Spuk im Wald: Seit 1971 klettern, rutschen und füttern Generationen von Leimener Kindern
(fwu) Es gibt Spielplätze, die sehen aus, als seien sie am Reißbrett entstanden. Viel Kunststoff, viel Norm, viel Fallschutz. Man ahnt förmlich den Ordner mit den Sicherheitsvorschriften im Rathauskeller. Und dann gibt es Orte wie den Abenteuerspielplatz „Spuk im Wald“ oberhalb von Leimen.
Dort hat man eher das Gefühl, jemand habe gesagt: „Wir nehmen einfach ein Stück Wald, ein paar Hügel, etwas Sand, Tiere, eine Seilbahn und schauen mal, was passiert.“ Tatsächlich passiert dort seit Jahrzehnten erstaunlich viel. Vor allem Kinder verschwinden regelmäßig zwischen Bäumen, Burgruinen und Ziegen – freiwillig, wohlgemerkt. Das schaffen heute nicht einmal manche Streamingdienste.
Wo der Wald die Regie übernimmt

Schon der Weg hinauf zum Gossenbrunnen macht klar, dass hier andere Regeln gelten. Das hölzerne Hinweisschild zeigt Richtung Wildgehege, Abenteuerspielplatz und Naturfreundehaus. Daneben steht ein alter Wegstein, der aussieht, als würde er seit Jahrzehnten stoisch Wanderer beobachten.
Der Spielplatz selbst liegt mitten im Hangwald. Keine schnurgeraden Wege, keine großen Asphaltflächen. Stattdessen Wurzeln, Erde, Holzstufen und kleine Pfade. Kinder müssen hier noch laufen, klettern und gelegentlich überlegen, wie sie von A nach B kommen. Früher nannte man das Abenteuer. Heute würde vermutlich irgendwo ein Projektteam gegründet werden.
Die Rutsche des Vertrauens
Besonders eindrucksvoll wirkt die lange grüne Hangrutsche. Sie startet oben zwischen Bäumen und verschwindet fast im Blätterdach. Wer dort hinaufsteigt, blickt zunächst in ein Meer aus Ästen und Laub, bevor es hinunter in den Sand geht.
Rundherum ziehen sich Baumstämme als natürliche Begrenzungen durch den Hang. Es wirkt weniger wie ein klassischer Spielplatz und mehr wie ein Ort, an dem Kinder automatisch beginnen, Geschichten zu erfinden. Ritterburgen, Räuberlager, Waldgeister – der Name „Spuk im Wald“ kommt schließlich nicht von ungefähr.
Burgruinen für kleine Baumeister
Das Herzstück bildet die große Kletteranlage aus Naturstein. Sie erinnert an eine alte Burgruine, allerdings ohne jene übertriebenen Mittelalter-Kulissen, die andernorts gern entstehen, wenn Erwachsene versuchen, sich vorzustellen, wie Kinder spielen möchten.
Über kleine Treppen, Brücken, Mauern und Podeste geht es hinauf und wieder hinunter. Die geschwungenen Metallgeländer wirken dabei fast wie Äste, die beschlossen haben, künftig Architektur zu betreiben.
Zwischen den Natursteinen liegen Hackschnitzel, die im Sommer nach Wald und Sonne riechen. Die Anlage sieht nicht aus wie frisch aus dem Katalog geliefert. Sie hat Gebrauchsspuren. Das ist bei Spielplätzen ungefähr das schönste Kompliment.
Wippen, Schaukeln und ein Stück Kindheit auf Federn
Auf der großen Sandfläche stehen Schaukeln, darunter auch eine Kleinkindschaukel, die seit Generationen dieselbe Aufgabe erfüllt: Eltern zehn Minuten Pause zu verschaffen. Dazwischen findet sich eine dunkle Holz-Federwippe, deren genaue zoologische Einordnung offen bleibt. Irgendwo zwischen Boot, Krokodil und vorgeschichtlichem Waldwesen. Kinder stellen solche Fragen ohnehin selten. Erwachsene deutlich häufiger.
Die Seilbahn – weil Laufen manchmal überschätzt wird
Etwas abseits zieht sich die Seilbahn über die Wiese. Wir berichteten bereits 2015 über die Erneuerung der Anlage, in die die Stadt rund 20.000 Euro investierte. Die neue Bahn wurde damals sogar verlängert und sorgt seither für jene Mischung aus Geschwindigkeit, Begeisterung und Warteschlangenmanagement, die man sonst eher von kleineren Flughäfen kennt.
