Prävention besser als Rehabilitation – Stammtisch des VdK im Zeichen der Medizin

(mmö – 15.5.24) Sebastian Kneipp, deutscher Naturheilkundler und katholischer Theologe, prägte einmal den Satz: ‚Wer keine Zeit für seine Gesundheit hat, muss sich später viel Zeit für seine Krankheit nehmen.‘ Dass das heute mehr denn je zutrifft, zeigen aktuelle Zahlen verschiedener Institutionen, ob von den Krankenkassen, den Medizinstatistikern oder den Krankenhäusern.

Dass Prävention immer noch die beste Medizin oder besser gesagt das Beste der Medizin ist, davon ist auch Dr. Felix von Blittersdorff überzeugt, der beim jüngsten Stammtisch des VdK als Referent zu Gast war. Der aus dem hohen Norden, genauer aus Hamburg, stammende Mediziner, der der Liebe wegen damals nach Heidelberg kam, betreibt mit seiner Frau Dr. Breda von Blittersdorff eine eigene (hausärztliche, internistische Praxis) im beschaulichen Handschuhsheim.

Dr. Felix von Blittersdorff kennt alle Facetten des Medizinberufs. Er war selbst jahrelang als Krankenpfleger in verschiedenen Krankenhäusern aktiv, zunächst als Hauptberuf, dann parallel zum eigentlichen Medizinstudium. Während und nach dem Studium blieb er dem Krankenhaus treu und arbeitete mehrere Jahre dort als Assistenzarzt und leitender Stationsarzt, bevor er schlussendlich dann 2017 vollumfänglich in die Praxis seines Schwiegervaters einstieg.

Dr. von Blittersdorff, Facharzt für Innere Medizin und Notfallmedizin, hat mehrere Behandlungsschwerpunkte, auf die er sich spezialisiert hat. Neben der Kardiologie, Sportmedizin, Männermedizin sind es vor allem die Präventiv- und Schlafmedizin, die ihm besonders am Herzen liegen. Hierzu sprach der Medizinexperte auch ausgiebig bei diesem Stammtisch.

Vorweg betonte der Referent, dass er sich immer als ganzheitlichen Arzt sieht, der seine Patienten immer vollumfänglich im Blick hat und erst, wenn nötig, zu einem Facharzt überweist, wenn es garnicht anders mehr geht. Oftmals fordert einfach die Komplexität der medizinischen Aspekte die Überweisung an einen Facharzt ein. Seine Frage in die Gästerunde, ob denn alle Anwesenden zum regelmäßigen Check up gehen, blieb stellenweise unbeantwortet, woraus zu schließen war, dass das Thema Prävention zwar in den Köpfen ist, aber oftmals dann doch etwas stiefmütterlich behandelt wird. Beim Auto ist man da genauer, besonders die Männer, mahnte der Mediziner augenzwinkernd an.

Unter den Gästen auch Altgemeinderat Hans Appel und Gemeinderat Alexander Hahn

Check ups sind enorm wichtig und werden von der Krankenkasse zu 100 Prozent bezahlt. Es braucht niemand die Befürchtung haben, dass daraus eine IGEL-Leistung wird. Check ups gibt es zahlreiche, die Wichtigsten sind aber der Check up ab 35 Jahre, alle 3 Jahre vorgesehen mit Blut- und Urintests, Anamnese sowie körperlicher Untersuchung von Kopf bis Fuß. Auch das Hautkrebs-Screening alle zwei Jahre gehört dazu, bei der der gesamte Körper auf auffällige Muttermale untersucht wird. 

Da bei Männer das Prostatakarzinom an zweiter Stelle der häufigsten Krebsarten rangiert, ist die Vorsorge hier enorm wichtig. Ab 45 Jahren sollten die Männer jährlich die Prostata sowie die äußeren Genitalien und Lymphknoten untersuchen lassen. Sinnvoll kann dabei auch der PSA-Wert sein, der über das Blut bestimmt wird. Gibt dieser doch recht zuverlässig Aufschluss, ob sich die Prostata negativ verändert. Die Felix-Burda-Stiftung macht mit zahlreichen Prominenten darauf aufmerksam und Dr. Felix von Blittersdorff wird auch nicht müde zu erwähnen, dass die Darmkrebsvorsorge immer noch die beste Möglichkeit ist, rechtzeitig Darmkrebs zu erkennen und schlussendlich nicht entstehen zu lassen.

Ab 50 Jahren bei den Männern, bei den Frauen ab 55 Jahren sollte eine Koloskopie erfolgen. Ist die Untersuchung unauffällig, kann eine Spiegelung erst wieder in zehn Jahren erfolgen. Bei Polypen und ähnlichem sollte in kürzerem Abstand gespiegelt werden.

