 1. Weltkriegs erlaubt.

Per Videobild begleiten wir drei französische Soldaten auf ihrem Weg durch das verwinkelte Gangsystem der unterirdischen Kasematten der Zitadelle. Wir nehmen Teil an ihrem Schicksal, ihren Sorgen und Ängsten und müssen uns wie sie die hohlen Phrasen vom „Feld de Ehre“ anhören.

In den Heimatbriefen der Soldaten, die am Eingang der CITADELLE SOUTERRAINE DE VERDUN dreisprachig dargeboten werden, begegnet uns dagegen eine andere Welt: Ein Sich-Schicken-in-das-Unvermeidliche und eine große Traurigkeit über dieses lange ungelebte Leben, das der Weg nach Verdun zunichtemachen wird. 

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