Hier unser Bericht aus 2014 zur Seilbahn für den „Spuk im Wald“
Barfuß durch Kies, Holz und eine Portion Überwindung
Einige Meter weiter befindet sich der Barfußpfad. Verschiedene Untergründe wechseln sich ab: Kies, Holzscheiben, Rindenmulch, Natursteine und strukturierte Platten. Das Konzept ist denkbar einfach. Erwachsene lesen zunächst die Erklärungstafel. Kinder laufen sofort los. Die ersten Reaktionen auf spitze Kieselsteine erfolgen meist ungefiltert und erfreulich ehrlich.
Über die Erweiterung des Freizeitbereichs berichteten wir bereits 2022: „Spuk im Wald“ und Wildgehege um Barfußpfad erweitert. Und damit der Pfad auch weiterhin Freude macht, wurde er vor Ostern wieder umfassend gepflegt: Barfußpfad rechtzeitig vor Ostern in Topzustand versetzt.
Das Wildgehege – der eigentliche Star
So schön der Spielplatz auch ist: Die heimlichen Hauptdarsteller stehen hinter dem Zaun. Ziegen, Hühner und Damwild sorgen dafür, dass viele Kinder irgendwann alle Spielgeräte vergessen. Plötzlich wird der Futterautomat interessant. Münze einwerfen, Schachtel entnehmen, Tiere füttern – das Prinzip funktioniert seit Jahrzehnten erstaunlich zuverlässig.
Besonders die Ziegen besitzen dabei jene Mischung aus Gelassenheit und Berechnung, die man sonst nur von erfahrenen Biergartenbesuchern kennt. Während Hühner geschäftig durchs Gras marschieren und Damwild neugierig an den Zaun tritt, scheint jede Ziege bereits zu wissen, wer noch eine Futterschachtel in der Tasche hat.
Über den Ziegennachwuchs berichteten wir bereits 2023: Ziegennachwuchs im Wildgehege beim „Spuk im Wald“. Der Automat trägt schlicht die Aufschrift „Wildfutter“. Eine bemerkenswert ehrliche Maschine. Keine Werbesprüche, keine Rabattaktionen, keine Kundenkarte. Einfach Futter. Für Tiere. Fertig.
Naturfreundehaus statt To-Go-Becher
Direkt nebenan liegt das Naturfreundehaus mit seinem Biergarten. Holztische und Klappstühle stehen unter Sonnensegeln und großen Schirmen. Über den Sitzplätzen hängen Lichterketten, dahinter beginnt unmittelbar der Wald. Hier sitzen Eltern, Großeltern, Wanderer und Radfahrer nebeneinander.
Die Kinder verschwinden währenddessen wieder Richtung Spielplatz. Man hört irgendwo eine Schaukel quietschen, weiter hinten ruft jemand nach seinem Nachwuchs, und aus dem Gehege meldet sich eine Ziege zu Wort. Es ist eine erstaunlich funktionierende Form der Arbeitsteilung.
Schon UR-Oma spielte hier!
Wer heute zwischen Burgruine, Seilbahn und Wildgehege unterwegs ist, ahnt kaum, dass die Geschichte des Spielplatzes bereits deutlich weiter zurückreicht. In einem unserer Berichte aus dem Jahr 2014 wird erwähnt, dass der Abenteuerspielplatz bereits 1971 eingeweiht wurde. Ende der 1990er Jahre wurde die Anlage grundlegend umgestaltet. Damals entstand das naturnahe Konzept, das den Charakter des Platzes bis heute prägt.
Seit seiner Einweihung im Jahr 1971 hat der ‚Spuk im Wald‘ inzwischen Generationen von Kindern begleitet. In manchen Familien könnten hier bereits Großeltern, deren Kinder und Enkel gespielt haben – und mit etwas Geduld vielleicht sogar bald die Urenkel. Für einen Spielplatz ist das eine bemerkenswerte Karriere.
Unser Bericht: Abenteuerspielplatz „Spuk im Wald“ für große und kleine Gäste gerüstet
Spuk im Wald vor über zehn Jahren
Wer sehen möchte, wie das Gelände schon vor mehr als einem Jahrzehnt aussah, findet auf YouTube noch einen kleinen filmischen Rundgang durch Waldspielplatz, Wildgehege und Naturfreundehaus. Interessant ist dabei weniger, was sich verändert hat, sondern wie vieles erstaunlich vertraut geblieben ist. Die Bäume sind etwas größer geworden, einige Spielgeräte wurden erneuert, doch der Charakter des Ortes ist derselbe geblieben.
