Das Südmährertreffen 1949 in Sandhausen – Frohes Wiedersehen mit alten Bekannten

(von Wilfried Hager – 31.5.20) Gestern hatten wir an dieser Stelle über den früheren Bürgermeister Adam Mattern berichtet. Neben vielen kommunalpolitischen Themen aus der Nachkriegszeit, über welche wir noch berichten werden, fand im Sommer 1949 eine Großveranstaltung in Sandhausen statt: Das Südmährertreffen, mit rund 5000 Besucher, nicht viel weniger als Sandhausen Einwohner seinerzeit hatte. Südmährertreffen gibt es im Übrigen auch heute noch.

Im Heidelberger Tageblatt wurde hierüber berichtet und es war zu lesen: (Wir haben bewusst den Text nicht abgeändert, sondern wörtlich übernommen, was als Zeitdokument zu sehen ist). Das Bild/Die Bilder stammen von dieser Veranstaltung.

„Drunter und drüber ging es her – kein Wunder – denn es war wirklich ein Ereignis, dass sich hier 5000 Südmährer, Landsleute aus Znaim, Nikolsburg, Zlabings, Pohrlitz usw. zusammenfanden. Freudige Gesichter sah man, für viele jedoch war es nicht leicht, an die alten Zeiten, an die alten heimatlichen Sitten und Gebräuche erinnert zu werden.

Festlich ging es bereits am Samstagabend schon in den landsmannschaftlich, nach den einzelnen Städten und Kreisen eingeteilten Stammlokalen hoch her. So wurden Ansprachen gehalten, dabei so manches Viertele Wein getrunken und nebenbei noch herzhaft getanzt. Hunderte versammelten sich dann am Sonntagmorgen auf dem Festplatz vor dem Rathaus. Geistliche aus der Heimat zelebrierten die ergreifende Messe, ermunternde Ansprachen folgten anschließend.

Der eigentliche südmährische Kirtag wurde aber erst am Nachmittag eröffnet, nachdem der Gemeinderat von Sandhausen und die Altburschen und Altmädel kränzchengeschmückt von der Jilka-Kapelle abgeholt wurden. Es war ein schönes Bild, das so manchen Altbürger erkennen ließ, wie sehr die alten Sitten vernachlässigt wurden.

Die Gemeinderäte saßen in der „Krone“ und harrten der Dinge, die da für sie ganz ungewohnt kommen sollten. Und dann posaunte es vor den Wirtshausfenstern, dass die Scheiben klirrten. Die Festjungfern, frische, zum Teil aber auch etwas schüchterne Mädchen kamen nun in die Wirtsstube und schmückten zunächst die Gemeindeväter mit ihren Blumenkränzchen und führten sie auf die Straße.

Köstlich, wie sich Bürgermeister Mattern genierte, mit einem so hübschen Mädchen am Arm durch den Ort zu stolzieren; umso lieber taten es aber die anderen Gemeinderäte und so war es dann doch ein stattlicher Zug, der sich zum Rathausplatz durch ein staunendes, lächelndes Spalier von Einheimischen bewegte. Was dann geschah, war ein fröhliches, unterhaltendes Intermezzo. Und dann nahm das Fest seinen vorgesehenen, von allen ersehnten Verlauf.

Schnauzbärte schwenkten sich in den Gläsern, Stimmung kam auf, Großvater und Großmutter tanzten und – hei, wie da die ebenfalls schon tanzlustig gewordenen Enkel unter dem Maibaum staunten!

Der Bürgermeister sprach dazwischen einige freundliche Worte über den „Sandhäuser Rundfunk“. Bis in die Nacht hinein schmetterte die Kapelle ihre Weisen, alte Heimatlieder wurden gesungen, Erinnerungen wurden ausgetauscht und man vergaß die Not und die vielen Entbehrungen der vergangenen, schweren Zeit – und das war eigentlich auch der Sinn des Zusammentreffens der Südmährer.“

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