So funktioniert die Landtagswahl:
Wer hat im Wahlkreis Mandats-Chancen?

(fwu – 4.3.26) Bislang war Baden-Württemberg bei der Landtagswahl ein Sonderling: eine Stimme, keine Landeslisten, und wer den Wahlkreis nicht gewann, konnte trotzdem über „Zweitmandate“ reinkommen – je nachdem, wer im Wahlkreis am besten verloren hatte. Ab der Landtagswahl am 8. März 2026 ist damit Schluss. Der Landtag hat am 4. April 2022 das Wahlrecht geändert: Es gibt künftig zwei Stimmen, Erststimme und Zweitstimme, und die Parteien arbeiten mit Landeslisten. 

Warum hat man das gemacht? Offiziell, weil man damit zwei Dinge sauber trennt: Mit der Erststimme wählt man eine Person im Wahlkreis, mit der Zweitstimme eine Partei. Das gibt den Wählern mehr Freiheit, Kandidat und Partei zu mischen. Und es gibt Parteien mehr Möglichkeiten, ihre Mannschaft über Listen gezielter zusammenzustellen – zum Beispiel, um Frauen stärker nach vorn zu bringen, wenn man das denn wirklich will. 

Nebenbei: Die Reform war auch umstritten, weil viele befürchten, dass der Landtag dadurch noch größer werden könnte. 

So wird gewählt – ganz praktisch

Sie machen zwei Kreuze.

Zur Orientierung: Baden-Württemberg ist für die Landtagswahl in 70 Wahlkreise eingeteilt. In jedem Wahlkreis gibt es genau ein Direktmandat über die Erststimme.

Mit der Erststimme wählen Sie den Wahlkreiskandidaten. In jedem der 70 Wahlkreise gewinnt schlicht derjenige mit den meisten Erststimmen und zieht direkt in den Landtag ein. 

Mit der Zweitstimme wählen Sie die Landesliste einer Partei. Diese Zweitstimmen bestimmen, wie viele Sitze einer Partei insgesamt zustehen – vorausgesetzt, sie schafft landesweit die 5-Prozent-Hürde. Auch eine Partei ohne irgendeinen gewonnenen Wahlkreis kann über die Zweitstimme Sitze bekommen, wenn sie über 5 Prozent liegt. 

Wie viele „normale“ Sitze gibt es – und wie viele sind direkt?

Die Mindestgröße des Landtags beträgt 120 Sitze. Davon sind 70 Direktmandate, also die Wahlkreissiege über die Erststimme. Die übrigen Sitze werden über die Landeslisten vergeben. 

„Mindestgröße“ ist das entscheidende Wort. Baden-Württemberg kennt seit Jahren das Problem, dass der Landtag am Ende deutlich größer wird. Der aktuelle Landtag liegt bei 152 Abgeordneten – wegen Überhang und Ausgleich. 

Überhangmandate: Wenn eine Partei mehr Wahlkreise gewinnt, als ihr zustehen

Überhang entsteht so: Eine Partei gewinnt über die Erststimme sehr viele Wahlkreise, bekommt aber nach Zweitstimmen „eigentlich“ weniger Sitze. Dann behält sie trotzdem ihre direkt gewonnenen Mandate. Diese zusätzlichen Sitze heißen Überhangmandate. 

Das ist keine Spitzfindigkeit, sondern das Ding, das Parlamente aufbläht: Gerade große Parteien holen in vielen Wahlkreisen das Direktmandat. Wenn ihre Zweitstimmen nicht im selben Maß mitziehen, entstehen Überhänge. 

Ausgleichsmandate: Ja, gibt es – und genau die machen den Landtag oft noch größer

Damit die Sitzverteilung am Ende trotzdem wieder zum Zweitstimmenergebnis passt, bekommen die anderen Parteien zusätzliche Sitze. Das sind die Ausgleichsmandate. Ergebnis: Das Verhältnis wird „fairer“, der Landtag aber größer als 120. 

Wichtig für das Verständnis: Überhangmandate „helfen“ nicht automatisch Kandidaten weit hinten auf Listen. Überhang sind zusätzliche Sitze, die durch direkt gewonnene Wahlkreise belegt werden. Ausgleichssitze gehen an andere Parteien, nicht an den Überhang-Verursacher. 

Landeslisten: Was ein Listenplatz wirklich bedeutet

Die Parteien legen vor der Wahl fest, wer auf der Landesliste oben steht. Wenn einer Partei nach Zweitstimmen zum Beispiel sechs Sitze zustehen und sie keinen Wahlkreis gewinnt, dann kommen die Listenplätze 1 bis 6 rein. Gewinnt sie Wahlkreise, werden diese Direktgewinner zuerst gesetzt – und die restlichen Sitze werden aus der Liste aufgefüllt. 

Ein Detail, das viele übersehen: Wenn ein Wahlkreisgewinner zufällig selbst auf einem Listenplatz steht, „verbraucht“ er diesen Listenplatz nicht noch einmal. Die Liste rutscht an der Stelle weiter. 

Was heißt das für den Wahlkreis 37 Wiesloch?

Hier läuft es auf zwei getrennte Fragen hinaus.

Die Erststimme entscheidet, wer den Wahlkreis 37 direkt gewinnt. Wer hier vorn liegt, ist im Landtag – fertig.

Die Zweitstimme entscheidet, wie stark die Parteien landesweit sind und wie viele Listensitze sie insgesamt bekommen. Damit wird entschieden, wie viele Kandidaten von der Landesliste nachrücken, die keinen Wahlkreis gewonnen haben.

