Vernissage zum Passionsaltar in Herz-Jesu-Kirche – Passion für heutige Zeit übersetzt

(gh – 5.5.15) Wo lässt sich heute noch die Bedeutung von Schuld und Sühne entdecken? Welche existentiellen Fragen weckt die Passion Jesu Christi? Welche Wirkkraft kann Tradition heute entfalten? Ansätze und Antworten bot am 3. Mai die Vernissage zum Passionsaltar „Schuld und Sühne“ von Bernhard Apfel in der Herz-Jesu-Kirche in Leimen.

5124 - Passionsaltar mit Kreuzigungsgruppe komprÜblicherweise zieht in der Herz-Jesu-Kirche in Leimen eine wuchtige Kreuzigungsgruppe die Blicke auf sich. Seit dem 3. Mai – bis zum 26. Juni – wird die Aufmerksamkeit auf eine andere Form der Darstellung des Leidens und Sterbens Jesu Christi gelenkt: Der Passionsaltar, den Bernhard Apfel 2010 im Auftrag der Jesuitenkirche in Heidelberg gestaltet hat und der 2011 durch ein Kunstprojekt mit Strafgefangenen des „Faulen Pelz“ in Heidelberg eine ganz eigene Prägung bekommen hat.

5124 - Passionsaltar Detail 1In der Vernissage stellte der in Oberbayern geborene und mittlerweile in Leimen lebende Künstler sein Werk selbst vor. Dabei wurde deutlich, dass Apfel aus der großen Tradition der Kunstgeschichte schöpft und sich davon inspirieren lässt. Die Form des Altars erinnert an spätgotische Flügelaltäre, die Schnitzereien an Tilman Riemenschneider, die Darstellungen oftmals an Matthias Grünewald. Apfel bleibt jedoch nicht in der Vergangenheit stehen, sondern verarbeitet die Gegenwart: ob Cola-Dosen, ein Teufelchen im Anzug, Zeitungsausschnitte, Wasserhähne, und viele weitere Elemente: sie verbinden sich mit eindrücklich gestalteten Szenen aus der Passionserzählung nach Johannes und stellen so einen intensiven Bezug zwischen dem Leiden und Sterben Jesu und der Situation heutiger Menschen.

2124 - Rückseite Verurteilung komprHermann Bunse, Pastoralreferent in der Citypastoral Heidelberg und Gefängnisseelsorger in der JVA Heidelberg „Fauler Pelz“, brachte in die Vernissage die existentielle und theologische Perspektive des Altars ein. Er initiierte den Altar, sowie im Jahr 2011 ein Projekt, das den Gegenwartsbezug des Altars noch verdichtete: Gefangene der JVA Heidelberg, sowohl Männer als auch Frauen, setzten sich unter Anleitung von Apfel und Bunse mit dem Altar auseinander und gestalteten selbst die Rückseiten der drehbaren Altartafeln. Die Insassen des „Faulen Pelz“ entdeckten Verbindungslinien zum einen Leben und brachten diese zum Ausdruck. Das Ergebnis für den Betrachter: er/sie nimmt im Licht der Passion die besondere Situation von Gefangenen intensiver wahr und entdeckt gleichzeitig durch den existentiellen Bezug die Passion Jesu Christi neu. Themen wie „Verurteilung“, „Angegafft werden“, „Schuld“, „in Ketten liegen“, „Wunden“ und viele mehr lassen sich aus beiden Perspektiven wahrnehmen. Und sie werfen die Frage auf, welche Assoziationen, Erlebnisse und Erfahrungen der Betrachter des Altars selbst für sich entdeckt.

5124 - Passionsaltar Detail 6Der Altar und die Zusammenhänge, in denen er entstand, verdienen es, dass man sich damit auseinandersetzt. Es ist vielelicht kein einfaches, aber bestimmt ein lohnendes Unterfangen, sich in die Passion Christi und in die Situation von Gefangenen zu vertiefen, und dabei die eigenen Zugänge zu entdecken. Möglich ist dies noch bis zum 26. Juni 2015. So lange wird der Altar in der Herz-Jesu-Kirche zu sehen sein, täglich von 9 bis 18 Uhr zur Zeit der offenen Kirche. Darüber hinaus bieten einige Veranstaltungen die Chance, sich zusammen mit anderen auf die Entdeckungsreise durch den Passionsaltar zu begeben:

  • Sonntag, 17. Mai 2015 um 18:00 Uhr Maigottesdienst im Kontext der Passionsgeschichte  nach Johannes
  • Donnerstag, 21. Mai 2015 um 14:30 Uhr ökumenische Seniorenveranstaltung mit dem Künstler Bernhard Apfel
  • Sonntag, 14. Juni 2015  um 10:30 Uhr Patrozinium, Gestaltung des Gottesdienstes durch  die Ministranten, musikalische Gestaltung durch den Kirchenchor und Cantiamo unter der Leitung von Melanie Jäger
  • Donnerstag, 18. Juni 2015 um 19:30 Uhr Dialog zum Passionsaltar mit der Kunstpädagogin Gisela Sieron und dem Künstler Erich Kraft
  • Freitag, 26. Juni 2015 um 21:00 Uhr Finissage mit der Flötistin Ute Schleich und dem Projektchor unter der Leitung von Melanie Jäger, Lichtinstallationen von Burkhard Doerr.

Aktuelle Informationen erhalten Sie auf der Homepage der Seelsorgeeinheit: www.kath-LNS.de

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