„Völlig losgelöst“ beim Musikverein Sandhausen in der Festhalle… und ab ging die Rakete

(von Jutta Staudt – 10.1.23) Man konnte es kaum erwarten! Endlich fand wieder ein Neujahrskonzert statt und das setzte wirklich Maßstäbe. Dieses Mal war als Konzertthema, unsere Galaxy, mit Planeten, Monden, Raumschiffen etc. gewählt worden und der Musikverein Sandhausen hob ab.

Pünktlich um 15 Uhr füllte sich die Halle rasch und man wartete mit Spannung auf das, was da kommen möge. Angelika Burkhardt, die 1. Vorsitzende des Musikvereins begrüßte alle Gäste sehr herzlich und wünschte allen ein frohes, glückliches, gesundes, friedvolles und erfolgreiches Jahr 2023.

Gleich danach war das Jugendorchester des Vereins an der Reihe. Weil nun mal das Musizieren in einer großen Gemeinschaft mehr Spaß macht, hatten sich die Jugendorchester der Musikvereine Sandhausen und Nußloch, vor ca. 3 Monaten, zusammengeschlossen.

Diese Kooperation ist bestens gelungen, wie das Jugendorchester sogleich bewies, mit dem Stück „Jupiter Hymne“. Dieses stammt aus dem 4. Satz der Suite „The Planets“ des englischen Komponisten Gustav Holst. Das Stück wurde 1918 uraufgeführt und gilt als eines der farbenreichsten Beispiele für Orchesterliteratur des 20. Jahrhundert. Für ein Jugendorchester sicherlich ein hoher Maßstab, der sehr gut und mit sichtlicher Freude bewältigt wurde. Das bombastische Musikstück eignete sich perfekt zur Konzerteröffnung.

Sebastian Raffelsberger führte sehr unterhaltsam und mit genau der richtigen Dosis von Informationen durch das Konzertprogramm. Erst 2 Tage vor seinem Auftritt hatte er sich kurzfristig bereiterklärt, als Krankheitsvertretung, den Job als Conférencier, zu übernehmen. Herr Raffelsberger, hat dieses Mal auch außerhalb eines Orchesters, auf der Bühne geglänzt, er ist nun mal vom Fach. Als studierter, preisgekrönter Oboist, spielt er nicht nur in sehr namhaften Orchestern, sondern widmet sich auch dem Arrangieren von Musikstücken.

Weiter gings mit Doctor Who, „Through Time and Space“. Aus der weltweit am längsten laufenden und kultigen Weltraumserie der BBC,schuf der Komponist Murray zahlreiche neue dramatische und emotionale Melodien. Jutta Worsch, die Dirigentin des Jugendorchesters, hatte Ihre Schützlinge auf den Punkt vorbereitet. Die Jungs und Mädels des Orchesters gaben alles und das Publikum spendete sehr viel Applaus. Jetzt rief wieder der Weltraum.

Rogue One: A Star Wars Story von Michael Giacchino.

Innerhalb von vier Wochen war ein derartiges Soundtrack-Album komponiert worden, eine äußerst bemerkenswerte Leistung. Der Film war fertig und die Filmmusik, immerhin 2 Stunden lang, mußte noch komponiert werden. Michael Giacchino sprang ein und meisterte diese Herkulesaufgabe mit Bravour. Und genau so wurde das Musikstück vom Musikverein auch vorgetragen, mit Bravour.

Liebes Jugendorchester, Ihr ward wieder klasse! Weiter so!

Jetzt plötzlich, fast völlige Dunkelheit herrschte auf der Bühne, nur vereinzelte Notenlichter ließ das große Orchester erahnen. Das Tiefblech wummerte vor sich hin, bis plötzlich sehr bekannte Paukenschläge die Stille jäh durchbrachen. Danach stimmten laut die Posaunen und Trompeten ein. Da war es klar, bombastischer konnte es nicht mehr werden, es handelte sich um das Stück

„Also sprach Zarathustra“ , eine der monumentalsten und beeindruckensten Orchesterwerke des 19. Jahrhunderts komponiert von Richard Strauss. Es wurde die berühmte Fanfare aufgeführt, zuletzt war sie, als Filmmusik 2001, Odysee im Weltraum, wieder zu Ehren gekommen.

Das Publikum hieß das große Orchester mit viel Beifall willkommen auf der Bühne. Klassisch ging es dann auch gleich weiter, mit dem von E. Hildenbrand arrangierten „Klassik Panorama“.

Ein bunter Strauß von berühmten und eingängigen Melodien der Klassik. Zuerst ging die Reise nach Italien, mit Capriccio Italien,(Tschaikowsky), dann wurde zu einer Hochzeit marschiert (Hochzeitsmarsch, F. M.-Bartholdy), anschließend ging es im Menuettschritt, (J. Haydn), entlang der schönen blauen Donau (B. Smetana), wo man schließlich auf die schwungvolle Carmen (G, Bizet) traf. Das Publikum ging fröhlich, beschwingt mit und spendete großen Applaus!

