SV Sandhausen-Profi Manuel Stiefler spendet Stammzellen für Leukämiepatienten

Mittelfeldspieler des SV Sandhausen ist seit 2011 bei der Stefan-Morsch-Stiftung typisiert – Jetzt konnte er helfen

3861 - Stammzellenspende Stiefler(Während die Spieler der deutschen Nationalmannschaft in Brasilien darum kämpfen, in den nächsten Wochen die Fußball-Helden der Nation zu werden, hat ein anderer deutscher Fußball-Profi sich selbst eine große Aufgabe gestellt. Manuel Stiefler, Mittelfeldspieler beim SV Sandhausen, will ein Leben retten. Der 25-Jährige ist seit drei Jahren als Stammzellspender bei der Stefan-Morsch-Stiftung registriert. Wenige Tage vor dem Start der WM konnte er einem ihm völlig fremden Menschen helfen. Einem an Leukämie erkrankten Menschen, der ohne die Spende von Manuel Stiefler keine Chance hätte den Blutkrebs zu besiegen.

Den ersten Schritt dazu hat Manuel Stiefler vor drei Jahren getan: 2011 ist ein Spieler Spieler des SV Elversberg an Leukämie erkrankt. Familie, Freunde und der Verein rufen im ganzen Saarland zusammen mit der Stefan-Morsch-Stiftung zur Typisierung – zur Registrierung als Stammzellspender – auf. Manuel Stiefler spielt damals beim FC Saarbrücken: „Das war keine Frage, dass wir helfen wollten. Die ganze Mannschaft hat sich damals typisieren lassen“, erzählt der Spieler, der nun dazu beitragen will, dass mehr Menschen darüber aufgeklärt werden, wie jeder gesunde Erwachsene durch eine Stammzellspende das Leben von Leukämie- und Tumorkranken retten kann.

Er weiß: Jedes Jahr erkrankten 11 000 Menschen an Leukämie – allein in Deutschland. Mal trifft es ein Kind, mal eine Mutter von drei Kindern, mal einen Fußballkameraden. Wenn Chemotherapie und/oder Bestrahlung nicht helfen, braucht der Patient ein neues, gesundes blutbildendes System: Stammzellen eines Menschen, der die gleichen genetischen Merkmale besitzt. Gibt es in der Familie keinen passenden Spender wird in den weltweit vernetzten Stammzellspenderdatein – wie der Stefan-Morsch-Stiftung – nach einem Menschen gesucht, der freiwillig und unentgeltlich hilft.

Mitten in der Saison bekam Manuel Stiefler die Nachricht von der Stefan-Morsch-Stiftung, dass er gebraucht wird. Er wurde noch einmal gefragt, ob er bereit sei zu spenden. Die Antwort war: „Ja!“ Familie, Freunde und auch der SV Sandhausen unterstützten ihn in allem, was nun folgte. Denn wie jeder andere Spender musste sich auch der durchtrainierte Fußball-Profi von Kopf bis Fuß durchchecken lassen. Dabei geht es darum abzuklären, ob er wirklich der am besten passende Spender ist. Aber vor allem Dingen geht es auch darum, sicher zu stellen, dass durch die Entnahme der Stammzellen für die Spender kein Risiko besteht.

Um die Stammzellen beim Spender zu entnehmen gibt es heute zwei Varianten: Bei der klassischen Methode der Knochenmarkspende entnehmen Mediziner etwa 0,8 bis 1,5 Liter Knochenmark-Blut-Gemisch aus dem Beckenknochen des Spenders – niemals aus dem Rückenmark. Dieser Eingriff dauert zirka eine Stunde. Die zweite Methode ist die Entnahme peripherer Blutstammzellen aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Plasmaspende oder Dialyse. Dazu wird dem Spender vorher ein körpereigener Botenstoff verabreicht, der die Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut übergehen lässt. Dieser Botenstoff löst beim Spender im Vorfeld oft grippeähnliche Symptome – wie Kopf- und Gliederschmerzen aus. Diese verschwinden aber mit der Entnahme der Stammzellen.

Als Profi-Sportler muss sich Manuel Stiefler regelmäßig Dopingkontrollen unterziehen. Jedes Medikament muss überprüft werden. So wurde auch in seinem Fall mit der Nada (Nationalen Anti-Doping-Agentur) abgeklärt, dass der verabreichte Botenstoff (GCSF) keinerlei leistungssteigernde Wirkung hat. Ebenfalls musste gemeldet werden, dass die durch die Apherese (Entnahme peripherer Blutstammzellen) kein unzulässiger Vorteil für den Spieler entsteht. Dann stand fest: Die Stammzellapherese hat einen einzigen Gewinner: der Leukämiepatient für den Manuel Stiefler spendet.

