Rolf Maier und Wilfried Hager widmen sich beim Senioren-Nachmittag besonderen Sandhäusern

Bürgermeister Hakan Günes wird von Rolf Maier (l.) und Wilfried Hager, die sich beim Senioren-Nachmittag mit ihrem Sandhäuser Fachwissen hervortaten, in die Mitte genommen.      Bild: Gemeinde Sandhausen

(mb – 30.4.24) Doch, doch auch einen Minister hat Sandhausen schon hervorgebracht: Es ist zwar schon eine Weile her, aber Rolf Maier hat sich intensiv auf dessen Spuren begeben und nach diversen vieltägigen Aufenthalten auch in Archiven bundesweit präsentierte er den Besucherinnen und Besuchern des Senioren-Nachmittags im Festhallenrestaurant eine außergewöhnliche Vita – die von Edmund Kaufmann.

Letztgenannter habe es ins Buch von 1950 mit den 700 berühmtesten Deutschen geschafft, führte Rolf Maier aus. Dr. Edmund Kaufmann, der am 13. Februar 1893 in Sandhausen auf die Welt kam, legte eine Politikkarriere hin, die aufgrund der Nazi-Zeit auch Tiefen lieferte. Doch der Reihe nach: Nachdem Kaufmann die ersten neun Jahre in Sandhausen verbracht und dort die Volksschule im Gebäude der heutigen Pestalozzi-Förderschule besucht hatte, beendete er die Schule 1912 am Gymnasium in Wertheim als Primus. Das Studium der Astronomie und der Mathematik an der Universität Heidelberg brach Kaufmann für seinen Dienst als Flieger-Offizier an der West- und Ostfront ab. Im Anschluss an den Ersten Weltkrieg begann er 1918 ein Studium der Volkswirtschaft an der Handelshochschule in Mannheim, sattelte 1919 auf Staatswissenschaften an der Universität Heidelberg um, wobei das Studium in die Promotion zum Dr. rer. pol. mündete.

Seine politische Karriere begann Kaufmann in Singen, wo er zunächst bei der Maggi GmbH als Personalchef und Rechtsberater beschäftigt war und von 1923 bis 1933 das Amt des Bürgermeisters bekleidete. 1927 erfolgte sodann die Wahl für die Deutsche Zentrumspartei in den Kreisrat sowie 1929 in den Badischen Landtag in Karlsruhe. Durch einen Konflikt mit der NSDAP in Baden verlor er jedoch 1933 alle Ämter. Um sich und seine Familie zu versorgen, zog er sich nach seiner Entlassung nach Mainz zurück, wo er als „Freier Handelsvertreter“ und als Buchhändler seinen Lebensunterhalt verdiente. Als Katholik und politischer Gegner verfasste er illegale Flugschriften für den katholischen Widerstand.

So ging Kaufmann als unbelasteter Politiker aus der Weimarer Zeit hervor, war nach dem Zweiten Weltkrieg Mitbegründer der CDU Rheinland-Pfalz und wurde zum Oberregierungsrat in Mainz ernannt. Als Referent für Wirtschaft und als Stellvertreter des späteren deutschen Wirtschaftsministers und Bundeskanzlers Ludwig Erhard legte er „wirtschaftspolitische Leitsätze“ im Bizonenrat der britischen sowie der US-Zone vor. Von 1949 bis 1951 war er Finanzminister des Landes Württemberg-Baden im Kabinett von Reinhold Maier und von 1950 bis 1952 Mitglied des Landtags Württemberg-Baden für die CDU-Fraktion. Aufgrund innerparteilicher Konflikte um die Baden-Frage trat Kaufmann 1952 aus der CDU aus und in die FDP/DVP ein. Am 9. März 1952 wurde er in die verfassungsgebende Landesversammlung gewählt und gehörte von 1952 bis 1953 dem vorläufigen Kabinett von Ministerpräsident Reinhold Maier als Staatssekretär an, wo er für die Ausarbeitung und Vollziehung der Verfassung zuständig war. Im Juni 1953 legte Edmund Kaufmann aus gesundheitlichen Gründen alle Ämter nieder und starb im gleichen Jahr.

Zweite Liga Basketball – erste Liga Gewichtheben
Gewissermaßen als Sahnehäubchen servierte Rolf Maier seinem Publikum die Vita Edmund Kaufmanns in Mundart – eine sehr gelungene Zusammenfassung des Sandhäusers, der sich um den berühmten Sohn Sandhausens mit seinen intensiven Recherchen verdient gemacht hat.

Berühmte Sandhäuser gibt es nicht allein in der Politik. Wer einen Fußball-Drittligisten vor Ort hat, ist auch im Sport eine Nummer. Doch Wilfried Hager, das weitere vortragende Mitglied des Verkehrs- und Heimatvereins an diesem Nachmittag, hat bei seiner Erkundung von erfolgreichen Sandhäuser Sportler längst nicht nur Fußballer ausfindig gemacht.

