Auch Leimen feiert Jubiläum – Kleine Bilderausstellung im Foyer des Rathauses

(16.9.2016 mu) Gut – über die Frage, ob 1225 Jahre ein „rundes“ und damit feierwürdiges Jubiläum darstellen, lässt sich trefflich streiten. Da man die Feste aber feiern soll, wie sie fallen, gibt es zur Weinkerwe in Leimen in zusätzliches Angebot – eine Fotoausstellung im Foyer des Rathauses, die Einblicke in die zurückliegenden 1225 Jahre der Stadtgeschichte geben. Neben den Faksimiles einiger wichtiger Urkunden – darunter natürlich die erste Erwähnung Leimens im Lorscher Codex aus dem Jahr 791 – stehen vor allem Bilder aus vergangenen und aktuellen Tagen Leimens im Mittelpunkt. Bewusst wurde bei manchen Bildern auf einen erläuternden Text verzichtet, denn der Besucher soll selbst herausfinden, wo die Aufnahme gemacht wurde.

Die heutige Kurpfalz war zu allen Zeiten bewohnt, und es gibt in Leimen Funde bereits aus römischer Zeit. Auch aus den sogenannten „dunklen Jahrhunderten“ zwischen dem 3. und 8. Jahrhundert, wo kaum schriftliche Zeugnisse vorhanden und Archäologen somit weitgehend auf Ausgrabungen angewiesen sind, wurden Siedlungsspuren dokumentiert.

Im Spätjahr 2006 wurde beim Verlegen von Stromkabeln das Grab einer jungen, etwa 1,65 Meter großen Frau zwischen 16 und 18 Jahren gefunden, die zwischen 530 und 555 im Gebiet des heutigen Leimens begraben wurde. Nach 1888, 1924, 1936 und 1948 war dies der insgesamt fünfte Fund dieser Art, der eine frühe Besiedlung belegt. Urkundlich erwähnt und damit schriftlich belegt wird die heutige Große Kreisstadt aber erstmals im „Lorscher Codex“ (Reg. 2315), Urkunde Nr. 686, wo folgendes notiert wurde:

„In Christi Namen, am 1. Mai im 23. Regierungsjahre (=791) unseres Herrn, des ruhmreichen Königs Karl. Ich, Machelm, mache auf göttliche Eingebung hin, zu meinem Seelenheile und um der Wiedervergeltung in der Ewigkeit willen durch diese Schenkungsurkunde eine Zuwendung an den Heiligen Märtyrer Gottes Nazarius. Sein Leib ruht in dem am Flusse Wischoz (=Weschnitz) gelegenen Oberrheingauer Kloster Lorsch, dem der ehrwürdige Herr Richbodo als Abt vorsteht. Mit dem Wunsche, dass meiner Vergabung ewige Dauer beschieden sei, schenke ich in … Leimheim (=Leimen) alles, was ich bisher dort besessen habe, nämlich Hofreiten, Felder, Wiesen, Weiden, Wege, Wälder, Weinberge, Wohnhäuser, Wirtschaftsbauten und Leibeigene namens Grimolf, Warmunt, Geila mit zwei Kindern und Suongart mit zwei Kindern, alles Bauland und Ödland und alles das, was mein Alod (=ererbtes Eigengut) ist oder von mir kultiviert, gekauft und eingetauscht wurde oder durch anderweitigen Erwerb auf gesetzlichem Wege an mich gekommen ist. Ich schenke auch das Vieh beiderlei Geschlechts, sei es Großvieh oder Kleinvieh, bewegliche und unbewegliche Habe und alle Gerätschaften. Alles übergebe und übertrage ich zur Gänze und in unverändertem Zustande aus meinem Besitz in das Eigentums- und Herrenrecht des Hl. Nazarius. Im Namen Gottes möge er alles auf ewig besitzen.

Geschehen im Kloster Lorsch.
Handzeichen des Machelm, welcher veranlasst hat, dass diese Schenkungsurkunde ausgestellt und gefertigt werde.

Handzeichen der Zeugen Herdrich, Giselhelm, Engilwan und Adelhelm“

Tauchen Sie also während der Kerwe auch einmal ein wenig in die Stadtgeschichte ein. Die Ausstellung kann im Rahmen der am Sonntag zweimal um 14 und 15.30 Uhr stattfindenden Rathausführung besichtigt werden, der Eintritt ist ebenso wie die Führung frei.

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