Heimatfront in Leimen: Wenn humorvolle Handwerker per Mörser Bierkorken schießen

Brauerei-Ausschank, Nußlocher Straße, Leimen

„Mörser“ mit Munition

(fwu – 28.5.26) Die großen Fragen der Verteidigungspolitik werden bekanntlich in Berlin, Brüssel oder Washington diskutiert. Die wirklich wichtigen Dinge dagegen oft in Leimen – genauer gesagt auf dem Gelände der ehemaligen Heidelberger Brauerei im Bergbräu-Areal, wo derzeit an der Moralstärkung der heimischen Truppe gearbeitet wird. Mit einem chinesischen 51-Millimeter-Mörser für Bierflaschen.

Schreinermeister Jens Maybach hat das Gerät organisiert, das äußerlich aussieht, als hätte es mindestens drei NATO-Manöver hinter sich, tatsächlich aber vor allem Kronkorken mit bemerkenswerter Energie entfernt. Eine friedliche Form der Wehrtechnik also – mehr Theke als Stellungskrieg.

Die erste Feuerstellung scheitert

Schreinermeister Jens Maybach

Wie jede ernstzunehmende militärische Übung begann auch diese mit technischen Problemen. Zunächst versuchte man, den Mörser auf der alten Verladerampe der ehemaligen Heidelberger Brauerei in Stellung zu bringen. Dort, wo früher vermutlich Bierfässer und Getränkekisten bewegt wurden, sollte nun also moderne Getränkeballistik erprobt werden. Doch der Abschuss verweigerte konsequent den Dienst. Der Untergrund der Rampe erwies sich als zu wackelig. Der kleine Mörser stand dort ungefähr so stabil wie manche politische Koalition nach Mitternacht.

Erst nach eingehender Fehleranalyse – unterstützt durch ein YouTube-Tutorial, das von Gerd Gramlich aufmerksam studiert wurde – kam man der Ursache auf die Spur. Gramlich, Vorsitzender von Leimen Aktiv im BdS und weiterhin enger Kontaktmann zu den Mitgliedsbetrieben, übernahm dabei gewissermaßen die Rolle des militärischen Lageoffiziers. Nach der Verlegung auf den massiven Betonboden der Fahrbahn funktionierte das System schließlich einwandfrei.

Es zeigt sich erneut: Nicht jede Schlacht wird mit Kraft gewonnen. Manchmal reicht ein stabiler Untergrund und jemand, der auf YouTube die Kommentare mitliest.

Nur Kaliber 0,33

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Besonders anspruchsvoll bleibt die Frage der richtigen Munition. Das Kaliber 0,33 sorgt zunächst regelmäßig für Irritationen unter Einsteigern, meint aber selbstverständlich die Bierflasche und nicht irgendwelche NATO-Standards.

Auch die Wahl des Materials verlangt Erfahrung: Das beliebte Tannenzäpfle und das mexikanische Corona-Bier reagierten unteschielich: Beim Corona-Biert schoss der Verschluss laut Augenzeugen mühelos bis in den zweiten Stock, deutlich weiter als das „friedlichere“ Tannenzäpfle. Internationale Kooperation kann also funktionieren – zumindest solange niemand den Rückflug des Kronkorkens berechnen muss. Das Kaliber 0,5 l wurde übrigens gänzlich verweigert. Hier empfiehlt sich weiterhin die Handwerker-übliche Nutzung eines Zollstocks.

Strategische Wirkung

Dass der Mörser übrigens in China hergestellt wurde, verlieh der gesamten Übung noch eine gewisse geopolitische Würze. Abschrecken könne man damit den Feind vermutlich nicht, räumten die Beteiligten durchaus realistisch ein. Zur Stärkung der eigenen Moral eigne sich das Gerät dagegen hervorragend.

Und möglicherweise, so wurde bei fortschreitender Erprobung gemutmaßt, könne der Neid potenzieller Gegner über kurz oder lang sogar zum Überlaufen führen. Wer sieht, wie in Leimen Bierflaschen mit halbmilitärischer Präzision geöffnet werden, denkt womöglich zweimal über seine Bündniszugehörigkeit nach. Die Runde zeigte sich jedenfalls beeindruckt. Dort war schnell klar: Wenn schon Wehrertüchtigung, dann bitte mit Getränkebegleitung.

Heimatfront mit Humor

Maybach ist in Leimen ohnehin bekannt für leicht ungewöhnliche Ideen. Zur letztjährigen Weinkerwe hatte er gemeinsam mit Michael „Mitch“ Robotta deutsche und Leimener Flaggen auf dem alten Brauerei-Turm gehisst – zeitlich begrenzt auf die Festtage, als Ausdruck lokaler Verbundenheit und vermutlich auch ein kleines bisschen aus Freude an der symbolischen Geste. Die Flaggen sind inzwischen längst wieder verschwunden. Der Erfindergeist im Bergbräu-Areal dagegen offensichtlich nicht.

Und so steht man zwischen Betonboden, Bierflaschen und YouTube-Tutorials und erkennt: Heimatliebe zeigt sich in Leimen manchmal auf sehr eigene Weise. Nicht martialisch. Nicht laut. Aber mit erstaunlicher Reichweite.

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