Verband zur Erhaltung der Kulturlandschaften feiert 10-jähriges Jubiläum

(lev – 25.2.23) Wenn es wieder wärmer wird, zieht es uns vermehrt nach draußen. Gern radelt man an Streuobstwiesen entlang, durchwandert buntblühende Wiesentäler oder genießt die Aussicht von steilen Weinbergterrassen auf die Ebene. Auch die Rheinauen haben ihre Reize. Doch was für Erholungssuchende meist nur wohltuende Kulisse ist, stellt für Flora und Fauna den angestammten Lebensraum dar, ohne den es sie schlicht nicht gäbe.

Zwar sind die wenigsten Flecken unserer Heimat unberührte Natur, aber in den über Jahrhunderte entstandenen Kulturlandschaften finden sich durch ihre Vielfalt artenreiche Lebensgemeinschaften. In einer Streuobstwiese etwa leben 5.000 Arten! Doch die verbliebenen Naturräume müssen gesichert und gepflegt werden, denn in den letzten Jahrzehnten gingen durch Flächenverbrauch, Intensivierung der Landwirtschaft und Nutzungsaufgabe schon sehr viele verloren. Überließe man Flächen einfach sich selbst, würde irgendwann Wald entstehen. Natürlich ist auch dieser wichtig und wertvoll, aber die offenen Kulturlandschaften – und damit vielfältige, artenreiche Lebensräume – sind ungleich gefährdeter. Diese zu bewahren ist die Hauptaufgabe der Landschafts-Erhaltungsverbände.

Zu diesen, kurz LEV genannten, freiwilligen Bündnissen haben sich Städte und Gemeinden, Vertreter der Landwirtschaft und Naturschutz-Organisationen gleichberechtigt zusammengefunden. LEV sind im Naturschutzgesetz verankert, und es gibt sie inzwischen in fast jedem Landkreis in Baden-Württemberg. Der LEV Rhein-Neckar e. V. mit Sitz in Sinsheim wurde vor genau 10 Jahren gegründet und beschäftigt derzeit 5 Mitarbeitende. Fast alle Kommunen des Kreises gehören ihm an.

Er ist vor allem mit Maßnahmen zur Landschaftspflege befasst, um die Offenlandbereiche zu erhalten. Darüber hinaus setzt er die sogenannten Natura 2000-Managementpläne um, die der Förderung und dem Erhalt eines Schutzgebietsnetzes dienen, das sich über ganz Europa erstreckt und auch im hiesigen Landkreis Schutzgebietsflächen ausweist. Daneben bietet der LEV kostenlose Kurse für Bauhöfe mit naturfachlichem Bezug an und kümmern sich um das Thema Umweltbildung. Dazu wurden etwa für die Grünen Klassenzimmer Streuobstpädagogen ausgebildet. Es fanden und finden weiterhin zahlreiche Landschaftspflegetage mit Freiwilligen statt, und der LEV präsentiert seine Aufgaben und Projekte auf verschiedenen Veranstaltungen.

Je nach Naturraum unterscheiden sich die Herausforderungen an den LEV. In der Rheinebene etwas gibt es viele landwirtschaftlich genutzte Flächen, dichte Besiedelung und ein Geflecht aus Verkehrswegen. Hier ist der LEV bemüht, mit Landwirten einen Konsens zu finden, um landwirtschaftlichen Flächen extensiver zu bewirtschaften. Teilflächen können stillgelegt oder als Blühbrachen angelegt werden. bestehende Hecken werden gepflegt, bevor sie zu Baumreihen durchwachsen, oder neue angelegt, damit etwa Insekten, Rebhühner und Feldhasen Lebensraum und Nahrung vorfinden.

Gerade in der dicht besiedelten Ebene versucht der Landschaftserhaltungsverband, die noch vorhandenen Lebensräume von Tieren und Pflanzen mittels Korridoren zu vernetzen, damit die Gesamtpopulation gesichert wird und ein genetischer Austausch stattfinden kann. Dazu dient der sogenannte Biotopverbund. Zu diesem wichtigen Thema berät der LEV die Kommunen von der Planung über Fördermöglichkeiten bis zur Umsetzung.

Im Odenwald, Kraichgau und an der Bergstraße führt dagegen nicht die intensive Nutzung, sondern eher deren Aufgabe zum Verlust wertvoller Flächen. Als man Gemüse, Obst und Saft noch nicht ganzjährig überall kaufen konnte, hatten die meisten Familien Parzellen zum Eigenanbau. Auch die Haltung von Ziegen, Kaninchen und Hühnern war üblich, aber erforderte Grünfutter, Heu und Einstreu. Heute ist zwar ein gewisser Trend zurück zu erkennen, aber sehr viele ehemalige Streuobstwiesen, Weinberge, Weiden und Mähwiesen wurden irgendwann aufgegeben, werden nicht mehr gepflegt und verwildern. In der Folge kommen u.a. Brombeeren, Schlehen oder Adlerfarn auf, und die ehemals offene Landschaft wächst zu. Trockenmauern, die sehr wertvolle Lebensräume darstellen, verfallen und werden von Gebüsch vereinnahmt. Die Artenvielfalt nimmt ab. Solche Flächen versucht der LEV wiederherzustellen bzw. wieder in die Nutzung zu bringen und auf Dauer zu erhalten.

Bis die eigentlichen Landschaftspflegemaßnahmen beginnen können, ist es jedoch ein langer Weg! Da muss der Eigentümer ermittelt und sein Einverständnis eingeholt werden – bei in alle Welt verstreuten Erbengemeinschaften eine echte Herausforderung. Bei der Planung der Maßnahmen arbeitet der LEV sehr eng mit der Unteren Naturschutz- und der Unteren Landwirtschaftsbehörde zusammen und spricht sich auch noch mit weiteren involvierten Stellen, etwa dem Forst oder dem Wasserrechtsamt, ab. Zu den Projekten werden die LEV-eigenen Gremien gehört und Naturschutzmittel des Landes Baden-Württembergs beantragt. Schließlich wird ein geeigneter Dienstleister, meist ein örtlicher Landwirt, gesucht und beauftragt. Die meisten Arbeiten dürfen darüber hinaus aus Naturschutzgründen nur im Winter durchgeführt werden.

Vorwiegend in der warmen Jahreszeit sind aber vierbeinige Landschaftspfleger tätig: Wenn auf völlig zugewachsenen Flächen als erste Pflegemaßnahme überzählige Gehölze entfernt wurden, setzt der LEV zur Folgepflege nach Möglichkeit auf Ziegen, Schafe oder Rinder robuster Rassen. Nicht jede Art und Rasse ist für jede Projektfläche geeignet. So werden Ziegen zwar mit dornigem Gebüsch fertig, vertragen aber keine nassen Böden.

Zieht ein Wanderschäfer mit blökender Herde und eifrigen Hunden durch ein schönes, offenes Wiesental, hat also vielleicht auch der LEV Rhein-Neckar e. V. seine Hand im Spiel gehabt. Der Spaziergänger schaut gerne zu. Und der seltene Wiesenknopf-Ameisenbläuling, der dort herumflattert, hat eine Zukunft, denn auf solchen extensiv genutzten Flächen wächst der Große Wiesenknopf, die Futterpflanze seiner Raupen.

Auch zukünftig wird sich der LEV auf vielfältige Weise für die Erhaltung unserer Kulturlandschaften engagieren, wo Mensch und Natur eine Heimat haben.

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