Was wären Filme wie Star Wars, Jurassic Park, Indiana Jones oder viele andere berühmte Hollywoodproduktionen ohne die musikalische Handschrift eines der größten Musikgenies unserer Zeit? John Williams war gefragt, der mehrfache Oscar und Grammygewinner. Aufgeführt wurde das Arrangement von Paul Lavander, „John Williams in Concert“.

Es folgte ein Feuerwerk von Blockbusterfilmmusiken, wie E.T der Außerirdische, The Mission Theme, The Imperial March, Star Wars, Cantina Band, Theme von Jaws und man hatte keine Kosten und Mühen gescheut, selbst Der Weiße Hai, wurde auf die Bühne gezaubert. Bei den berühmten Tonfolgen des Films, sah sich auch so mancher ängstlich um…Leider hat der Film dem Ansehen von Haien sehr geschadet, nicht alle Haiarten sind für Menschen gefährlich und…Haie wollen schließlich auch nur leben und schon gar nicht in der Suppe landen. Noch heute, viele, viele Jahre nach diesem Film wird man als Taucher immer wieder gefragt, ob man nicht große Angst vor Haien hat. Diese Melodie hat sich eingeprägt! Das Potpourri wurde genial gespielt, es war für jeden etwas dabei, niemand war gebissen worden und so konnte fröhlich applaudiert werden. Rasch wurde sich wieder der Zukunft zugewandt.

Futuro 2000 schildert in unterhaltender Tonsprache, welche visonären, aber auch welche ernüchternden Gedanken einen Komponisten unmittelbar vor dem Anbruch eines neuen Jahrtausends bewegen. Von veränderter Arbeits-, und Freizeitgestaltung, über die Raumfahrt, bis schließlich zur Urlaubsreise zu fernen Planeten. Das Stück beginnt sehr schnell und stellt den Aufbruch ins neue Jahrtausend dar. Danach folgt ein eher romantisch anmutender Teil, mit Trompetensoli. Gleich darauf beginnt die Ernüchterung, auch ein schnellerer Abschnitt, bevor dann musikalisch die Urlaubsrakete, zu fernen Welten startet. Grandios!

Jetzt hatte man sich eine kurze Pause verdient. Zeit sich gegenseitig zu begrüßen, die besten Neujahrswünsche zu teilen, oder sich mit frischen Brezeln und einem Getränk zu stärken. Prosit Neujahr eben.

Aber sogleich riefen 3 Trompeter mit einer Fanfare zum Beginn des zweiten Konzertteils, welches traditionell immer etwas mehr der Unterhaltungsmusik gewidmet ist. Der mittlerweile auch schon langjährige Dirigent des großen Orchesters, Stanislav Klimov, hatte seine Musikerinnen und Musiker nicht nur wieder perfekt vorbereitet und eingeschworen, er ist auch immer für ein Späßchen gut. Was passt zu einem schmissigen Udo-Jürgens-Medley als Outfit, na? Natürlich der berühmte weiße Bademantel, in dem Udo Jürgens immer zum Ende seiner Konzerte mit einer Tasse Kamillentee an seinem Klavier Platz nahm.

Passend erschien Stanislav Klimov mit einem weißen Bademantel und sorgte schon vor dem 1. Ton wieder für beste Stimmung. Udo Jürgens, wer kennt ihn nicht, der begnadete und berühmte Musiker und Sänger, der leider schon 2014 verstorben ist? Jeder kann aus dem Stehgreif einige seiner Hits benennen. In dem Arrangement von Kurt Gäble kamen alle Udofans voll auf Ihre Kosten.

Das Arrangement wurde fast allen Schaffensperioden gerecht. Los gings mit: 17 Jahr blondes Haar, Mit 66 Jahren, Aber bitte mit Sahne, Mercy Cherie, Griechischer Wein. Natürlich durfte auch das ehrenwerte Haus nicht fehlen.

Die Stimmung war auf dem Höhepunkt in der Halle. Da wurde geklatscht, textsicher aus voller Brust mitgesungen, mit den Füßen gewippt und wie Donnerhall applaudiert.

Mit „Apollo 11. Mission to the Moon“konnte man den ersten Besuch auf unserem Trabanten dem Mond förmlich miterleben. Zuerst folgte ein Countdown der Besucher und der Musiker, bevor beim Lift off die Rakete musikalisch gestartet wurde und kraftvoll durch das Orbit flog, um nach 384.400 km und etlichen Mondumrundungen schließlich die Raumfähre ( Eagle, der Adler) mit Neil Armstrong und Buzz Aldrin auf dem Mond landen zu lassen. Otto M. Schwarz hat das fast unglaubliche Geschehen, welches schon vor 58 Jahren stattfand, perfekt musikalisch umgesetzt. Man konnte die Mondmission vom Countdown bis zur Mondlandung musikalisch live in der Festhalle in Sandhausen erleben. Alle Mondfahrer und Mondfahrerinnen im Publikum waren wiederum begeistert und startklar für die nächste Mission:

Guardians of the Galaxy.

Das Orchester beherrscht nicht nur die Instrumente und verfügt über phantastisches Taktgefühl, sondern auch gesanglich braucht man sich nicht zu verstecken. Zugegeben, es war mit „Huckatschakka, huckatschakka, nicht gerade der komplizierteste Text und auch nicht sehr anspruchsvoll… aber es passte genau zum Beginn von Hooked on a Feeling. Come and get your Love folgte, Groot Cocoon, über Cherry Bomb und endetet schließlich im Hit, Ain´t No Mountain High Enough. Alles Musikstücke, die in der bekannten Weltraumserie, mit dem putzigen, durch Genexperimente und Chirurgie entstandenen Waschbären Rocket Racoon,vorkommen.

Ein sehr abwechslungsreiches und schwungvolles Medley, arrangiert von Michael Brown, perfekt interpretiert, vom Großen Orchester in Sandhausen.

Angelika Burkhardt sprach allen Mitwirkenden Ihren besonderen Dank aus und bedachte die Dirigenten, Stanislav Klimov und Jutta Worsch ,sowie Sebastian Raffelsberger (Conferencier) und Viola Worsch (entwickelte das Layout der Plakate und Eintrittskarten) mit einem kleinen Geschenk und einem herzlichen Dankeschön des Vereins.

Bei der nächsten Stückefolge konnte wirklich niemand mehr ruhig auf den Stühlen sitzen.

Glenn Miller ging mit einem Medley, arrangiert von Naohiro Iwai, seiner brühmesten Stücke an den Start, mit Little Brown Jug, In the Mood. Tuxedo Junction, American Patrol und seiner weltberühmten Moonlight Serenade. Glenn Miller, der seit einem Flugzeugabsturz 1944 über dem Ärmelkanal vermisst wird, war ein herausragender Musiker, Bandleader und großartiger Vertreter des amerikanischen Bigbandsounds. Hier war jetzt auch die Stunde der Solisten gekommen, Johannes Bauer; Klarinette, Thomas Necker; Trompete und Emanuel Staudt; Saxophon, brillierten an Ihren Instrumenten. Überhaupt war die Leistung der Orchester eine allgemeine Glanzleistung. Perfekt ausgeführte Einsätze und eine sehr gute Instrumentenbeherrschung, rundeten den sehr, sehr positiven Eindruck ab. Da ging aber noch mehr.

Jetzt wurden alle Register gezogen.

Aber von vorne: Die 80er Kulthits 2 gingen an den Start.

Dein ist mein ganzes Herz (H.R.Kunze)spielte das Orchester für sein Publikum! Wunder gescheh´n, von Nena folgte und jedem fielen wohl spontan sofort einige Wünsche ein. Bei Verdamp lang her, von BAP, wurde im Rhythmus mitgeklatscht und begeistert mitgesungen, bis dann bei Major Tom, von Peter Schilling, die Halle nochmals völlig losgelöst

abhob und die Begeisterung viele „Zugabe“ Rufe auslösten. Man wiederholte den letzten Teil des Medleys.

Wieder ließ man das Orchester nicht von der Bühne gehen. Da hatte der Musikverein vorgeplant und alle 2 Orchester spielten gemeinsam auf der Bühne, den Earth Song von Michael Jackson. Dieser sehr berührende und aufrüttelnde Song, bringt alle Facetten der Umweltverschmutzung und die Widrigkeiten des menschlichen Wirkens, auf der Erde, zu Gehör. Der Earth Song will aufrütteln und ruft zur Umkehr auf. Nehmen wir diese Wünsche mit in unsere Neujahrswünsche, auch für den Frieden, auf. Wie sagte Nena: Wunder geschehen. Mithelfen und Daumen drücken!

Natürlich folgte als letzte Zugabe unser „Badnerlied“. Da wurde aufgestanden und voller Inbrunst mitgesungen. Alle 3 Strophen erklangen und mit „Alt Heidelberg du Feine“ ging ein herausragendes Neujahrskonzert des Musikvereins zu Ende.

Vielen Dank an unsere Musikerinnen und Musiker, groß und klein, die sich in vielen Proben fast bis an das perfekte Konzert, herangearbeitet haben. Ein großes Danke auch an unsere Dirigenten, Stanislav Klimov und Jutta Worsch, für Ihre Mühe und Geduld. Ein herzliches Dankeschön an unsere große Anzahl an Helfer, vor-, und hinter den Kulissen. Ohne Eure Hilfe, wäre ein solches Konzert nicht möglich.

Der größte Dank jedoch gilt unseren Gästen, die uns wieder phänomenal unterstützt haben. Ihr großer Applaus feuert uns immer wieder an, einen gelungenen musikalischen Start ins Neue Jahr zu bieten. Wir würden uns freuen, Sie und Ihre Freunde auch bei unseren weiteren Aktivitäten begrüßen zu dürfen, Waldfest, Neujahrskonzert, sowie Auftritte in und um Sandhausen herum. Unsere Termine, sowie viele Konzertbilder, finden Sie auf unserer Homepage unter: www.musikverein-sandhausen.de.

Bis zum nächsten Mal, bleiben Sie gesund und fröhlich!


Bericht und Bilder: Jutta Staudt

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