Renovierung des Rathaus-Spiegelsaales – Restauratoren-Team leistete Großartiges

(15.5.20 mu) Monatelange harte und oft auch mühsame Arbeit liegt hinter den Restauratoren Christiane Böke, Ulrike Conradi und Philipp Gräßle, die nun aber auf die „Zielgerade“ einbiegen – die Arbeiten im Spiegelsaal nähern sich dem Ende und werden voraussichtlich Ende Juni 2020 abgeschlossen werden können.

Seit November 2019 arbeitet die Gruppe, die von einer Vielzahl weiterer Experten unterstützt wurde, an der Restaurierung des denkmalgeschützten Saales. Die Arbeiten umfassten von der Stuckdecke bis zur Planierung der Gewebe nahezu alle Gebiete, die mit großem handwerklichem Geschick und vor allem aber wissenschaftlichem Sachverstand ausgeführt wurden.

Die Wandbespannungen und Gemälde wurden sorgsam gereinigt, Risse vernäht, Fäden bis hin zur Ergänzung größerer Flächen ebenso eingewebt wie Einzelfäden verklebt. Auffällige Retuschen wurden entfernt und durch fachmännisch ausgeführte Arbeit ersetzt und Löcher sorgsam gekittet. Auch die Lichtschalter, die in früheren Jahren rücksichtslos in die Wandbespannung eingebaut wurden, sind nun ebenso verschwunden wie die schweren, unpassenden Gardinen.

„Das Konzept der Konservierung und Restaurierung zielt darauf ab, Schäden zu beheben und den Bestand zu erhalten. Grundlage hierfür ist der überkommene Zustand, angetroffene Schäden sollen konservierend und restaurierend behandelt werden“, erläutert Christiane Böke die Hintergründe der Arbeiten.

Interessant sind aber auch neue Befunde, die sich durch die Arbeiten ergeben haben. Durch den Ausbau der Gemälde wurde unter der Wandbespannung die frühere, eigentliche Raumgestaltung in Form von stuckierten, grün gefassten Feldern mit weißen Stuckrahmungen sichtbar. Die Felder zeigen starke Setzrisse und Wasserschäden. Denkbar wäre es daher, dass der Saal aus diesem Grund womöglich anlässlich eines Familienfestes renoviert und mit der heutigen Wandbespannung versehen wurde. Hierfür kämen zwei Hochzeiten von Töchtern des Hauses in Frage, die nachweislich 1802 und 1815 stattfanden.

Bei der kunstvollen Reinigung des großen Gemäldes von Seligmann, das 1809 von Ferdinand Langer gemalt wurde, zeigte sich, dass es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert wohl in England restauriert wurde. „Wir haben beim Herausnehmen aus dem wertvollen Rahmen eine Doublierung auf der Rückseite gefunden“, beschreibt Philipp Gräßle den Vorgang. Gleichzeitig kam eine Ausgabe der TIMES von Dienstag, dem 13. November 1866 zum Vorschein, die zum Ausbessern der Ränder verwendet wurde und so zumindest einen ungefähren Hinweis auf den Zeitpunkt der Arbeit gab.

Das Gemälde, dessen Rahmen derzeit ebenso noch restauriert wird, stammt von einem Urururenkel Seligmanns und wird nach Abschluss der Arbeiten wieder seinen Platz im Treppenhaus finden, in dem dann auch weitere Familienporträts von der Familie Seligmann/von Eichthal und ihrer Bedeutung für Leimen künden.

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