Zwischen Warnwesten und Plastikkindern –
Die Rathausstraße wartet weiter auf Lösungen

Plastik-Kids als Warnung an Verkehrsteilnehmer in der Rathausstraße

(fwu – 17.7.26) Es gibt politische Maßnahmen, die wirken sofort. Andere brauchen Zeit. Und dann gibt es Maßnahmen, bei denen man sich erst einmal fragt, ob sie vielleicht Teil einer Kunstinstallation sind.

Seit einigen Tagen stehen in der Rathausstraße drei kleine, knallbunte Kunststofffiguren. Einer lehnt am Poller, zwei weitere verteilen sich entlang der Straße. Damit sie nicht auf wundersame Weise den Besitzer wechseln – was angesichts ihrer handlichen Größe offenbar nicht ausgeschlossen wird – sind sie vorsorglich angekettet. Ein durchaus bemerkenswertes Bild: Figuren, die für mehr Sicherheit sorgen sollen, müssen zunächst einmal selbst gesichert werden. Natürlich erkennt jeder sofort die Botschaft. Autofahrer sollen aufmerksam werden. Kinder queren die Straße. Langsamer fahren. Rücksicht nehmen. Dagegen ist nichts einzuwenden. Die Frage ist nur: Reicht das?

Ein Problem, das älter ist als die Figuren

Die Diskussion um die Rathausstraße ist schließlich nicht erst seit letzter Woche aktuell. Seit Jahren fehlt den Schülerinnen und Schülern der Turmschule ein zusammenhängender Pausenhof. Mit Beginn der aktuellen Bauphase hat sich die Situation nochmals verschärft. Weil der eigentliche Schulhof Baustelle ist, verteilen sich die Kinder auf mehrere kleine Flächen, die durch die Rathausstraße voneinander getrennt sind. 

In den vergangenen Tagen erreichten unsere Redaktion gleich mehrere Leserbriefe. Die Argumente ähneln sich: Eltern schildern die eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten ihrer Kinder, verweisen auf die langen Bauzeiten und sprechen sich für eine zeitweise Sperrung der Rathausstraße während der großen Pausen aus. Auch Wolfgang Müller bezeichnet die Situation inzwischen als Leimens „unendliche Geschichte“ und plädiert für eine pragmatische Lösung mit einer zweimal täglichen Straßensperrung. (Weitere Leserbriefe hier)

Warnwesten, Lotsen – und jetzt Plastikkinder

Wer morgens oder zur großen Pause an der Turmschule vorbeikommt, sieht ohnehin bereits ein beachtliches Sicherheitsaufgebot. Lehrerinnen begleiten die Kinder. Die Stadtpolizeibehörde ist vor Ort. Schülerinnen und Schüler übernehmen als Lotsen Verantwortung. Warnwesten leuchten bereits von weitem, während Gruppen die Straße überqueren. Nun kommen drei Kunststofffiguren hinzu. Sie stehen freundlich lächelnd am Straßenrand und erinnern daran, dass hier Kinder unterwegs sind. Mehr allerdings auch nicht. Die eigentliche Herausforderung – dass mehrere hundert Kinder während ihrer Pausen zwischen getrennten Bereichen wechseln müssen – verändert sich dadurch nicht. Die Straße bleibt offen, der Verkehr rollt weiter, und die Aufsichtspflicht bleibt unverändert bei den Erwachsenen.

Symbol oder Lösung?

Natürlich können solche Figuren Aufmerksamkeit erzeugen. Niemand wird ernsthaft behaupten, dass ein zusätzlicher Hinweis grundsätzlich schadet. Aber ebenso wenig sollte man so tun, als wäre damit das eigentliche Problem gelöst. Denn die zentrale Frage lautet weiterhin: Soll die Rathausstraße während der beiden großen Pausen zeitweise gesperrt werden oder nicht? Genau darüber wird seit Wochen öffentlich diskutiert. Die Befürworter verweisen auf mehr Bewegungsfreiheit und Sicherheit für die Kinder. Kritiker führen verkehrsrechtliche und organisatorische Bedenken an. Die Positionen sind bekannt. Neu sind lediglich drei freundlich grinsende Kunststofffiguren.

Nur ein dekoratives Signal?

Vielleicht sind die drei Plastikkinder tatsächlich nur eine Übergangslösung. Vielleicht sind sie Teil eines größeren Sicherheitskonzepts. Vielleicht sollen sie lediglich zusätzlich sensibilisieren. Bleibt allerdings am Ende alles so, wie es derzeit ist, dann dürften die Figuren vor allem eines bewirken: Gesprächsstoff. Denn der eigentliche Konflikt verschwindet nicht hinter einem freundlichen Kunststofflächeln. Die Rathausstraße braucht keine Dekoration, sondern eine nachvollziehbare Entscheidung. Entweder reicht das bestehende Sicherheitskonzept tatsächlich aus – dann sollte dies nachvollziehbar begründet werden. Oder die Situation verlangt weitergehende Maßnahmen. In diesem Fall wird man über eine zeitweise Sperrung ernsthaft sprechen müssen.

Bis dahin stehen die drei kleinen Wächter weiterhin an ihren Plätzen. Ordentlich angekettet. Nicht etwa, weil sie den Verkehr aufhalten könnten – sondern damit sie nicht selbst verschwinden. Das hat, zugegeben, einen gewissen Symbolwert.

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