Wir haben genug „Kreuz“ – aber Ostern?

Liebe Mitchristen, Bürgerinnen und Bürger,

wer hat kein Kreuz? Ein Kreuz zu tragen hat jede und jeder von uns. Wie viele Babys müssen schon ins Krankenhaus? Als Kind kennt man schon Schmerzen, Hunger, Enttäuschung und Verlorenheit. Wie viele Probleme erleben die Kinder in der Schule? Sie müssen mit Neid, Ärger und Ellenbogenmentalität kämpfen. Nicht wenige Schüler müssen deshalb auch zu Psychologen, um sich einigermaßen von seelischen Nöten zu befreien.

Foto: Berno Müller

Foto: Berno Müller

Ausbildung und Arbeitssuche für die jungen Menschen sind in der heutigen Zeit nicht immer leicht. Wie viel Leistung müssen sie aufbringen, damit sie sie erwartungsgerecht abschließen? Nicht wenige junge Menschen brechen ihre Ausbildung und die bereits begonnene Arbeit deshalb ab, weil es ihnen nicht zumutbar ist oder sie nicht erfüllt.

Menschen mit jungen Familien hadern auch mit ihrem Leben. Eine sehr schön angefangene Ehe und die strahlenden Augen und das Lachen ihrer Kinder helfen jedoch gegen die immer wiederkehrende Angst um den Arbeitsplatz und die Zukunft.

Für die älteren Menschen, besonders für die, die mit vielen Krankheiten und Einsamkeit zu kämpfen haben, ist das Kreuz noch deutlicher zu spüren.

Letztendlich ist der Tod das schwerste Kreuz für ALLE. Die Medizin kämpft immer darum, den Tod noch aufzuschieben, aber hindern kann sie nicht. Ganz besonders wenn junge Menschen zu Grabe getragen werden müssen, ist die Frage nach dem Warum und die Wut darüber noch größer.

Es gibt eine Geschichte in der indischen Literatur. Eine junge Frau verliert ihr neugeborenes Kind. Völlig verzweifelt rennt sie mit ihrem toten Kind zu einem Guru, der angeblich Wunder vollbringt. Sie bittet ihn, ihrem Kind das Leben wieder zu geben. Ohne ihr Kind wäre ihr Leben ruiniert. Der Gottesmann seinerseits bittet sie um eine Gegenleistung. Er verlangt von ihr, dass sie ein paar Senfkörner von jemandem mitbringt, in dessen Familie noch niemand verstorben ist. Die Frau eilt mit großer Euphorie ins Dorf und klopft an jede Tür. Zu ihrer Enttäuschung sagt jeder, dass in seiner Familie doch jemand vor kurzem oder langem gestorben ist. Die Frau kann dem Guru keine Senfkörner bringen.

Paulus beschreibt diese Situation im Römerbrief: „Denn die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes. Die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen, nicht aus eigenem Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat; aber zugleich gab er ihr Hoffnung: Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt.“ (Röm 8,19-22)

Wie gehen die Menschen mit „Kreuzen“ um? Resignation, Fragen über Fragen, Wut, Ratlosigkeit, aber auch Suche nach einer Antwort durch einen gelebten Glauben.

Die christliche Theologie schenkt Mut, in dem Gott selbst den ersten Schritt tut, uns und die gesamte Schöpfung vom Kreuz und von der Sklaverei zu befreien. Dadurch, dass Jesus Christus von den Toten aufersteht, wird auch das Kreuz heilig. Durch Jesus haben Kreuz und Ostern eine Verbindung.

Der österliche Glaube schenkt allen Menschen Mut, weiter zu leben. Alles, was von uns nicht erfüllt worden ist, empfängt die Vollendung in Jesus Christus, der die Vollendung in seiner Auferstehung erzielt hat.

Der österliche Glaube schenkt uns auch die Zuversicht. Selbst der Räuber neben Jesus am Kreuz erhält die Zusage: „Amen, ich sage Dir! Heute noch wirst Du mit mir im Paradies sein!“ (Lk 23,43)

Auch Ihnen und mir gehört diese Zusage!

Ein gesegnetes und freudiges Osterfest wünsche ich Ihnen auch im Namen der evangelischen Pfarrer, Pfarrer Thomas Denoke, Pfarrer Edgar Grimm und des Pastoralteams der Seelsorgeeinheit.

Arul Lourdu, Pfarrer, Katholische Kirche, Große Seelsorgeeinheit Leimen-Nußloch-Sandhausen

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