So begann Hager seine Präsentation mit den Basketball-Spielerinnen der TG Sandhausen, die es in der Saison 2000/2001 in die zweite Bundesliga schafften. „Nicht unerwähnt soll die Tatsache bleiben, dass in der Damenmannschaft überwiegend Spielerinnen aus Sandhausen spielten. Das ist durchaus nicht üblich, denken wir an Mannschaften aus anderen Sportarten, in welchen – nicht nur in Sandhausen – kaum Spielerinnen oder Spieler aus dem betreffenden Ort aktiv sind“, betonte Hager.

Von den tollen Damen ging es unter anderem zu den starken Männern: Der Sandhäuser Jürgen Spieß fing mit elf Jahren mit dem Gewichtheben bei der SG Heidelberg-Kirchheim an, startete später beim AV 03 Speyer in der ersten Bundesliga. Zahlreiche nationale und internationale Erfolge krönten seine sportliche Laufbahn. Zweifellos der Höhepunkt war der Gewinn der Europameisterschaft im Jahre 2009 in Bukarest, als er mit drei persönlichen Bestleistungen Europameister im Zweikampf und im Stoßen und Vize-Europameister im Reißen wurde.

Jürgen Spieß nahm drei Mal an Olympischen Spielen teil: Peking 2008 (Rang 9), London 2012 (Rang 9) und Rio de Janeiro 2016 (Rang 10). Dazu kamen Teilnahmen an den Weltmeisterschaften 2003, 2005, 2006 und 2010. Zehn nationale Meisterschaften und zweimal der Titel „Gewichtheber des Jahres“ ergänzen diese Erfolge. Zu Spieß‘ Bestleistungen von 178 Kilogramm im Reißen und 220 Kilo im Stoßen meinte Hager: „Jeder, der einmal einen 25 Kilo Kartoffelsack gehoben hat, kann sich vielleicht vorstellen, wie schwer das ist.“ Heute sei Spieß Vizepräsident des Verbandes Deutscher Gewichtheber.

Sandhausen war gleichwohl auch in Wimbledon vertreten, wo der gebürtige Sandhäuser Alexander Popp die Filzkugel mit seinem Schläger bearbeitete. Nicht Tennis, dafür Schwimmen war die Sache von Sarah Wellbrock, die unter ihrem Mädchennamen Köhler weltberühmt wurde. Die Hanauerin wohnte in Sandhausen und trainierte am Olympiastützpunkt Heidelberg, als sie an der Uni Heidelberg erfolgreich Rechtswissenschaft studierte. Sie war mehrfache Deutsche Meisterin über 800 Meter und 1.500 Meter Freistil. 2016 nahm sie an den Olympischen Spielen in Rio teil und schaffte als einzige deutsche Frau den Sprung ins Finale über 800 Meter Freistil, wo sie den achten Platz belegte. 2017 wurde sie Europameisterin auf der Kurzbahn über die 800 Meter und 2019 Vizeweltmeisterin auf der Langbahn über 1.500 Meter. Im Freiwasserschwimmen wurde sie im gleichen Jahr Weltmeisterin in der Viermal-1,25 Kilometer-Staffel. 2018 gewann sie bei den Europameisterschaften Silber über die 1.500 Meter Strecke und Bronze mit der Viermal-200 Meter-Staffel. Am 16. November 2019 stellte sie auf der Kurzbahn über 1.500 Meter einen neuen Weltrekord auf. Bei den Olympischen Spielen 2021 in Tokio errang sie über die 1.500 Meter die Bronzemedaille, über 800 Meter wurde sie Siebte. Im Dezember 2021 heiratete sie den ebenfalls weltbekannten Schwimmer Florian Wellbrock. Im Juni 2023 gab sie ihren Rücktritt vom Leistungssport bekannt, anhaltende Schulterprobleme zwangen sie dazu.

Hager verließ das Wasser und ging – also doch – auf den Rasen, um unter den namhaften Sandhäuser Fußballern Manuel Riemann (VfL Bochum), Rainer Ohlhauser (u. a. 1961 bis 1970 Bayern München) oder freilich auch Hansi Flick (u. a. 1985 bis 1990 Bayern München als Spieler und Ex-Bundestrainer) zu nennen. Dass Sandhausen im Kegeln eine Macht war und immer noch ist, ließ Hager ebenso nicht unerwähnt wie Erfolge im Radfahren (Günter Haritz), Gehen (Alfons Schwarz), Motorsport (Volker Bähr) sowie im Golf (Karolin Lampert) und im Skispringen (Timo Wangler) beispielsweise.

„Ich war im Rahmen meiner Recherchen auch überrascht, was für Sportasse diesen Bezug zu Sandhausen haben. Es gibt sicherlich noch mehrere, da bin ich am weiteren forschen und es wird zu gegebener Zeit im Museum einsehbar sein“, sagte Wilfried Hager. Sein Liste erfolgreicher Sportler mit Bezug zu Sandhausen ist also noch im Ausbau.

 
 
 
 
 
 
 
 
 

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