Der Blick auf die aktuelle Lage: Umfragen und harte Mathematik

Die neuesten veröffentlichten Umfragen (Stand Ende Januar 2026) sehen CDU bei 29 Prozent, Grüne bei 21 bis 23 Prozent, AfD bei 20 Prozent, SPD bei 8 bis 10 Prozent, Linke bei 7 Prozent und FDP bei 5 Prozent. 

Das sind Landeswerte. Für den einzelnen Wahlkreis sagen sie nur grob etwas aus. Aber für die Frage „Wie viele Listenplätze könnten ziehen?“ taugen sie.

Wenn man mit diesen Werten überschlägig auf die Mindestgröße 120 Sitze rechnet (und nur Parteien über 5 Prozent berücksichtigt), landet man ungefähr in dieser Größenordnung: CDU irgendwo um knapp 40 Sitze, Grüne knapp 30, AfD Mitte 20, SPD um die 12, Linke um die 9, FDP um die 6 bis 7. Das ist keine Sitzprognose auf den Punkt, sondern eine Hausnummer – weil am Ende Überhänge, Ausgleich und die exakte Sitzverteilungsmethode reinspielen. 

Die Kandidaten aus dem Wahlkreis 37: Wer ist über die Liste realistisch drin?

Claudia Felden

Claudia Felden (FDP) steht auf Listenplatz 4 der FDP-Landesliste. Damit ist die Sache brutal einfach: Wenn die FDP die 5-Prozent-Hürde schafft, ist Platz 4 nach normaler Lebenserfahrung „sicher“. Selbst wenn die FDP nur 6 Sitze bekäme, wäre sie dabei. Die eigentliche Wackelstelle ist nicht Frau Felden, sondern die FDP selbst: In den aktuellen Umfragen steht sie exakt bei 5 Prozent – das ist die klassische Zitterpartie. Wenn die FDP die Hürde knackt, wird Frau Felden in den Landtag einrücken und ihr Bürgermeisteramt als Bürgermeisterin von Leimen aufgeben. 

Christiane Staab

Christiane Staab (CDU) ist bereits Landtagsabgeordnete, aber nach Ihrer Angabe nicht über einen sicheren CDU-Listenplatz abgesichert. Das bedeutet: Für sie zählt im Kern die Erststimme im Wahlkreis 37. Gewinnt sie den Wahlkreis, ist sie drin. Gewinnt sie ihn nicht, hilft ihr die CDU-Zweitstimme im Land allein nicht, wenn sie über die Liste nicht zum Zug kommt. So simpel, so hart.

Xenia Rösch

Xenia Rösch (SPD) steht auf Listenplatz 30 der SPD-Landesliste. Bei SPD-Werten um 8 bis 10 Prozent kommt die SPD überschlägig auf etwa ein Dutzend Sitze. Damit reicht die Liste im Normalfall nicht annähernd bis Platz 30. Selbst ein deutlich größerer Landtag durch Ausgleich würde das kaum drehen: Um 30 Sitze zu bekommen, bräuchte die SPD grob ein ganz anderes Zweitstimmenergebnis oder einen Landtag, der völlig aus dem Ruder läuft. Über die Liste ist das nach heutigem Stand extrem unwahrscheinlich. 

Yannick Veits

Yannick Veits (Grüne) steht auf Listenplatz 38 der Grünen-Landesliste. Mit rund 22 Prozent liegen die Grünen überschlägig bei knapp 30 Sitzen. Es könnte also nur reichen, wenn die Grünen deutlich besser abschneiden, wenn der Landtag erheblich größer wird oder wenn sich durch Direktmandate und Nachrück-Effekte Verschiebungen ergeben. Sicher ist das nicht. Wenn er im Wahlkreis stark genug ist, ist der direkt gewonnene Wahlkreis der deutlich verlässlichere Weg.

Thomas Nitz

Thomas Nitz (AfD) steht auf Listenplatz 51 der AfD-Landesliste. Mit einem AfD-Ergebnis um 20 Prozent landet die AfD überschlägig irgendwo im Bereich von 20 bis 30 Sitzen. Listenplatz 51 ist davon weit weg. Damit er über die Liste reinkommt, müsste die AfD entweder Richtung 40 Prozent marschieren oder der Landtag in absurde Größen wachsen. Beides ist nach den aktuellen Umfragen nicht in Sicht. Realistisch ist das nicht, die Wahrscheinlichkeit ist sehr nahe bei null.

LeimenBlog.de Ihre lokale Internetzeitung für Leimen, Nußloch, Sandhausen

Kurz-URL: https://leimenblog.de/?p=199989

Sie müssen eingeloggt sein, um kommentieren zu können. Login

Werbung / Anzeigen

Mattern Optik - Banner 300 - 4
6581 - Elektro Lutsch Banner 300c

Autoglas300x120

Dr Ullrich -  Banner 300 - 2015
Turmapotheke Logo NEU 300x120

Spargelhof Köllner Logo 300x120

Gallery

22511-Fasnachtsumzug-Nussloch-30 22511-Fasnachtsumzug-Nussloch-29 22511-Fasnachtsumzug-Nussloch-28 22511-Fasnachtsumzug-Nussloch-27 22511-Fasnachtsumzug-Nussloch-26 22511-Fasnachtsumzug-Nussloch-25 22511-Fasnachtsumzug-Nussloch-24 22511-Fasnachtsumzug-Nussloch-23 22511-Fasnachtsumzug-Nussloch-22

Werbung

Letzte Fotoserie:

22511-Fasnachtsumzug-Nussloch-30 22511-Fasnachtsumzug-Nussloch-29 22511-Fasnachtsumzug-Nussloch-28 22511-Fasnachtsumzug-Nussloch-27 22511-Fasnachtsumzug-Nussloch-26 22511-Fasnachtsumzug-Nussloch-25

Fotogalerie

Anmelden | Entworfen von Gabfire themes

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Informationen...

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen