„Waldvision Nußloch“ kritisiert Leitbild „Naturnaher, klimastabiler Wald“

(pm – 4.11.21) In der Gemeinderatssitzung am 13.10.2021 wurde das überarbeitete Leitbild „Naturnaher, klimastabiler Wald“ vom Nußlocher Gemeinderat einstimmig verabschiedet. Wie auch schon der erste Entwurf entstammt auch die nun verabschiedete Version aus der Feder unserer zuständigen Forstbehörde, die auch mit der Umsetzung der im Leitbild vorgegebenen Prinzipien beauftragt ist.

Die Forstvertreter wiederum betonen, „dass sie lediglich das umsetzen, womit die Gemeinde sie
beauftragt“. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

Die Chance, mit der Bewirtschaftung des Nußlocher Walds eine Vorreiterrolle in der Region zu spielen und Klimaschutz sowie Walderholung ganz klar in den Vordergrund zu stellen, wurde durch die Verabschiedung des Leitbilds in der vorliegenden Form leichtfertig vertan.

Stattdessen setzt der Gemeinderat das Signal eines „Weiter so!“ und ignoriert damit weitgehend die
Sorgen und Ängste etlicher Bürger*innen, die sich in den letzten Monaten in der einen oder anderen
Form zu Wort gemeldet haben.

Das vorgelegte Leitbild ist eine Mischung aus Wünschen, Visionen, Arbeitsanweisungen, Zielen und
Verfahrensbeschreibungen. Damit handelt es sich bei dem, was verabschiedet wurde, per
definitionem also gar nicht um ein Leitbild, auch wenn es so betitelt ist. Die Waldvision Nußloch teilt
die Einschätzung des Bürgermeisters Joachim Förster NICHT, dass mit dem verabschiedeten Leitbild
„ein sehr gutes Ergebnis“ erzielt wurde. Aus Sicht der Bürgerinitiative wurde die vorhandene Chance
leichtfertig vertan!

Während einige wenige von der Bürgerinitiative angeregte Aspekte im Leitbild aufgegriffen wurden,
weist das jetzt verabschiedete Leitbild folgende Mängel auf

  • • Auf den besonderen Schutzstatus, der dem Wald als ausgezeichnetem FFH-Gebiet zusteht,
    wird nicht eingegangen.
  • • Anreicherungen des Totholzvorrats sind nach wie vor unverbindlich.
  • • Die ausgewiesenen Waldrefugien und Habitatbaumgruppen sind teilweise unzureichend und
    entsprechen nicht den Vorgaben des Landes Baden-Württemberg.
  • • Das Forsteinrichtungswerk, das signifikante Einschläge auch in den alten Buchenbestand
    zulässt, gilt weiterhin.
  • • Aufforstung durch nichtheimische Baumarten ist weiterhin vorgesehen.

Schon bei der Vorstellung des ersten Entwurfs in einer öffentlichen Klimaratssitzung am 22.6.2021
hatten Sprecher der Bürgerinitiative angemahnt, dass das vorgeschlagene Leitbild viel zu wenig
konkret und zu unverbindlich sei.

Die Bürgerinitiative hat – ermuntert durch den Bürgermeister – ein alternatives Leitbild entworfen
und auch eine Gegenüberstellung der beiden vorliegenden Vorschläge erarbeitet und zur Verfügung
gestellt.

Die Ablehnung fast aller Angebote, weitere Informationen einzuholen oder sich zusätzliche
Beratung von neutralen Waldwissenschaftlern einzuholen, ist aus Sicht der Bürgerinitiative Zeugnis
einer nicht angebrachten Arroganz.

Auch der Waldspaziergang mit Diplom-Forstwirt und Forstwissenschaftler Volker Ziesling, zu dem die Bürgerinitiative im Juli 2021 explizit den Klima- und Gemeinderat eingeladen hatte, wurde nur von Vertretern einer einzigen Fraktion besucht.

Die Bürgerinitiative bedauert zutiefst, dass erneut kein runder Tisch zustande gekommen ist, an dem
auch Vertreter*innen der Bürgerschaft hätten teilnehmen können. Stattdessen wurde durch die
Forstvertreter hinter verschlossenen Türen das finale Leitbild erarbeitet.

Eine gelungene Bürgerbeteiligung sieht aus Sicht der Bürgerinitiative anders aus. Der auf den
öffentlichen Sitzungen vorherrschende Umgangston war bislang nicht wertschätzend und zeugte
ebenfalls von wenig Bürgernähe.

Besonders bestürzt ist die Bürgerinitiative darüber, dass im jetzt verabschiedeten Leitbild klare
Verstöße gegen den gültigen Fauna-Flora-Habitat-Managementplan und damit gegen geltendes EU-Recht billigend in Kauf genommen werden.

Die Wünsche der Bürgerinitiative in Bezug auf naturnahe Waldbewirtschaftung mit den Aspekten

  • • Seltene und behutsame Eingriffe
  • • Nur einzelne Bäume werden geerntet, schonend für Boden und Tierwelt
  • • Berücksichtigung standortheimischer Baumarten und Erhalt von Biotopbäumen
  • • Förderung von Starkbäumen und Totholz
  • • Höherer Baumvorrat (Walddichte)
  • • Erneuerung des Waldes durch Naturverjüngung (keine frühzeitigen Lichtungshiebe)
  • • Schonung des Waldbodens (Verzicht auf schwere Großmaschinen, seltenes Befahren)

sind bereits als verbindliche Vorgabe nach EU-Recht im FFH-Managementplan beschrieben und
finden sich nur in unzureichenden Teilaspekten im Leitbild wieder.

Insbesondere die Vorgabe, dass alle im Wald getroffenen Maßnahmen mindestens zu einer
Erhaltung, wenn nicht sogar zu einer Verbesserung des beschriebenen Zustands im FFH-Gebiet
führen müssen, finden sich nicht im verabschiedeten Leitbild wieder.

Sinngemäß heißt es dort stattdessen, dass die „Holzernte schonend für Wald und Boden unter
Nutzung von Stand der Technik erfolgt“.

Wie diese Umsetzung in der Praxis ausschaut, das wurde unmittelbar nach Verabschiedung des
Leitbilds im Wald eindrücklich demonstriert.

Auf der gezeigten Fläche wurde der Boden zum Teil flächig mit schwerem Gerät befahren und zerstört.
Wir haben uns als Bürgerinitiative im Namen besorgter und verunsicherter Bürger*innen an den Bürgermeister, den Gemeinderat und den Klimarat gewandt.

Unsere Ängste lagen in den Aktionen der  Vergangenheit begründet, wurden aber durch die fehlende Transparenz und das – unserer Wahrnehmung nach – Nichteinhalten von Absprachen im Prozess der Ausarbeitung des finalen Leitbilds weiter verstärkt.

Das vorliegende Ergebnis ist aus Sicht der Bürgerinitiative schlecht und in diesem Sinne eine große Enttäuschung.

Die Waldvision Nußloch hat sich im Frühjahr 2021 als Zusammenschluss mehrerer Bürger*innen Nußlochs formiert. Verbindendes Element ist die gemeinsame Sorge um den Nußlocher Gemeindewald in Zeiten des Klimawandels und die Angst, dass eine möglicherweise nicht angemessene Bewirtschaftung des Walds zu einer Verstärkung der Folgen des Klimawandels führt, anstatt ihnen entgegenzuwirken.

Ausgelöst wurde diese Sorge durch aktuelle forstwirtschaftliche Maßnahmen, die allen Besucher*innen des Waldes unmittelbar ins Auge fallen.

Die Waldvision Nußloch fühlt sich den zukünftigen Generationen verpflichtet und will einen Beitrag
leisten, um den Folgen des Klimawandels entgegenzuwirken. Aus diesem Grund setzt sich die
Waldvision Nußloch für eine naturnahe Waldbewirtschaftung ein.

Seltene und behutsame Eingriffe mit Einzelbaumernte (schonend für Boden und Tierwelt), die Berücksichtigung standortheimischer Baumarten und der Erhalt von Biotopbäumen, die Förderung von Starkbäumen und Totholz, das Erreichen eines höheren Baumvorrats (Walddichte), die Erneuerung des Waldes durch Naturverjüngung (bei Verzicht auf frühzeitige Lichtungshiebe) und die Schonung des Waldbodens (Verzicht auf schwere Großmaschinen, seltenes Befahren) sind dabei charakteristische Merkmale.

Die Waldvision Nußloch setzt sich dafür ein, die Fauna-Flora-Habitat-Gebiete auf Nußlocher
Gemarkung als Teil des Natura-2000-Netzwerks angemessen und entlang der vorliegenden
Managementpläne zu bewirtschaften und weiterzuentwickeln. Um diese Position zu vertreten, sucht
die Waldvision Nußloch den Dialog mit dem Nußlocher Gemeinderat und dem Klimarat.
Die Waldvision Nußloch ist parteipolitisch und weltanschaulich neutral.


Mit (pm – Datum) als Redaktionskürzel versehene Artikel sind Pressemitteilungen (pm) von Parteien oder Organisationen, die wir i.d.R. als ungekürzter und uneditierter Originaltext veröffentlicht. Sie geben nicht die Meinung der Meinung der Redaktion wieder. Die obige PM wurde von der Waldvision Nußloch Jens Klettenheimer zur Veröffentlichung an Leimen-Lokal gesandt.


 

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