Video: Waldspielplatz, Wildgehege und Naturfreundehaus vor über zehn Jahren
Ein Ort, der nicht geschniegelt wirken muss

Vielleicht liegt genau darin der Charme des „Spuk im Wald“. Der Platz wirkt nicht geschniegelt. Er darf nach Wald aussehen. Er darf Gebrauchsspuren haben. Die Wege verlaufen nicht immer gerade, die Geräte stehen zwischen Bäumen, und an manchen Stellen übernimmt die Natur sichtbar einen Teil der Gestaltung.
Vom Biergarten führt der Weg zum Wildgehege, vom Gehege zur Seilbahn, von dort zum Barfußpfad und weiter in den Wald. Wer möchte, kann von hier aus auch den Wichtelpfad erkunden. Irgendwann landet man irgendwo zwischen Farn, Vogelgezwitscher und der Frage, wie lange Kinder eigentlich ohne Smartphone beschäftigt sein können.
Die Antwort findet man hier erstaunlich schnell.
Häufige Fragen zum „Spuk im Wald“
Für welches Alter eignet sich der Spielplatz?
Durch die Mischung aus Sandbereich, Schaukeln, Kletteranlagen, Seilbahn, Barfußpfad und Wildgehege finden hier sowohl Kleinkinder als auch ältere Kinder Beschäftigung. Besonders beliebt ist die Kombination aus Spielplatz und Tiergehege, die für Abwechslung sorgt.
Zu welcher Jahreszeit lohnt sich ein Besuch?
Der „Spuk im Wald“ ist ein Ausflugsziel für das ganze Jahr. Im Sommer spendet der Wald angenehmen Schatten, im Herbst sorgen die bunten Blätter für eine besondere Atmosphäre. Selbst im Winter und an kühleren Tagen hat der Platz seinen Reiz – wetterfeste Kleidung vorausgesetzt.
Muss man Eintritt bezahlen?
Nein. Der Besuch des Abenteuerspielplatzes, des Wildgeheges und des Barfußpfades ist kostenlos.
Kann man die Tiere füttern?
Ja. Direkt am Wildgehege befindet sich ein Futterautomat. Besucher sollten ausschließlich das dort angebotene Futter verwenden, damit die Tiere artgerecht versorgt werden.
Welche Tiere gibt es im Wildgehege?
Zum Wildgehege gehören unter anderem Damwild, Ziegen und Hühner. Besonders die Ziegen erfreuen sich bei Kindern großer Beliebtheit, vor allem wenn es Nachwuchs im Gehege gibt.
Was sollte man für den Besuch mitbringen?
Festes Schuhwerk ist empfehlenswert, da viele Wege durch den Wald und über unebene Flächen führen. Wer den Barfußpfad ausprobieren möchte, kann zusätzlich ein kleines Handtuch einpacken. Für den Futterautomaten sind Münzen hilfreich.
Gibt es Toiletten oder eine Einkehrmöglichkeit?
Direkt neben dem Spielplatz befindet sich das Naturfreundehaus Gossenbrunnen mit Biergarten und Gastronomie. Dort stehen auch sanitäre Anlagen für Gäste zur Verfügung.
Kann man dort einen ganzen Nachmittag verbringen?

Ja. Zwischen Spielplatz, Wildgehege, Seilbahn, Barfußpfad, Waldwegen und Naturfreundehaus lässt sich ohne Weiteres ein halber oder sogar ganzer Tag verbringen. Außerdem gibt es reichlich Anschluss-Ideen, wenn einem langweilig werden sollte. Rundwanderwege und der Wichtelpfade starten wenige Meter vom Spuk-im-Wald entfernt.
Ist der „Spuk im Wald“ auch für Kindergeburtstage geeignet?
Viele Familien nutzen das Gelände für gemeinsame Ausflüge oder Kindergeburtstage. Die Kombination aus Spielmöglichkeiten, Tieren und Wald bietet genügend Abwechslung für mehrere Stunden.
Wo befindet sich der „Spuk im Wald“?
Der Abenteuerspielplatz liegt oberhalb von Leimen beim Naturfreundehaus Gossenbrunnen und dem angrenzenden Wildgehege. Er ist sowohl zu Fuß als auch mit dem Fahrrad gut erreichbar und zählt zu den beliebtesten Ausflugszielen für Familien in Leimen und der Region.
Kurz-URL: https://leimenblog.de/?p=203826













