Während sich also Manuel Stiefler auf die Entnahme vorbereitet hat, wurde auch sein ihm unbekannter Patient konditioniert. Denn sein Immunsystem muss soweit ausgeschaltet werden, dass der Körper die fremden Stammzellen auch annimmt. Wenn der Spender nun in dieser Phase ausfallen würde, wäre das Leben des Patienten massiv gefährdet. Aber die Bundesliga hatte die Saison abgeschlossen und Manuel Stiefler konnte ungehindert mit seiner Freundin nach Birkenfeld in die Entnahmestation der Stefan-Morsch-Stiftung reisen. „Ich hatte nur ungewohnte Rückenschmerzen als Nebenwirkungen des Botenstoff“, erzählt der Fußballer, der in seiner Freizeit gerne Tennisspielt und ansonsten seine Familie in der Nähe von Bayreuth besucht. Die Entnahme verlief problemlos: „Ich freue mich, dass ich helfen kann.“ Bei seinen jetzigen Mannschaftskollegen in Sandhausen, hat er Aufklärungsarbeit geleistet. „Die wollten natürlich genau wissen wie das funktioniert.

Emil Morsch ist begeistert vom Engagement des Sportlers: „Das Beispiel von Manuel Stiefler zeigt, dass eine solche Typisierungsaktion immer nachhaltige Wirkung hat. Die Typisierung – damals 2011 im Saarland – bietet die Chance, dass nach Jahren, aber auch noch Jahrzehnte später Leben gerettet werden kann. Zugleich wird durch einen solchen Aufruf diese weitestgehend unbeachtete Form der Lebendspende in der Öffentlichkeit thematisiert – gerade, wenn sich Sportler wie Manuel Stiefler dafür stark machen.“

Wie wird man Stammzellspender?

Prinzipiell kann sich jeder gesunde Erwachsene zwischen 18 und 40 Jahren registrieren lassen. Informationen über Ausschlussgründe lassen sich auf der Internetseite der Stefan-Morsch-Stiftung (www.stefan-morsch-stiftung.de) nachlesen. Die Typisierung ist für alle Spender kostenlos, jedoch werden Spenden zur Finanzierung der Blutuntersuchungen gerne entgegen genommen – da jede Blutanalyse mindestens 50 Euro kostet.

Die aktuellen Termine für die Typisierungsaktionen der Stefan-Morsch-Stiftung findet man auf der Internetseite (www.stefan-morsch-Stiftung.de). Zudem gibt es die Möglichkeit sich über die Homepage auch Online registrieren zu lassen. Über den Button „Online-Registrierung“ auf der Startseite kann man sich eingehend informieren, die Einverständniserklärung ausfüllen und sich ein Entnahmeset zuschicken lassen – entweder für eine kleine Blutprobe oder einen Abstrich der Mundschleimhaut. In dem Päckchen ist das entsprechende Material, um sich bei seinem Hausarzt eine Blutprobe entnehmen zu lassen oder den Wangenabstrich durchzuführen. Dieses Päckchen wird dann einfach an die Stefan-Morsch-Stiftung zurückgesendet. Falls Sie Fragen zu den Ausschlusskriterien haben, rufen Sie einfach unsere gebührenfreie Hotline (08 00 – 766 77 24) an.

Hintergrund:

Die Stefan-Morsch-Stiftung mit Sitz in Birkenfeld ist die älteste Stammzellspenderdatei Deutschlands. Unter dem Leitmotiv “Hoffen – Helfen – Heilen“ bietet die gemeinnützige Stiftung seit 1986 Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke. Hauptziel der Stiftung ist, Menschen zu werben, sich als Stammzellspender registrieren zu lassen. So werden täglich Stammzell- oder Knochenmarkspender aus der stiftungseigenen Spenderdatei von ca. 380 000 potentiellen Lebensrettern weltweit vermittelt. Die Stiftung ist Mitglied der Stiftung Knochenmark- und Stammzellspende Deutschland (SKD).

Hilfe für Patienten: Die Stefan-Morsch-Stiftung unterstützt und berät Patienten und ihre Angehörigen. Wir leisten Hilfestellung bei der Vermittlung von Kliniken oder Ärzten, stehen aber auch den Patienten nach der Transplantation beratend zur Seite. Die Stiftung gibt zudem finanzielle Hilfen. So können ungedeckte Kosten des Patienten, die durch eine Leukämie-Erkrankung entstanden sind und zu einer wirtschaftlichen Notlage geführt haben, übernommen werden.

Text und Foto: STEFAN-MORSCH-STIFTUNG

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