Sandhausen: Beim Lesen der Stolpersteine muss man eine Verbeugung machen

Abendveranstaltung

Abendveranstaltung

(cw – 5.4.17) „Es ist nicht mehr rückgängig zu machen, auch in unserem Ort fielen Menschen dem nationalsozialistischen Wahn zum Opfer.“, eröffnete Bürgermeister Kletti die erste Stolperstein-Verlegung in Sandhausen, zu der neben den Initiatoren aus Sandhausen auch Vertreter der Stolperstein-Initiative Malsch, Wiesloch und Heidelberg sowie Vertreter/innen aus dem Gemeinderat, den Kirchen, der Schulen und der letzte überlebende Sandhäuser Jude, Jim Gutheim (s.B.u.l.), gekommen waren.

Herr-Düchting

Herr-Düchting

Dieser dankte der Stolperstein-Initiative gerührt für deren Großzügigkeit und Anteilnahme an der Vertreibung seiner Mutter Johanna. Als eine von 6 verfolgten Sandhäuser Jüdinnen und Juden der Familie Familie Wahl erhielt sie einen Stolperstein in der Waldstraße 1. Ihrem letzten Wohnsitz, bevor sie Sandhausen verließ, um nach Los Angeles auszuwandern.

Mina, Julius, Berta, Ludwig und Herta Wahl wurden nach Gurs in Südfrankreich deportiert, ebenso wie Emma und Kaufmann Freund, für die 2 Stolpersteine in der Hauptstraße 141 gesetzt wurden. „Wir dürfen nicht vergessen, sondern müssen sagen: Es tut uns leid“ forderte Pfarrerin Henriette Freidhof. Damit wir jeden Tag darüber stolpern und die Botschaft mitnehmen und weitertragen, hatte Rainer Kraft gemeinsam mit der Stolperstein-Initiative Sandhausen eine Broschüre zur Stolperstein-Verlegung herausgegeben, die die Geschichte lebendig halten soll und damit die Schicksale nicht in Vergessenheit geraten.


Wann werden wir abgebaut?

Literatur- und Theaterkurs

Literatur- und Theaterkurs

Eine Zeile aus einem Gedicht von Ludwig Marx, einem Pädagogen und Dichter mit Sandhäuser Wurzeln, vorgetragen von Prof. Reinhard Düchting (l.) auf der kulturellen Abendveranstaltung im Rahmen der Stolperstein-Verlegung. „Wann werden wir abgebaut?“ oder „Wer ist der nächste?“ – Diese bedrückende Frage erinnert an die permanente Angst der Verfolgten während der NS-Diktatur. Nur wenigen gelang die Flucht. Auf der kulturellen Auftaktveranstaltung zur Stolperstein-Verlegung am 25.4.2017 setzte man sich nun erstmals mit den Schicksalen der zu Nummern degradierten Menschen aus Sandhausen auseinander.

Als wahrscheinlich letzter Nachfahre Sandhäuser Juden war Jim Gutheim gemeinsam mit seiner Frau Lynn der Einladung der Stolperstein-Initiative, die das Projekt in Sandhausen ins Leben gerufen hatte, gefolgt, um bei der offiziellen Stolperstein-Verlegung zum Gedenken an seine Mutter Johanna Wahl in Sandhausen dabei zu sein. Insgesamt erinnern 8 Steine an die jüdische Mitbürger, bevor sie verschleppt und ermordet wurden oder zur Flucht gezwungen waren. Die Schülerinnen des FEG, Hannah Weiser & Julia Gierlach, hatten sich intensiv mit den Biografien der Familien Wahl & Freund beschäftigt und Ihre Ergebnisse vorgetragen. Unterstützt wurden sie hierbei von ihrem Lehrer Dietmar Müller-Praefcke.

Bach-Lamento

„Dieses Ereignis ist deshalb so bedeutend, weil mit den Stolpersteinen die Erinnerungskultur eine ganz neue Qualität bekommt“ würdigte Bürgermeister Kletti die für den Folgetag geplante Installation der Stolpersteine durch den Kölner Künstler Gunter Demnig. Den Initiatoren Rainer Kraft und Sascha Krebs sowie dem Verkehrs- und Heimatverein, den Lehrern und Schülern des Friedrich-Ebert-Gymnasiums und auch allen anderen beteiligten Personen dankte er herzlich für deren Einsatz.

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