3D-Druck-Siedlung über der Rad-Autobahn – Wohnen 2.0 auf alter Seilbahn-Trasse

Eine der letzten Material-Seilbahn-Stüzen fällt
(fwu – 1.4.26) Während der Rückbau der Stützen der ehemaligen Materialseilbahn von Heidelberg Materials derzeit das Stadtbild prägt, sickern Details zu einem Projekt durch, das die Region weltweit zum Vorreiter für urbanes Bauen machen könnte. Wo früher Kalkstein in Loren schwebte, entsteht bald das „Leimener Modell“: Eine hocheffiziente Siedlung im 3D-Druck-Verfahren, die Wohnraum und Mobilität vertikal stapelt.
Späte Renaissance einer visionären Idee

v.l.: Moritz Weber vom Planungsbüro Planstatt Senner, Leimens Oberbürgermeister Hans D. Reinwald, Nußlochs Bürgermeister Joachim Förster, MdL Hermino Katzenstein, Christiane Kranz (Geschäftsführerein NABU Bezirksverband Rhein-Neckar-Odenwald) und Olympiasieger Günter Haritz gehen die Bewerbung um eine Gartenschau motiviert an.
Mit diesem kühnen Entwurf erfährt eine alte, oft diskutierte Vision eine überraschende Wiedergeburt. Viele Bürger erinnern sich noch an die ambitionierten Pläne des ehemaligen Oberbürgermeisters Hans D. Reinwald, der Leimen durch eine Landesgartenschau städtebaulich neu erfinden und ökologisch aufwerten wollte. Was damals an den hohen Hürden der Vergabe scheiterte, findet nun in abgewandelter, fast noch modernerer Form seinen Weg in die Realität: Die Idee einer „grünen Lunge“ kombiniert mit moderner Architektur.
Wo Reinwald einst Parkanlagen und florale Akzente setzen wollte, entsteht nun ein „linearer Park des 21. Jahrhunderts“. Die Kombination aus CO2-freiem Bauen, Solarenergie und der Förderung des Radverkehrs setzt genau das ökologische Ausrufezeichen, das bereits in den Gartenschau-Entwürfen als Fernziel für die Stadtentwicklung definiert wurde. Es ist gewissermaßen die „Gartenschau 2.0“ – technologisch fortgeschrittener und perfekt integriert in die industrielle Historie der Großen Kreisstadt.
Architektur der Zukunft: Wohnen auf Ebene 1

Architekten-Entwurfszeichnung
In enger Kooperation mit der Stadt Leimen plant Heidelberg Materials eine Musterhaussiedlung, die auf dem innovativen 3D-Betondruck-Verfahren basiert. Die Häuser mit jeweils 90 qm Wohnfläche werden nicht klassisch auf dem Boden, sondern auf massiven Betonzugankern und Stelzen errichtet. Durch die identische Bauart aller Wohneinheiten wird eine enorme Kostenreduzierung erreicht: Nur ein Architekt, ein Statiker und ein digitaler Bauplan sind für die gesamte Siedlung notwendig. Der Druckroboter „druckt“ die Rohbauten vor Ort in Rekordzeit aus CO2-freiem Zement.
Ebene 0: Das geteilte Erdgeschoss – Parken und Pendeln
Der Clou liegt in der Nutzung des Raums unter den Häusern. Das Erdgeschoss wird nicht bebaut, sondern dient als multifunktionale Infrastruktur-Ebene:
Der Velo-Skyway: Ein Teil des Raums unter den Stelzenhäusern wird als Rad-Schnellverbindung (RSV) ausgebaut. Diese führt kreuzungsfrei und wettergeschützt vom neuen interkommunalen Gewerbegebiet in Heidelberg-Süd bis zum Ortsende von Leimen-Süd. Pendler können somit bei jedem Wetter trocken und ohne Ampelstopps zwischen den Städten verkehren.
Mobilitäts-Hubs: Der andere Teil unter den Häusern dient als überdachte Stellfläche. Hier finden sowohl die PKW der Anwohner als auch deren Fahrräder und Lastenräder Platz. Durch die Überdachung durch den darüberliegenden Wohnraum entfallen teure Tiefgaragen oder zusätzliche Versiegelungen für Parkplätze.
Ökonomisch, Ökologisch, Autark
Jedes der 3D-gedruckten Häuser wird mit einer leistungsstarken Solaranlage ausgestattet. Der Clou: Der überschüssige Strom wird direkt in die Beleuchtung der darunterliegenden Rad-Schnellverbindung sowie in Ladestationen für E-Bikes und Elektroautos im Erdgeschoss gespeist. „Wir nutzen die alte Seilbahntrasse nicht nur als Weg, sondern als Energieriegel“, heißt es aus Planungskreisen. Die Siedlung fungiert als CO2-freies Reallabor für Heidelberg Materials und die Stadt Leimen.
Bewerbungsverfahren startet zeitnah
Um dem Ansturm gerecht zu werden, plant die Stadtverwaltung eine digitale Bewerberliste. Aufgrund der enormen Nachfrage nach bezahlbarem und ökologischem Wohnraum wird eine Vergabe nach dem „First-Come-First-Served“-Prinzip empfohlen. Interessenten können sich ab dem heutigen Mittwoch, den 1. April, 12:00 Uhr im Rathaus Leimen über die Details der Grundrisse und die Anbindung an die Rad-Autobahn informieren.
3D-Haus-Drucker bei der Arbeit
ICON has unveiled a next-generation construction 3D printer that improves on older gantry systems.
It moves on tracks between sites, reducing setup time and labor.
With a 70-foot print radius, it can build multi-story structures up to 27 feet tall and 110 feet long faster and… pic.twitter.com/oo3WJo4n2L
— Space and Technology (@spaceandtech_) March 30, 2026
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