Neben den Check ups gilt es dabei auch den Impfstatus in den Fokus zu nehmen. Und dabei sollte nicht an die Impfung gegen Malaria oder Gelbfieber gedacht werden, sondern in erster Linie an TDPP (Tetanus, Diphtherie, Pertussis und Polio), die alle zehn Jahre aufgefrischt werden muss. Darüber hinaus muss man mittlerweile auch in unseren Breitengraden an die Zeckenimpfung denken. Die FSME-Impfung genannte Schutzimpfung sollte alle drei Jahre aufgefrischt werden.

Für die ältere Generation ab 60 gibt es von der Ärzteschaft die klare Empfehlung sich auch gegen Pneumokokken (Schutz gegen Lungenentzündung), Herpes Zoster (Gürtelrose) sowie Influenza impfen zu lassen. Gerade bei der Gürtelrose unterschätzen viele Menschen die Gefahr, denn nahezu jeder und jede trägt den Virus durch eine vergangene Windpockenerkrankung in sich und dieser ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass die Gürtelrose ausbricht. Und dazu braucht es nicht viel, um den schlummernden Virus zum Leben zu erwecken. Oftmals reicht Stress und/oder Belastung hierfür aus.

Dr. Felix von Blittersdorff erwähnte dabei auch, dass ein Tropenmediziner der richtige Ansprechpartner für eine Reiseimpfberatung ist, wenn das nächste Reiseziel weiter entfernt außerhalb Europas liegen sollte. Apropos Reise, egal ob innerhalb Deutschlands oder weiter weg, wichtig ist der Schutz vor einer Thrombose. Mit entsprechenden Vorerkrankungen oder einem weniger gesundheitsfreundlichen Lebensstil erhöht man signifikant das Risiko eine Thrombose zu erleiden. Daher ist es auf Reisen wichtig, dass man ausreichend trinkt, sich so gut es eben geht bewegt (im Flugzeug aufstehen und gehen) und ggf Kompressionsstrümpfe trägt. 

Zum Ende seines Vortrags ging der Mediziner noch auf ein Thema ein, dem leider noch zu wenig Beachtung geschenkt wird, obwohl diese Erkrankung mittlerweile 2-3 Millionen Menschen betrifft, vorwiegend Männer im fortgeschrittenen Alter. Die Dunkelziffer ist sicher noch viel höher. OSAS (Obstruktive Schlafapnoe-Syndrom), so heißt die Erkrankung, die nicht mit dem Schnarchen zu verwechseln ist. Dieses Syndrom ist eine ernst zu nehmende schlafbezogene Atemstörung, bei der es während des Schlafs wiederholt zur Verringerung oder dem kompletten Aussetzen der Atmung durch eine Verengung des Rachenraums kommt. 

Diese Atempausen können mehrere hundert Mal pro Nacht auftreten und bis zu Minuten andauern. Durch den Kollaps im Bereich der oberen Atemwege kommt es zu einem Abfall der Sauerstoffkonzentration im Blut und einer Minderversorgung der Organe. Das Gehirn ist in diesem Fall als erstes betroffen und schlägt Alarm. Dieser sogenannte Alarm äußert sich in immer wieder kehrenden Weckreaktionen, welche den Schlaf fragmentieren und zu einem nicht erholsamem Schlaf führen. Die Schlafstadien sind hierdurch gestört. Das Heimtückische daran, der Blutdruck steigt immens an. Dadurch entsteht die Gefahr einen Schlaganfall zu erleiden (Diagnostische ambulante Polygraphie).

Was kann man dagegen tun? Als Therapie schlägt Dr. Felix von Blittersdorff vor die Schlafposition anzupassen (etwas höher liegen, damit die Zunge nicht in den Rachenraum fallen kann), beim HNO vorstellen, um den gesamten Nasen-Rachenbereich begutachten zu lassen, den Lebensstil anpassen (Nikotinverzicht, Alkoholgenuss reduzieren), Protrusionsschiene anpassen lassen (sie verhindert oder verringert das Zurückfallen des Unterkiefers und die damit einhergehende Atemwegsoptimierung kann eine deutlich messbare Verringerung von Atemstillständen bewirken), Überdruckmaske in der Nacht tragen.

Dr. Felix von Blittersdorff ist davon überzeugt, dass wenn ein relevantes OSAS vorliegt, die Lebensqualität deutlich verbessert werden kann. Denn Prävention ist immer besser als Rehabilitation oder anders gesagt Vorsorge besser als Nachsorge. Dies wusste schon Sebastian Kneipp und hat Recht behalten.

Zum Abschluss seines sehr interessanten Vortrags betonte Dr. Felix von Blittersdorff, dass es wichtig ist einen Hausarzt/eine Hausärztin vor Ort zu haben, der/die ggf auch Hausbesuche machen kann. Denn der Hausarzt/die Hausärztin sollte immer die erste Anlaufstelle sein, die dann alles in den Händen hat und koordiniert. 

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